Verkehr

Überfüllter ICE: Bahn ruft Bundespolizei

Weil auf dem Weg nach München ein ganzer Zugteil fehlte, führte das zu Enge und chaotischen Zuständen.


Voller wurde es hingegen auf den Bahnhöfen wie hier am Berliner Hauptbahnhof. Viele Passagiere hatten umgebucht oder sich ein Bahnticket besorgt.

Voller wurde es hingegen auf den Bahnhöfen wie hier am Berliner Hauptbahnhof. Viele Passagiere hatten umgebucht oder sich ein Bahnticket besorgt.

Foto: Hannibal Hanschke / dpa

In einem Zug von Berlin nach München herrschte am Freitagmittag Ausnahmezustand wegen Überfüllung. Die Bahn rief die Bundespolizei zu Hilfe.

Hauptbahnhof Berlin, 12.30 Uhr. Der ICE 1511 traf zwar pünktlich ein, war aber deutlich zu kurz. Statt wie vorgesehen mit zwei Zugteilen, fuhr der Zug lediglich mit einem Zugteil ein. Sieben Waggons fehlten. Ausgerechnet an einem Freitag auf der stark frequentierten Strecke Berlin–München. Das Ergebnis: auf dem Bahnsteig herrschten chaotische Szenen am Gleis und die vorhandenen Abteile waren binnen kurzer Zeit hoffnungslos überfüllt.

So drängten sich Fahrgäste ohne reservierte Plätze und Reisende mit Platzkarten für Sitze in den nicht vorhandenen Waggons in den Zug. Bahnmitarbeiter hätten dann die Fahrgäste mit einer Reservierung für die fehlenden Waggons gebeten, wieder auszusteigen. Man habe ihnen als Ausgleich Gutscheine im Wert von 30 Euro angeboten, so Bahnreisende. Offenbar ohne Erfolg. Viele Fahrgäste blieben in dem Zug. Mit an Bord war auch die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne). Sie schilderte ihre Eindrücke via Twitter. So schrieb sie: „Hab noch vergessen, wer freiwillig geht, bekommt 30-Euro-Reisegutschein. Wenn nicht genügend freiwillig aussteigen, kommt Bundespolizei und räumt den Zug!“

Bundespolizei unterstützt Bahnbegleiterin

Trotz der Überfüllung fuhr der Zug dann zum Bahnhof Südkreuz. Dort kamen dann auch drei Bundespolizisten zur Sicherheit gegen 12.40 Uhr an Bord. „Wir haben keine eigenen Maßnahmen getroffen, sondern wurden von der Bahn um Unterstützung gebeten“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. „Der Zug war stark überfüllt und wir haben zur Gefahrenabwehr eine Zugbegleiterin begleitet.“ Viele Fahrgäste hätten Flucht- und Rettungswege blockiert. „Es haben viele Fahrgäste auf Bitten der Zugbegleiterin den Zug verlassen, ohne dass die Bundespolizei eingreifen musste“, so ein Sprecher der Behörde.

Von Räumung des Zuges, wie es in einigen Medien hieß, könne aber keine Rede sein. Auf Monika Herrmann machte der Auftritt der drei Bundespolizisten einen anderen Eindruck. „Die Schaffnerin kam mit drei Polizisten durch den Zug. Sie war freundlich, aber sehr bestimmt. Es war eindeutig: Das ist kein Spaß mehr.“ Die Bezirksbürgermeisterin zeigte aber Verständnis für das Vorgehen. „Die Sicherheit in den Zügen hat Vorrang. Die Bundespolizisten griffen nicht ein, hielten sich im Hintergrund und waren sehr freundlich.“ Am meisten ärgere sie, dass die Bahn Tickets und Reservierungen für Waggons verkauft, die dann nicht eingesetzt werden.

Nach Angaben eines Bahnsprechers haben Fahrgäste auch mit einer Reservierung in einer solchen Situation keinen Anspruch auf eine Mitfahrt. Auch dann nicht, wenn der Waggon ausfällt, für den die Reservierung gemacht wurde. Die Gründe dafür, dass der zweite Zugteil fehlte, konnte ein Sprecher am Freitag nicht sagen. Auch am Sonnabend konnten Gründe nicht genannt werden.

Es gibt eine Vermutung zu den Gründen des Ausfalls. „Nach dem Feuer in einem ICE 3 Mitte Oktober auf der Strecke zwischen Köln und Frankfurt prüft die Bahn alle Züge dieser Baureihe auf Mängel“, sagte Christian Schultz, Bundesvorstand Personenverkehr Deutscher Bahnkunden-Verband. „Bei der Bahn ist ohnehin alles auf Kante genäht. Jede Reparatur und jede Hauptuntersuchung eines Zuges verschärft die Zugknappheit noch.“

Bei dem ohnehin vorhandenen Mangel an Zügen könnte das der Grund dafür sein, dass am Freitag nur ein Zugteil im Einsatz war. Der ICE 3 wird auch auf der Strecke zwischen Berlin und München eingesetzt. Das Feuer war in einem ICE bei Dierdorf in der Nähe von Neuwied in Rheinland-Pfalz ausgebrochen. Grund dafür soll ein defekter Trafo gewesen sein. Nach Angaben der Bahn rollt nun ein Zug nach dem anderen in die Werkstätten und wird durchgecheckt. Nach Angaben der Bahn sollten diese Sonderuntersuchungen aber nicht zu Beeinträchtigungen führen, wie Schultz sagte. „Das zumindest behauptet die Bahn.“ Monika Herrmann erreichte übrigens München nach eigenen Angaben mit 30 Minuten Verspätung. Am Sonntag wird sie mit der Bahn wieder nach Berlin zurückfahren.

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