Verkehr

Mehr ICE-Züge von Berlin nach München

Die Bahn weitet ihr Angebot auf der neuen Schnellfahrstrecke kräftig aus. Künftig soll es fünf statt drei ICE-Sprinter pro Tag geben.

2017 nahm die Bahn die neue Strecke durch den Thüringer Wald in Betrieb.

2017 nahm die Bahn die neue Strecke durch den Thüringer Wald in Betrieb.

Foto: dpa Picture-Alliance / Amelie Geiger / picture alliance / Amelie Geiger

Berlin. Es ist weder Freitag- noch Sonntagabend, sondern ein ganz normaler Dienstagnachmittag. Für die Deutsche Bahn also eher eine „verkehrsarme Zeit“. Dennoch sind an diesem Tag im ICE 1504 von München nach Berlin kaum noch Sitzplätze frei. Selbst die erste Klasse ist fast komplett ausgebucht. Viele Reisende sitzen mit Laptop und Handy an den kleinen Tischen und arbeiten. Ein deutliches Indiz dafür, dass mit diesem Zug auch viele Geschäftsleute unterwegs sind.

Vor nicht einmal einem Jahr hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die neue Schnellfahrstrecke Berlin–München eröffnet. Zuvor war das letzte Neubauteilstück des bis dahin zehn Milliarden Euro teuren Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nummer 8 (VDE 8), die knapp 110 Kilometer lange Tunnel- und Brückenstrecke durch den Thüringer Wald, in Betrieb gegangen. Mit dieser verringerte sich die Fahrzeit zwischen den beiden Metropolen von zuvor sechseinhalb auf dann teilweise unter vier Stunden. Für Bahnchef Richard Lutz begann mit der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke nichts weniger als „ein neues Zeitalter der Mobilität“, er sah die Bahn auf der wichtigen innerdeutschen Distanz Berlin–München nun endlich auf Augenhöhe mit dem Flugzeug.

Doch weil gleich nach der Eröffnung des Prestigeprojektes die ICE reihenweise mit stundenlanger Verspätung eintrafen, erntete die Bahn anfangs Spott und Häme. Inzwischen hat die Bahn die Probleme gelöst, mit Quoten von über 90 Prozent gehören die Züge auf der Strecke Berlin–München zu den pünktlichsten im gesamten innerdeutschen Fernverkehr.

Mehr als vier Millionen Fahrgäste

Das spricht sich auch unter den Reisenden herum. „Seit Eröffnung der Strecke haben wir bereits mehr als vier Millionen Fahrgäste. Das liegt deutlich über unseren Erwartungen“, sagte jetzt Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Bahn für Berlin. Die Tickets seien nachgefragt wie zwischen Frankfurt am Main und Köln, eine der aufkommensstärksten Strecken der Bahn in Deutschland. Wie hoch die Auslastung der Züge von und nach München konkret ist, wollte Kacz­marek „aus Wettbewerbsgründen“ nicht sagen. Doch die Nachfrage scheint so gut, dass die Bahn ihr Angebot jetzt erheblich ausweitet.

Bereits vor einiger Zeit hatte Bahnchef Lutz angekündigt, die Zahl der ICE-Sprinter auf der Strecke von drei auf fünf am Tag erhöhen zu wollen. Die ICE-Sprinter legen – mit nur wenigen Unterwegshalten – die gut 600 Kilometer lange Distanz zwischen beiden Städten in einer Zeit unter vier Stunden zurück. Zusätzlich zu den heutigen Abfahrten gegen 6, 12 und 18 Uhr werden ab Fahrplanwechsel am 9. Dezember noch zwei Züge dazukommen, die dann um 8.05 Uhr und 16.05 Uhr im Berliner Hauptbahnhof abfahren.

Darüber hinaus will die Bahn das Gesamtplatzangebot noch einmal erhöhen. Bereits im Dezember 2017 war das Angebot an normalen Werktagen von 10.000 auf 20.000 Sitzplätze verdoppelt worden. Nun solle es um weitere 25 Prozent aufgestockt werden.

Der ICE4 hat bis zu 830 Sitzplätze

Möglich wird dies durch den auf dieser Relation erstmaligen Einsatz von ICE4. Die neuen Züge, die die Bahn bislang nur zwischen Hamburg und München einsetzt, bieten bis zu 830 Sitzplätze in der langen, aus zwölf Wagen bestehenden Version. Das sind rund 80 Plätze mehr als bei den ICE-Zügen, die aktuell auf der Verbindung Berlin–München fahren.

Laut Bahn wird der ICE4 alle zwei Stunden zwischen Berlin und München fahren, und zwar jeweils auf den Verbindungen, die im Wechsel mit Halle (Saale) über Leipzig geführt werden. Weil die Höchstgeschwindigkeit des ICE4 aber bei 250 Kilometer pro Stunde liegt, benötigt dieser für die Gesamtstrecke gut eine halbe Stunde länger als ein ICE3, der als Sprinter mit Tempo 300 über die beiden Neubautrassen Halle/Leipzig–Erfurt sowie Erfurt–Ebensfeld rasen kann.

Sitzgruppen für Familien und Stellplätze für Fahrräder

Die Bahn verspricht den Reisenden mit dem ICE4-Einsatz auch mehr Komfort. So bieten die Züge mehr Platz für Gepäck, Hublifte für Rollstuhlfahrer sowie Sitzgruppen für Familien mit Kleinkindern. Erstmals können Reisende auch Fahrräder in einem ICE mitnehmen. Ein ICE4 bietet acht Stellplätze, die reserviert werden müssen.

Private Konkurrenz muss die bundeseigene Bahn auf der Strecke vorerst nicht befürchten. Zwar hatte das unternehmen Flixtrain, der Bahnableger von Flixbus, eine Angebotsausweitung ab Dezember angekündigt. Doch gebucht werden können zwischen Berlin und München bislang nur Fahrten mit dem Bus. Inoffiziell heißt es, die Bahn hätte dem Unternehmen keine attraktiven Zeiten auf der Bahnstrecke angeboten. Der eigentliche Grund scheint allerdings eher der Mangel an dem für eine Schnellfahrstrecke benötigten besonders geschulten Personal und an geeignetem Wagenmaterial zu sein.

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