Gedenktag

Rosen zum Gedenken an die Opfer der Mauer

An der Bernauer Straße erinnerte man sich an den Mauerfall, im Reichstag an die Ausrufung der Weimarer Republik.

In die Fugen der Mauerteile steckten Teilnehmer der Gedenkveranstaltung zum Fall der Mauer vor 29 Jahren Rosen – auch um der Maueropfer zu gedenken.

In die Fugen der Mauerteile steckten Teilnehmer der Gedenkveranstaltung zum Fall der Mauer vor 29 Jahren Rosen – auch um der Maueropfer zu gedenken.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Berlin. Als Erstes erklangen die Posaunen. Das hat schon Tradition bei der Gedenkveranstaltung an der Bernauer Straße, wo man sich auch dieses Jahr mit Freude an den Fall der Berliner Mauer vor 29 Jahren und mit Trauer an die Maueropfer davor erinnerte. Die Posaunen, sie stellen eine Verbindung zu den Posaunen von Jericho her. „Und wenn es lange tönt, dass ihr die Posaune hört, so soll das ganze Volk ein großes Feldgeschrei machen, so werden der Stadt Mauern umfallen, und das Volk soll hineinsteigen“, heißt es in der Bibel. Auch am 9. November 1989 ließ das Volk eine Mauer fallen – die Berliner Mauer.

Mauern und der Wert der Freiheit, in diesem Jahr haben sie eine besondere Bedeutung. Ist doch die deutsche Gesellschaft gespalten wie lange nicht mehr. Und so rief der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier, dazu auf, die in der friedlichen Revolution und im deutschen Einigungsprozess „errungenen Freiheiten“ nicht als selbstverständlich zu erachten.

An der Gedenkveranstaltung nahm auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) teil, der eine Rose in eine Mauerfuge steckte. 220 Meter originale Grenzanlage ist hier an der Bernauer Straße aufgebaut, mit Hinterlandmauer und Kolonnenweg. Müller betonte kämpferisch, der 9. November 1989 sei ein Tag der Demokraten. „Deshalb lassen wir uns diesen Tag nicht von Populisten, Nationalisten und Rechtsextremisten umdeuten.“ Man werde keine neuen Mauern, keine innergesellschaftlichen Ausgrenzungen zulassen.

An der Gedenkveranstaltung nahmen neben zahlreichen Zeitzeugen, Vertretern von Opferverbänden unter anderem auch Schüler aus Frankreich und Norwegen sowie aus Jüterbog und Berlin teil.

Gedenkfeier zur Ausrufung der Republik 1918

Rund drei Kilometer südwestlich von der Bernauer Straße fand morgens eine weitere Gedenkveranstaltung statt, die auch an einen wichtigen, aber häufig vergessenen Moment der deutschen Geschichte erinnerte: die Ausrufung der Republik durch den SPD-Abgeordneten Philipp Scheidemann am 9. November 1918. „Das Alte und Morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen. Es lebe das Neue; es lebe die deutsche Republik!“, rief Scheidemann aus einem Fenster des Reichstags.

Daran erinnerte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einer Rede im Reichstag. Vorher aber hatte der Schauspieler Ulrich Matthes die Worte Scheidemanns im Plenarsaal wieder lebendig werden lassen. Bundespräsident Steinmeier warb danach für einen „Patriotismus der leisen Töne“ in Deutschland. „In unserem Handeln müssen wir beweisen, dass wir, die Deutschen, wirklich gelernt haben.“ Damit schlug er die Brücke zu den anderen Gedenk- und Schicksalstagen dieses 9. Novembers, darunter auch die Reichspogromnacht. Steinmeier sagte, der 9. November sei ein ambivalenter Tag, er stehe für „Licht und Schatten“.

Ohne die AfD-Abgeordneten im Bundestag direkt anzusprechen, wandte sich Steinmeier gegen Nationalismus und die Herabsetzung demokratischer Spielregeln. Die Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold reklamierte er für die demokratischen Traditionen Deutschlands und betonte: „Wer heute Menschenrechte und Demokratie verächtlich macht, wer alten nationalistischen Hass wieder anfacht, der hat gewiss kein historisches Recht auf Schwarz-Rot-Gold.“ Von den AfD-Abgeordneten kam daraufhin nur wenig ­Beifall.

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