Unzulässige Gebühren

Verbraucherschützer mahnen Herthas Ticket-Partner ab

Eine Gebühr für Karten zum Selbstausdrucken ist laut BGH-Urteil unzulässig. Die Verbraucherzentrale will juristisch dagegen vorgehen.

Foto: picture alliance/Uwe Anspach/dpa

Berlin. Die Berliner Verbraucherzentrale will gegen den Ticket-Partner des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC wegen unzulässiger Gebühren beim Eintrittskartenverkauf juristisch vorgehen. In den nächsten Tagen solle der Eventim Sports GmbH eine Abmahnung mit Unterlassungserklärung zugestellt werden, kündigte eine Sprecherin der Verbraucherschützer gegenüber der Berliner Morgenpost an. Hintergrund sind die Entgelte, die Eventim Sports über die Internetseite des Fußballvereins beim Verkauf der sogenannten Print-at-home- und mobilen Tickets veranschlagt. Für die Eintrittskarten, die von den Kunden entweder selbst zu Hause ausgedruckt oder auf dem Smartphone gespeichert werden können, verlangt Eventim Sports pro Bestellung derzeit eine Gebühr von 1,50 Euro.

Die Verbraucherzentrale hält das für nicht rechtens und droht noch weiter zugehen: „Sollte das Unternehmen darauf nicht oder nicht wie von uns gefordert reagieren, können wir eine Unterlassungsklage beim zuständigen Gericht einreichen“, sagt Annika Jungbluth, Rechtsexpertin bei der Berliner Verbraucherzentrale. Dann könnte Eventim Sports sogar eine Geldstrafe drohen.

Die Verbraucherschützer berufen sich auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) aus dem August dieses Jahres. Damals hatte das oberste deutsche Zivilgericht eine pauschale Servicegebühr von 2,50 Euro für die elektronische Übermittlung einer Eintrittskarte zum Selbstausdrucken für unzulässig erklärt. Geklagt hatte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gegen den Konzertkartenvertreiber CTS Eventim.

Eventim Sports ist eine Tochterfirma der zuvor beklagten CTS Eventim. Nach Angaben eines Sprechers von Hertha BSC bestehe bei dem Ticket-Dienstleister noch Unklarheit darüber, inwieweit das Urteil auch für den Ticketverkauf für Sportveranstaltungen gelte. Man befinde sich in ständigem Austausch mit seinem Ticket-Partner, so der Hertha-Sprecher auf Morgenpost-Anfrage. „Sofern und sobald sich in dieser Angelegenheit entsprechende Änderungen abzeichnen und in der Folge zu aktivieren sind, werden wir unsere Anhängerschaft und Besucher unserer Heimspiele im Berliner Olympiastadion unverzüglich informieren“, sagte der Sprecher.

Hertha-Kunden könnten Geld zurückverlangen

Das Urteil des BGH (AZ. III ZR 192/17) hingegen spreche eindeutig von „Veranstaltungen“, entgegnen die Verbraucherschützer. „Es ist nicht erkennbar, warum Sportveranstaltungen nicht auch darunter fallen sollen. Eine Veranstaltung ist im allgemeinen Sprachgebrauch ein geplantes Ereignis, das zu einem bestimmten Zeitpunkt und an einem bestimmten Ort stattfindet und an dem Menschen teilnehmen“, sagte Verbraucherschützerin Jungbluth. Dies treffe sowohl auf Konzerte als auch auf Fußballspiele zu.

Die zusätzliche Gebühr auf Print-at-home- und mobile Tickets ist bei Hertha-Heimspielen für Eventim Sports ein lohnendes Geschäft. Nach Angaben des Hertha-Sprechers sind rund zehn Prozent der im Umlauf befindlichen Tickets an Spieltagen zuvor von den Käufern selbst ausgedruckt worden. In der vergangenen Saison kamen etwas mehr als 45.000 Zuschauer im Schnitt zu den Hertha-Spielen im Olympiastadion, in dieser Speilzeit sind es bislang durchschnittlich sogar mehr als 58.000.

Der Zuverdienst für Eventim Sports durch die zusätzlichen Entgelte pro Bestellung dürfte leicht mehrere zehntausend Euro betragen haben. Unterzeichnet der Ticket-Verkäufer die Unterlassungserklärung, könnten die Hertha-Ticketkäufer die Gebühren zurückverlangen. Dafür bietet die Verbraucherzentrale auch einen Musterbrief für betroffene Kunden auf ihrem Internetauftritt an.

Mehr zum Thema:

Hertha verbietet gegen RB Leipzig Spruchbänder und Banner