Insgesamt vier Festnahmen

Großeinsatz - Mutmaßlicher Kopf von Schleuserbande verhaftet

Es ist einer der größten Einsätze der Bundespolizei in der Hauptstadt gegen Schleuser. Massenhaft werden Objekte durchsucht.

 Bundespolizisten führen bei einem Einsatz gegen eine mutmaßliche Schleuserbande einen Mann ab

Bundespolizisten führen bei einem Einsatz gegen eine mutmaßliche Schleuserbande einen Mann ab

Foto: dpa

Berliner Ermittlern ist ein beachtlicher Schlag gegen die Schleuser-Kriminalität gelungen. Bei dem bislang größten Einsatz der Bundespolizei in der Hauptstadt gegen illegal eingeschleuste Ausländer wurden am Dienstag vier Hauptverdächtige verhaftet. Die deutsch-serbische Bande soll in 200 bislang ermittelten Fällen das gewerbsmäßige Einschleusen von Ausländern organisiert und Scheinehen arrangiert haben, wie Bundespolizei und Staatsanwaltschaft mitteilten.

Bei einer großangelegten Razzia wurden bis zum Mittag 50 Objekte durchsucht, davon die meisten in Berlin. In Brandenburg wurde eine, in Nordrhein-Westfalen zwei Privatwohnungen durchsucht.

Dabei wurden auch 170.000 Euro in bar und zwei teure Autos beschlagnahmt, wie Thomas Striethörster, Chef der Bundespolizei für Berlin und Brandenburg, mitteilte. Laut Behörde wurden umfangreiche Beweise gesichert, unter anderem gefälschte Heiratsurkunden, Arbeitsverträge und Anmeldungen. Scheinehen seien über einen Rechtsanwalt für 12.000 bis 16.000 Euro angeboten worden

Vor allem Männer, aber auch Frauen aus Pakistan und Bangladesh, Albanien und Vietnam wurden laut Bundespolizei mit vermeintlichen Partnern aus den EU-Ländern Polen, Griechenland und Ungarn zusammengebracht, um eine EU-Ausländerkarte zu erschleichen. Laut Staatsanwaltschaft wurden die arrangierten Ehen zum Teil auch in Dänemark geschlossen. Dann sei die Urkunde in Deutschland vorgelegt worden. Es seien aber auch einfach Heiratsurkunden gefälscht worden. Die Nachforschungen laufen bereits seit einem Jahr.

Ermittelt werde vor allem wegen gewerbsmäßiger Urkundenfälschung, sagte Oberstaatsanwältin Petra Leister. Hier könne bei einer Verurteilung das Strafmaß höher ausfallen als bei der Erschleichung von Aufenthaltstiteln. Es würden auch Familienangehörige nachgeholt, so Leister. Das Dunkelfeld sei sehr groß, die Aufklärungsquote gering.

Der Leiter der Staatsanwaltschaft, Jörg Raupach, wies darauf hin, dass einige Firmen vermeintliche EU-Bürger zu sehr geringen Löhnen beschäftigten. Eingeschleuste würden auch kriminell, um die hohen Vermittlungsgebühren für den Aufenthalt in Deutschland aufzubringen. Rund 570 Beamte waren an der Razzia beteiligt. Die Verhafteten sind zwei deutsche Männer im Alter von 51 und 63 Jahren, eine 51-jährige deutsche Frau und ein 40 Jahre alter Serbe. Die Staatsanwaltschaft hatte die Haftbefehle gegen das Quartett vor den Durchsuchungen erwirkt.

Zuletzt waren Fahnder im Mai mit einer großen Razzia in Berlin und Brandenburg gegen eine deutsch-vietnamesische Bande von mutmaßlichen Menschenschleusern vorgegangen. Rund 20 Wohnungen waren durchsucht worden, drei Hauptverdächtige waren verhaftet worden.

Wegen des gleichen Verdachts gab es auch im März ebenfalls gegen eine deutsch-vietnamesische Bande eine Razzia der Polizei in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Hessen. Im September 2017 hatte die Berliner Polizei einen größeren Betrug mit Scheinehen zwischen Männern aus Nigeria und Frauen aus Portugal aufgedeckt.

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