Bildung

Eltern müssen Kinder in Gemeinschaftsschule anmelden

Das Berliner Schulgesetz soll in vielen Punkten geändert werden. Die Gemeinschaftsschule wird als Regelschule eingeführt.

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Berlin. Nach einer Pilotphase von neun Jahren soll die Gemeinschaftsschule nun als Regelschule ins Berliner Schulgesetz aufgenommen werden. Dieser Schritt ist unter den Parteien des Abgeordnetenhauses umstritten – ist die Gemeinschaftsschule doch eine Schule der Reformpädagogik, die sich teilweise stark vom traditionellen Schulbild unterscheidet.

Gelernt wird gemeinsam von der ersten bis zur zehnten oder auch bis zur 13. Klasse. Manche Gemeinschaftsschulen arbeiten bis zur neunten Klasse ohne Noten. Und jahrgangsübergreifendes Lernen, kurz JüL, kann bis in die oberen Klassen der Mittelstufe gehen. Ein Konzept, das nicht alle Eltern für ihre Kinder wünschen. Wird die Gemeinschaftsschule aber zu einer Regelschule, fungiert sie für einen Teil der Schulanfänger als Einzugsgrundschule. Das heißt: Wer im Einzugsbereich wohnt, muss seinen Nachwuchs dorthin schicken, ob man vom Konzept überzeugt ist oder nicht. Im Moment gibt es 24 Gemeinschaftsschulen in Berlin, weitere sind in Planung.

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In einer Anhörung im Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), mit der Gemeinschaftsschule gelinge eine „Entkoppelung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg“. Das habe die Pilotphase und die wissenschaftliche Begutachtung gezeigt. Außerdem arbeite dieser Schultyp wie kein anderer inklusiv, sei also eine Bereicherung für Berlin. Für die Gemeinschaftsschulen sprach Robert Giese, Schulleiter der Fritz-Karsen-Schule in Neukölln.

Er freute sich über die Anerkennung als Regelschule, bat aber um Veränderungen im Gesetzentwurf. Geplant ist, dass 70 Prozent der Erstklässler als Einzugsgrundschüler zur Gemeinschaftsschule stoßen, 30 Prozent der Plätze aber für Familien frei gehalten werden, die sich bewusst für diese Schulform entscheiden. „Wir hätten lieber eine 50:50-Quote“, sagte er nun – damit man weniger Familien ablehnen müsse, die diese Schulform wollten.

Forderung nach gesetzlichem Widerspruchsrecht für Eltern

Während SPD, Linke und Grüne den neuen Schultyp begrüßten, kam von der Opposition Kritik. Die Gemeinschaftsschule werde mit „Brechstange“ eingeführt, so Mario Czaja, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion. Den Eltern werde die Wahlfreiheit genommen, sie würden – je nach Wohnlage – zu dieser Schule gezwungen. Er kritisierte, dass man mit der Evaluation des Schultyps nicht zumindest den Zyklus einer Schülergeneration abgewartet habe.

Seine CDU-Parteikollegin, die Reinickendorfer Schulstadträtin Katrin Schultze-Berndt forderte ein „gesetzlich verankertes Widerspruchsrecht der Eltern“, wenn sie die Einschulung auf einer Gemeinschaftsschule nicht wollten. Der spätere Wechsel auf ein Gymnasium oder eine Sekundarschule sei sonst nicht ganz einfach, da dafür Noten entscheidend seien. Noten? „Kein Problem“, entgegnete Schulleiter Giese. Man könne immer Kompetenzen zu Noten umformulieren, wenn es sein müsse.

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