Einsturzgefahr

Viele Schulcontainer in Berlin sind marode

Weil die "Mobilen Unterrichtsräume" sanierungsbedürftig sind, müssen die ersten von ihnen abgerissen werden.

Wegen Schulsanierung oder Umbau müssen Berliner Schüler auf Container als Unterrichtsräume ausweichen

Wegen Schulsanierung oder Umbau müssen Berliner Schüler auf Container als Unterrichtsräume ausweichen

Foto: Stefan Schaubitzer / dpa

Berlin. Tausende von Schülern lernen in der Hauptstadt in Containern, während ihr Schulgebäude saniert wird oder weil ihre Schule noch nicht erweitert oder neu gebaut wurde. Doch inzwischen sind auch die sogenannten Mobilen Unterrichtsräume (MUR) sanierungsbedürftig. In Steglitz-Zehlendorf müssen – wie berichtet – an fünf Grundschulen die Containerbauten sogar abgerissen werden.

Sie erfüllen nicht mehr die Anforderungen an die Statik und drohen einzustürzen. An der Grundschule am Stadtpark wurden sie bereits abgebaut. Wie eine Umfrage der Bildungssenatsverwaltung bei den Bezirken auf Anfrage von FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja ergab, sind noch lange nicht alle mindestens 35 Unterrichtscontainer dieses Bautyps abschließend überprüft. Lediglich an acht Standorten ist der Abriss derzeit geplant, darunter allein an fünf Schulen in Steglitz-Zehlendorf.

Die Übersicht aus den Bezirken liegt der Berliner Morgenpost vor. „Bereits seit 2015 sind dem Land statisch-kon­struktive Defizite bei den MUR bekannt – außer mit weiteren Prüfaufträgen und ein paar Stahlwinkeln ist man darauf aber nicht eingegangen“, kritisiert der FDP-Politiker mangelnde Konsequenzen. „Mit einer ‚Infrastrukturgesellschaft Schule‘ könnten bezirksübergreifend Sanierungen und Neubau besser gesteuert und zugleich die dafür eingesetzten 5,5 Milliarden auch wirklich abgerufen werden“, schlägt Czaja vor.

Container-Dächer halten Schneelast nicht aus

Wie die Containerbauten an der Grundschule An der Bäke sowie die Mercator-, Giesensdorfer-, Alt-Lankwitzer und Käthe-Kruse-Grundschule in Steglitz-Zehlendorf stammen viele der aufgestellten sogenannten Mobilen Unterrichtsräume an den Schulen aus den 70er-Jahren – und sind mit sogenannten Wellstegträgern ausgestattet. Der Bezirk im Südwesten Berlins hatte alle eingeschossigen Bautypen vor drei Jahren untersuchen lassen. Ein Statiker ordnete daraufhin an, dass die Schneelast zu reduzieren ist.

So wurden die Dächer bereits bei weniger starkem Schneefall geräumt. Beim bereits erfolgten Abriss der Container der Grundschule am Stadtpark wurden die Wellstegträger aber genauer untersucht. Das besorgniserregende Resultat: Die Dächer dieser MUR können noch weniger Last aushalten als angenommen. Der Bezirk entschied sich daher jetzt, alle baugleichen mobilen Unterrichtseinheiten vor dem Winter zu sperren. Sie sollen ersetzt werden.

Laut Auflistung ist in anderen Bezirken bislang lediglich an drei Standorten ein Abriss geplant – in Spandau, in Friedrichshain-Kreuzberg und in Reinickendorf. In Spandau betrifft dies den Containerbau am Carl-Friedrich-von-Siemens-Gymnasium. Dort ist ein Neubau geplant. Bis es so weit ist, soll ein Statiker die Klassenräume bis Ende des Jahres untersuchen.

Stabilität nicht gefährdet – laut Gutachten von 2015

In Friedrichshain-Kreuzberg werden die einstigen mobilen Unterrichtsräume an der jahrelang besetzten ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule an der Reichenberger Straße/Ecke Ohlauer Straße in Kreuzberg abgerissen. Auf dem Grundstück ist Wohnungsbau geplant. Der Container an der Kurt-Schumacher-Grundschule wurde 2015 statisch verbessert. Aus Reinickendorf kommt die Auskunft, dass ein Ersatzbau an der Grundschule am Vierrutenberg vorgesehen ist. Die Dachfläche des Containers sei überprüft und stelle keine Gefahr dar. Das Dach der Otfried-Preussler-Grundschule ist bereits saniert.

In Tempelhof-Schöneberg werden die MUR des problematischen Bautyps an mehreren Standorten in dieser Woche überprüft: an der Löcknitz-Grundschule in Schöneberg, der Friedenauer Gemeinschaftsschule sowie der Käthe-Kollwitz-Grundschule und der Nahariya-Grundschule in Lichtenrade. An der Schule am Berlinickeplatz in Alt-Tempelhof gab es bei einer Dachsanierung 2013 statische Überprüfungen. 2006 wurde an der Luise-Henriette-Schule in Tempelhof die Dachkonstruktion des Containers überbaut.

In Charlottenburg-Wilmersdorf soll an der Grunewald-Grundschule durch eine Verstärkung des Tragwerks des MUR die Sicherheit garantiert werden. Aus Pankow liegt die Auskunft vor, dass es an den drei MUR-Standorten keine sicherheitskritischen Mobilen Unterrichtsräume gibt. Neukölln lässt derzeit die fliegenden Klassenzimmer an mehreren Schulstandorten durch ein externes Statikbüro prüfen: an der Walter-Gropius-Schule und der Theodor-Storm-Grundschule, der Matthias-Claudius-Grundschule in Rudow, am Schulstandort Parchimer Allee, an der Grundschule am Teltowkanal und der Eduard-Mörike-Schule. An der Richardgrundschule wurde der MUR nachträglich aufgestockt. Neun beruflichen, nicht durch die Bezirke verwalteten Schulen bescheinigt die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), dass die Standsicherheit nicht gefährdet sei. Die Gutachten stammen allerdings von 2015.

Mehr zum Thema:

Mobile Klassenräume drohen einzustürzen

In diese Schulen fließt das meiste Geld

27 Schulen werden im Bezirk saniert

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.