Flughafen Tegel

TXL könnte nach BER-Eröffnung weniger Passagiere abfertigen

Flughafen-Chef Lütke Daldrup hat am Freitag den Abgeordneten des BER-Untersuchungsausschusses die Probleme am TXL gezeigt.

Der Flughafen Berlin-Tegel.

Der Flughafen Berlin-Tegel.

Foto: dpa

Berlin. Bliebe der Berliner Flughafen Tegel nach Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens offen, könnten dort nach Betreiberangaben längst nicht so viele Passagiere abgefertigt werden wie heute. „Wir gehen davon aus, dass sich die Kapazität wahrscheinlich halbieren würde“, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Freitag vor Abgeordneten des BER-Untersuchungsausschusses in Tegel.

Der mehr als 40 Jahre alte Airport brauche eine grundlegende Sanierung, erklärte Lütke Daldrup. Heute werde mehr Platz für Technik gebraucht und es dürften längst nicht mehr so viele Menschen pro Quadratmeter veranschlagt werden. In Tegel waren im vergangenen Jahr gut 21 Millionen Fluggäste abgefertigt worden.

Der neue Flughafen BER im brandenburgischen Schönefeld soll nach mehreren Verschiebungen in zwei Jahren in Betrieb gehen. Der Innenstadtflughafen Tegel soll spätestens ein halbes Jahr später schließen. Die Opposition aus CDU, FDP und AfD im Abgeordnetenhaus verlangt jedoch, Tegel weiterzubetreiben. Auch ein rechtlich nicht bindender Volksentscheid hatte eine Mehrheit dafür erbracht.

Der Senat sowie Brandenburg und der Bund als Miteigentümer der Flughafengesellschaft halten dagegen an einer 1996 getroffenen Vereinbarung fest. Danach ersetzt der BER die Berliner Flughäfen Tegel, Tempelhof und den früheren DDR-Zentralflughafen in Schönefeld. Tempelhof ist schon seit zehn Jahren geschlossen.

Beim Start im Oktober 2020 wird der BER neun Jahre Verspätung haben. Planungsfehler, Baumängel und Technikprobleme ließen immer wieder Eröffnungstermine kippen, die Kosten stiegen von zwei Milliarden auf nun voraussichtlich 6,5 Milliarden - nur zum Teil durch Erweiterungen des Neubaus und Nachbesserungen beim Schallschutz für die Anwohner. Das Debakel befeuert die Debatte um eine Offenhaltung Tegels. Auf dem Gelände plant das Land jedoch einen Forschungs- und Industriepark.

Notstromaggregate sind zwei französische Schiffdiesel aus den 70ern

Lütke Daldrup zeigte den Abgeordneten die Kälteversorgung, Heizzentrale, Sprinklerzentrale und Notstromaggregate, führte sie durch Entrauchungskanäle, Gepäckverladeanlagen und auf den Tower. „Wir haben laufend Reparaturen“, erklärte er. „Wir sind hier 40 Jahre unterwegs, die Grundsanierung steht vor der Tür.“ Dafür wären nach Darstellung des Flughafens 1,1 Milliarde Euro notwendig.

Für die Notstromaggregate - zwei französische Schiffsdiesel aus den 1970er-Jahren - gebe es keine Ersatzteile mehr, erklärte der Geschäftsführer; Mitarbeiter des Flughafens bauten diese selbst. In der Sprinklerzentrale sei 2015 einer der beiden Tanks ersetzt worden, weil er durchgerostet gewesen sei.

Die Gepäckbänder seien zu kurz und hätten zu enge Kurven, Gepäck für Umsteiger müsse von Hand umgelegt werden. Entlang der Start- und Landebahnen fehle der heute übliche verstärkte Untergrund, der allein in Tegel 200 Millionen Euro kosten würde. „Ich glaube, man macht sich was vor, wenn man meint, dass man eine 40 Jahre alte Infrastruktur einfach so weiter betreiben könnte.“

FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja zog andere Schlüsse. „Die wesentlichen Anlagen sind in hervorragendem Zustand“, sagte er. Ja, es müssten wohl 1,1 Milliarde Euro investiert werden - aber über einen Zeitraum von 20 Jahren und das sei an anderen Flughäfen auch so. „Berlin braucht Tegel“, sagte der Politiker, dessen Partei den Volksentscheid wesentlich betrieben hatte.

Für die SPD widersprach der örtliche Abgeordnete Jörg Stroedter: „Der Flughafen ist am Ende, er muss geschlossen werden.“ Ein Weiterbetrieb sei „der helle Wahnsinn, auch wirtschaftlich“.

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