Europawahlkampf

Parlamentarierin Bentele führt Berliner CDU in Europawahl

Überraschung bei der CDU: Hildegard Bentele setzt sich gegen den Bezirksstadtrat in Mitte, Carsten Spallek, durch.

Carsten Spallek (r.), Bezirksstadtrat in Berlin-Mitte, gratuliert Hildegard Bentele (beide CDU), stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus,  zu ihrer erfolgreichen Kandidatur.

Carsten Spallek (r.), Bezirksstadtrat in Berlin-Mitte, gratuliert Hildegard Bentele (beide CDU), stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus, zu ihrer erfolgreichen Kandidatur.

Foto: dpa

Berlin. Das ist eine große Überraschung gewesen: Die Berliner CDU nominierte am Sonnabend Hildegard Bentele als Spitzenkandidatin für die Europawahl im kommenden Jahr. Bentele setzte sich auf einer Landesvertreterversammlung in Adlershof klar mit 141 zu 90 Stimmen gegen Carsten Spallek durch. Am Abend zuvor hatte sich der Landesvorstand noch einstimmig auf Spallek verständigt. Bentele hatte dann erst kurz vor der Wahl am Sonnabend ihre Kandidatur bekannt gegeben – und wurde schon im ersten Wahlgang zur Siegerin gekürt.

Der Unterlegene gratulierte der künftigen Spitzenkandidatin und sagte ihr seine Unterstützung zu. Die Vertreterversammlung wählte Spallek wenig später auf Listenplatz 2. Allerdings hat nur Bentele eine realistische Chance, auch tatsächlich ins Europaparlament einzuziehen.

Mit Hildegard Bentele schickt die CDU eine ausgewiesene Außenpolitikerin ins Rennen um die Europawahl. Vor ihrer Karriere als Landespolitikerin war sie als Diplomatin im Auswärtigen Amt tätig, unter anderem in Kroatien und im Iran. „Man muss Europa kennen, um es zu können“, begründete die 42-Jährige in ihrer Bewerbungsrede dann auch ihre Kandidatur gegen Mittes Stadtrat Carsten Spallek. Die Berliner CDU-Chefin Grütters, die sich noch am Freitagabend für Spallek als EU-Kandidaten ausgesprochen hatte, war am Sonnabendmorgen von Bentele über die geplante Kandidatur informiert worden – per SMS.

Grütters sprach dann von „einer guten Wahl“ und einer „überzeugenden Kandidatin“. Der Vorgang zeige, dass die Hauptstadt-CDU weiblich sei, sagte Grütters. Schon im Sommer habe es auch Gespräche mit Bentele gegeben. Seinerzeit habe diese aber keine Ambitionen auf die Spitzenkandidatur deutlich gemacht, erklärte Grütters am Rande der Versammlung.

Bentele, die in der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus für Schulpolitik verantwortlich ist, kommt aus dem CDU-Kreisverband Tempelhof-Schöneberg, von dem sie allerdings nicht komplett unterstützt wurde. Der Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak als prominenter Vertreter des Kreisverbandes hatte für Spallek geworben. Bentele hatte sich bereits 2004, 2009 und 2014 vergeblich für das Europaparlament beworben. Im vierten Anlauf gelang ihr nun der Erfolg. Ursprünglich galt CDU-Generalsekretär Stefan Evers als Europakandidat mit den meisten Chancen. Dieser stellte seine Ambitionen aber zurück und übernahm an der Seite des neuen Fraktionschefs Burkard Dregger als parlamentarischer Geschäftsführer mehr Verantwortung im Abgeordnetenhaus. Die Europawahl findet am Sonntag, den 26. Mai 2019, statt.

In ihrer Rede vor den Landesvertretern hatte CDU-Chefin Grütters die Partei auf einen Politikwechsel eingestimmt. Der Verzicht von Angela Merkel auf eine erneute Kandidatur für den Parteivorsitz biete auch viele Chancen für die Union. Klar sei, dass nach 18 Jahren eine Ära zu Ende gehe, sagte Grütters, die auch Kulturstaatsministerin ist. „Aber es ist auch eine Chance für einen Aufbruch und für eine demokratische Erneuerung unserer Partei“, so die CDU-Chefin. Am 30. November stellen sich die Kandidaten für die Merkel-Nachfolge auf einer Regionalkonferenz in Berlin vor.

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