Führerschein

Ämter-Odyssee: Fahrschülerin wartet seit Monaten auf Antrag

Wer in Berlin einen Führerschein machen will, muss beim Bürgeramt die Ersterteilung einer Fahrerlaubnis beantragen.

Annika Lange (r.) zeigt Fahrlehrerin Kerstin Haase das Formular.

Annika Lange (r.) zeigt Fahrlehrerin Kerstin Haase das Formular.

Foto: Massimo Rodari

Berlin. Seit Monaten wartet Morgenpost-Leserin Annika Lange (34) auf die Bearbeitung ihres Antrages zur Ersterteilung eines Führerscheins. Doch das Formular ging offenbar zwischen Bezirksamt und Führerscheinstelle verloren. Der Morgenpost sind weitere ähnliche Fälle bekannt.

Um was geht es? Wer in Berlin einen Führerschein machen will, muss beim Bürgeramt die Ersterteilung einer Fahrerlaubnis beantragen. Von dort geht das Dokument per Kurier zur Fahrerlaubnisbehörde an der Puttkamer Straße in Kreuzberg und von dort wieder an den Antragsteller. Erst wenn dieses Dokument vorliegt, können theoretische und praktische Prüfungen abgelegt werden. Normale Bearbeitungsdauer: acht bis zwölf Wochen.

Die Praxis sieht anders aus

So weit die Theorie. Die Praxis sieht offenbar anders aus. Denn der Antrag von Annika Lange ging irgendwo im Behörden-Nirwana verloren. „Es ist wie verhext. Im Mai habe ich den Antrag gestellt und seitdem warte ich“, sagte Lange der Berliner Morgenpost. Dabei können Bürger den Bearbeitungsstand ihres Antrages in Berlin telefonisch abfragen. Dort erfahren sie, welche Anträge aus welchem Monat gerade in Bearbeitung sind. „Als der September dran war, und ich immer noch keine Rückmeldung für meinen Antrag aus dem Mai hatte, wurde ich stutzig“, sagte Lange.

Sie ging also selbst zur Fahrerlaubnisbehörde an der Puttkamerstraße und fragte sich bis in den vierten Stock durch. Dort traf die junge Frau auf einen Mitarbeiter, der Verständnis zeigte und mit ihr gemeinsam in den Computer schaute. Die schlechte Nachricht: Ihr Antrag hat es nie vom Bürgeramt in Charlottenburg-Wilmersdorf bis zur Puttkamerstraße geschafft. Also fuhr Annika Lange zurück nach Charlottenburg-Wilmersdorf und fragte dort nach.

Im Bürgeramt reagierte man wiederum erbost über die Unterstellung aus Mitte und zeigte ihr am Computer, dass alles korrekt versendet worden sei. Allerdings empfahl man ihr vorsichtshalber noch einen neuen Eilantrag zu stellen – selbstverständlich verbunden mit der Bitte, noch einmal alle Unterlagen einzureichen. „Genutzt hat es nichts. Jetzt haben wir Oktober und der Antrag ist noch nicht da“, sagte Lange enttäuscht.

Nachfrage im Behörden-Dschungel: Oberste Aufsicht über die Fahrerlaubnisbehörde hat die Innenverwaltung. Die sagte, dass monatlich in der Führerscheinstelle des Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten im Durchschnitt 9100 Anträge auf Erteilung einer Fahrerlaubnis eingehen. Davon werden in den Bürgerämtern etwa 7000 per Papierantrag und ungefähr 2100 von den Fahrschulen ausschließlich elektronisch übermittelt.

Jährlich gebe es angeblich nur 20 Fälle wie den von Annika Lange, so die Innenverwaltung. Häufig seien Anträge unvollständig, würden in eine falsch beschriftete Versandmappe gegeben oder würden versehentlich falsch abgelegt. Es sei kein flächendeckendes Problem, so die Innenverwaltung. Allein der Morgenpost sind aber zwei weitere bekannt. Annike Lange nützen diese Erklärungsversuche wenig. Ihre Fahrschule in Charlottenburg zeigt sich aber kulant: Sie darf ihre Fahrstunden unterbrechen.