Sanierung

Verzögerung bei zentraler Stelle zur Asbestberatung

Geld für die Beratungsstelle steht bereit. Allein 47.000 landeseigene Wohnungen sind mit dem krebserregenden Stoff belastet.

Viele asbestbelastete Wohnungen müssen saniert werden.

Viele asbestbelastete Wohnungen müssen saniert werden.

Foto: Asbest Sanierung

Berlins kommunale Wohnungsbaugesellschaften haben ein Asbestproblem. In rund 47.000 landeseigenen Wohnungen findet sich der krebserregende Stoff, der seit 25 Jahren nicht mehr verbaut werden darf. Einen genauen Überblick über den gesamten Bestand an asbest­belasteten Wohnungen in der Hauptstadt gibt es jedoch nicht.

Die rot-rot-grüne Koalition hatte deshalb nicht nur eine Sanierungsstrategie „Gesund und asbestfrei wohnen in Berlin“ beschlossen, sondern auch die Einrichtung einer Asbestberatungsstelle für Bürger und Eigentümer. Doch das ist bisher nicht geschehen. „Obwohl das Geld dafür bereitsteht“, kritisiert Grünen-Politiker Andreas Otto. Im Berliner Haushalt seien 120.000 Euro für das Jahr 2018 eingestellt, 2019 sollen es 180.000 Euro sein.

Um herauszufinden, woran es bei der Einrichtung der vor knapp einem Jahr beschlossenen Beratungsstelle hapert, hat Otto eine parlamentarische Anfrage an die zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gestellt. Die Antwort macht wenig Hoffnung, dass es nun schneller geht. „Zur Einhaltung des Haushaltsrechts sind Vergabeverfahren durchzuführen, für die – dem komplexen Aufgabenfeld geschuldet – vorbereitender Untersuchungsbedarf besteht“, heißt es in der Antwort des Wohn-Staatssekretärs Sebastian Scheel (Linke). Ein Termin für den Abschluss des Verfahrens könne noch nicht verbindlich festgelegt werden“, heißt es weiter. Da es sich um eine Querschnittsaufgabe handele, fehle zudem die alleinige, zentrale Zuständigkeit.

Bei der Degewo die meisten belasteten Wohnungen

Eine zentrale Asbest-Anlaufstelle hätten sich auch die Anwohner des „Haus des Sports“ auf dem Grundstück Arcostraße 9–11 in Charlottenburg gewünscht. Beim Abbruch des Gebäudes wurde Asbest im Dachgeschoss entdeckt. „Wir Anwohner wurden nicht informiert“, beschwert sich eine Nachbarin, die anonym bleiben möchte.

Sie habe beobachtet, wie sich bei den Sanierungsarbeiten die Dachfolie ablöste und im Wind flatterte. Sie sollte eigentlich verhindern, dass Asbest in die Umwelt gelangt, berichtet die Ärztin. Bei dem Versuch, eine Auskunft über die tatsächliche Gefährdung zu erlangen, habe sie „eine Odyssee von Amt zu Amt“ erlebt.

Asbesthaltige Bauelemente wurden überwiegend in den 50er- bis 70er-Jahren verbaut. Sie sind häufig in Bodenfliesen, Balkonbrüstungen oder Rohrabdeckungen verwendet worden. Bei unsachgemäßer Bearbeitung, etwa bei Sanierungsarbeiten, besteht die Gefahr, dass Fasern freigesetzt werden. Nach Auskunft der Senatsverwaltung hat von den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften lediglich die Howoge keine asbestbelasteten Wohnungen mehr im Bestand. Mit 19.711 die meisten Asbest-Wohnungen gibt es bei der Degewo, gefolgt von der Gewobag mit 17.100, der Gesobau mit 5300, der Stadt und Land mit 3350, der WBM mit 865 und der Berlinovo mit 559 Wohnungen.

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