Preise

Teure Mieten: Menschen fliehen an den Stadtrand

Immer mehr Berliner können sich die Wohnungen in der Innenstadt wegen steigender Mieten nicht mehr leisten.

Randlagen, wie die Gropiusstadt, sind immer mehr gefragt.

Randlagen, wie die Gropiusstadt, sind immer mehr gefragt.

Foto: dpa Picture-Alliance / Bildagentur-online/Schoening / dpa/PA/Bildagentur-online/Schoening

Berlin. Wohnungssuchende mussten im Jahr 2018 erneut deutlich tiefer in die Tasche greifen als in den Vorjahren, um eine Mietwohnung in Berlin anzumieten. Nach den aktuellen Zahlen des IVD Berlin-Brandenburg stiegen die Schwerpunktmieten in einfachen und mittleren Lagen um knapp sechs Prozent auf neun Euro pro Quadratmeter und Monat (kalt). In guten Wohnlagen stiegen die Preise etwas langsamer: Sie verteuerten sich durchschnittlich um fünf Prozent auf 10,50 Euro. Und weil angesichts der teuren Preise in der City viele an den Stadtrand und ins Umland ausweichen, steigen nun auch dort die Preise kräftig.

Während es im vergangenen Jahr noch in Neukölln, Marzahn-Hellersdorf und Spandau mit jeweils 7,75 Euro je Quadratmeter und Monat noch drei Bezirke gab, in denen zumindest in einfachen und mittleren Lagen noch unter acht Euro verlangt wurden, liegen die günstigsten Neuvertragsmieten jetzt bei acht Euro. Und das auch nur noch in zwei Bezirken, in Spandau und Neukölln. Marzahn-Hellersdorf hat sich aus dem Kreis der günstigsten Bezirke endgültig verabschiedet. Inzwischen werden dort auch in einfachen Lagen durchschnittlich 8,25 Euro je Quadratmeter und Monat verlangt und gezahlt – 6,5 Prozent mehr als noch im Vorjahr.

Anders als in den vergangenen Jahren finden sich unter den Spitzenreitern bei den Mietsteigerungen die zentralen, guten Wohnlagen im Neuköllner Norden. Dort verteuerten sich die Mieten um elf Prozent auf zehn Euro pro Qua-dratmeter. Sogar noch kräftiger zugelegt haben die Mieten in diesem Jahr bis zum Stichtag 1. Oktober in den einfachen und mittleren Lagen von Steglitz-Zehlendorf. Hier kletterten die Mieten sogar um knapp zwölf Prozent auf 9,50 Euro pro Quadratmeter.

Eigentumswohnung oder Haus am Stadtrand?

„Die Stadtrandlagen haben aufgrund des hohen Preisdrucks in Verbindung mit dem knappem Angebot in den zentralen Lagen deutlich an Beliebtheit gewonnen“, begründet IVD-Wertermittlerin Katja Giller diesen Trend. Problematisch für die Wohnraumversorgung sei dabei vor allem die Preissteigerung bei den unteren und mittleren Preissegmenten im gesamten Stadtgebiet, denn immer mehr Berliner müssen angesichts der Preissteigerungen ins Umland ausweichen, weil sie keine Mietwohnung mehr finden, die ihr Budget zulasse. „Das gilt auch für Wohneigentum“, sagt die Expertin.

Angesichts der stetig steigenden Mieten überlegt sich mancher Wohnungssuchende, ob er nicht besser eine Eigentumswohnung oder sogar besser gleich ein Häuschen am Stadtrand erwirbt.

Mit einem Preiszuwachs von 12,8 Prozent auf 2650 Euro pro Quadratmeter in mittleren und einfachen Wohnlagen und rund acht Prozent auf 3350 Euro pro Quadratmeter in besseren Wohnlagen haben sich die Preise für Eigentumswohnungen in Bestandsimmobilien durchschnittlich entwickelt.

Für freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser (ohne Neubau) werden 2018 Preissteigerungen von sechs Prozent in einfachen und mittleren sowie rund elf Prozent in guten Lagen verzeichnet (2017: zehn Prozent in allen Wohnlagen). „Diese Diskrepanz ist der Besonderheit geschuldet, das in einfachen Lagen von Charlottenburg wiederholt keine Ein- und Zweifamilienhäuser ausgewertet werden konnten und der vergleichsweise hochpreisige Bezirk deshalb bei der Preisermittlung in diesem Jahr erstmalig entfallen ist“, so IVD-Expertin Giller. Die Preisanstiege hätten damit das Vorjahr noch einmal übertroffen und bestätigten einen Trend zurück ins Eigenheim.

Häuser kosten bis zu 500.000 Euro

Für ein freistehendes Einfamilienhaus (durchschnittlich 140 Quadrater Wohnfläche und 700 Quadratmeter Grundstück) in guter Lage muss man im Durchschnitt 500.000 Euro, in einfachen und mittleren 360.000 Euro investieren. Das mit Abstand höchste Niveau wird mit 1.050.000 Euro weiterhin in Charlottenburg-Wilmersdorf erreicht. In den guten Lagen von Steglitz-Zehlendorf kostet ein Haus im Schnitt 650.000 Euro. Die günstigsten Kaufpreise finden sich in den einfachen Stadtrandlagen von Treptow-Köpenick und Pankow, wo im Schwerpunkt 320.000 Euro investiert werden müssen, in Treptow-Köpenick damit immerhin etwa 14 Prozent mehr als im Vorjahr (2017: 280.000 Euro).

„Der Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern ist weiter beliebt, allerdings sind in vielen Lagen wie schon im vergangenen Jahr kaum geeignete Baugrundstücke verfügbar“, sagt Katja Giller. Das führe zu einer anhaltenden Abwanderung ins Umland.

Das wiederum sorgt auch dort für kräftig steigende Preise. Das höchste Preisniveau findet sich in Kleinmachnow an der südwestlichen Stadtgrenze Berlins. Dort kostet ein Einfamilienhaus im Durchschnitt 580.000 Euro (2017: 520.000). In den weiter entfernten Lagen um Strausberg und Fredersdorf im Osten sowie Oranienburg, Wandlitz und Bernau im Norden und Brieselang im Westen werden für ein Einfamilienhaus im Durchschnitt 260.000 Euro bis 290.000 Euro (Vorjahr: 230.000 Euro bis 260.000 Euro) verlangt.

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