Geschichte

Merkel warnt vor wachsendem Judenhass in Deutschland

Angela Merkel bei der Gedenkveranstaltung vom Zentralrat der Juden in Deutschland zum 80. Jahrestag der Pogromnacht.

Angela Merkel bei der Gedenkveranstaltung vom Zentralrat der Juden in Deutschland zum 80. Jahrestag der Pogromnacht.

Foto: dpa

Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vor zunehmendem Judenhass in Deutschland gewarnt und ein entschlossenes Vorgehen gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung angemahnt. "Es gibt in Deutschland wieder blühendes jüdisches Leben", sagte die CDU-Politikerin am Freitag in Berlin bei einer Gedenkstunde zum 80. Jahrestag der Pogromnacht der Nazis. "Doch zugleich erleben wir einen besorgniserregenden Antisemitismus, der jüdisches Leben in unserem Land und an anderen sicher geglaubten Orten der Welt bedroht." Dieser Antisemitismus entlade sich zunehmend offen in teils ungehemmter Hetze im Internet wie auch im öffentlichen Raum.

"Leider haben wir uns beinahe daran gewöhnt, dass jede jüdische Einrichtung (...) von der Polizei bewacht oder besonders beschützt werden muss", so Merkel. "Aber wir erschrecken uns über Angriffe auf Menschen, die eine Kippa tragen, und stehen fassungslos vor dem rechtsradikal motivierten Angriff auf ein jüdisches Restaurant im August dieses Jahres in Chemnitz." Diese Form antisemitischer Straftaten wecke "schlimme Erinnerungen an den Beginn der Judenverfolgung in den 30er Jahren", sagte die Kanzlerin.

Jeder sei gefordert, die Grundwerte des Grundgesetzes zu verteidigen. "Der Staat muss entschlossen und konsequent gegen Verunglimpfung, Ausgrenzung, Antisemitismus, Rassismus und Rechtsradikalismus vorgehen", sagte Merkel. "Ebenso muss der Staat konsequent handeln, wenn Hass auf Juden und Hass auf Israel, verbal und nonverbal, von in unserem Lande lebenden Menschen ausgeht, die von einem anderen religiösen und kulturellen Hintergrund geprägt worden sind."

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