Ahmad Mansour

Islamismus-Experte kritisiert Senat für Ditib-Kooperation

Vor allem die Justizverwaltung arbeitet mit Ditib zusammen. Ahmad Mansour erwartet eine Distanzierung vom Moscheeverein.

Ditib vertrete ein Islambild, das mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung nicht zu vereinbaren sei, saht Ahmad Mansour

Ditib vertrete ein Islambild, das mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung nicht zu vereinbaren sei, saht Ahmad Mansour

Berlin. Er gilt als verlängerter Arm des Erdogan-Regimes in Deutschland, rückte jüngst sogar ins Visier des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV). Auch viele Islamexperten kritisieren den türkischen Moscheeverein Ditib für seine Einflussnahme auf in Deutschland lebende Türken – nicht zuletzt seit dem jüngsten Besuch des türkischen Präsidenten in Deutschland. Den Berliner Senat scheint das jedoch nicht zu stören, wie aus einer Senatsantwort auf eine Parlamentsanfrage der AfD-Fraktion hervorgeht, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Ungeachtet der Kritik an Ditib kooperiert das Land auf verschiedene Weise mit dem umstrittenen Moscheeverein – und macht auch keine Anstalten, das zu ändern.

Ditib-Imame arbeiten als Gefängnisseelsorger

Vor allem die Justizverwaltung arbeitet mit Ditib zusammen. In den Gefängnissen sind mehrere Ditib-Imame mit der seelsorgerischen Betreuung muslimischer Inhaftierter betraut, wie es in der Senatsantwort heißt. Auf Anfrage sagte Verwaltungssprecher Sebastian Brux: „Derzeit sind zwei Ditib-Imame in den Justizvollzugsanstalten eingesetzt. Sie haben sich vorab einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen und dürfen mit den Gefangenen nur auf Deutsch und in Anwesenheit eines JVA-Beamten beten.“ Eine Änderung dieser Praxis sei nicht vorgesehen. Auch Geld erhält Ditib von der Justizverwaltung – zumindest indirekt: Im Rahmen eines Projekts zur Prävention von Rassismus und Antisemitismus bekommt der Verein „Violence Prevention Network“ finanzielle Zuwendungen aus dem Landeshaushalt, kooperiert dabei mit einer Ditib-Gemeinde in Neukölln. Auch die Polizei unterhalte Kontakte zu Ditib.

Der Islamismusexperte Ahmad Mansour kritisiert diese Zusammenarbeit. „Ditib vertritt ein Islambild, das mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung Deutschlands nicht zu vereinbaren ist“, sagt er. „Der Staat muss deutlich machen, dass solch ein Islam nicht zu Deutschland passt. Kooperationen beweisen das Gegenteil.“ Zwar lasse sich Ditib nicht mit islamistischen Strömungen wie dem Salafismus vergleichen. „Das konservative Weltbild der Ditib aber schürt ebenfalls einen Angstglauben und kann so zum Nährboden werden für Muslime, die sich anschließend radikalisieren.“ Klar bewiesen sei zudem die enge Vernetzung mit der türkischen Islam-Behörde Diyanet, die direkt beim türkischen Präsidenten Erdogan angesiedelt ist. „Wenn der Senat die Geschäfte mit Ditib laufen lässt, ist das nicht nur naiv, sondern auch gefährlich“, so Mansour. „Ich erwarte von der Politik, dass sie sich von Ditib distanziert.“

Jüngst war bekannt geworden, dass auch beim BfV über eine Beobachtung von Ditib diskutiert wird. Der Senat teilte dazu mit, dass das BfV „in eigener Zuständigkeit“ arbeite, Konsequenzen daraus ziehe das Land nicht. Die AfD findet das nicht gut. „Es ist höchst bedenklich, dass das Land Berlin auf vielen Ebenen mit diesem zwielichtigen Verein zusammenarbeitet.“, so Hanno Bachmann (AfD). Es sei „geradezu grotesk“, dass ausgerechnet die Ditib Partner bei der Radikalisierungsprävention sei. Bachmann: „Der Senat macht hier den Bock zum Gärtner.“

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