Statistik

Überstunden der Feuerwehr sind auf Rekordhoch

Mehrarbeitsstunden steigen seit 2011 kontinuierlich an. Im September wurden zur Abgeltung 5,4 Millionen Euro zusätzlich überwiesen.

Die Berliner Feuerwehrleute machen jede Menge Überstunden.

Die Berliner Feuerwehrleute machen jede Menge Überstunden.

Foto: imago stock / imago/Marius Schwarz

Berlin. Die Berliner Feuerwehr kommt von ihrem Überstundenberg nicht runter. Das geht aus einer Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine Kleine Anfrage des innenpolitischen Sprechers der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Marcel Luthe, hervor. Demnach kletterte die Zahl der Stunden im Jahr 2017 um mehr als 100.000 im Vergleich zum Vorjahr auf den neuen Rekordwert von 684.061 Überstunden.

Die Zahlen werden seit dem Jahr 2011 erfasst

Damals waren es insgesamt noch 267.694 Überstunden. Für die mehr als 4000 Mitarbeiter der Behörde kletterte der Gesamtstand jedes Jahr weiter nach oben und schließlich auf den Spitzenwert 2017. Für Innenpolitiker Luthe ein skandalöser Vorgang. Er sieht vor allem die Innenverwaltung in der Pflicht. „Der Innensenator setzt offenbar weiter auf die gesundheitliche Ausbeutung der Feuerwehr, statt für Entlastung durch ausreichend neue Kräfte zu sorgen, die auch angemessen bezahlt werden müssen“, kommentierte er die neuesten Zahlen. Allein aus der Überstundenzahl ergebe sich laut Luthe ein Mehrbedarf von 400 Stellen.

5,4 Millionen Euro ausbezahlt, um Überstunden abzugelten

Die Innenverwaltung und die Behördenleitung der Feuerwehr kontern, dass in diesem Jahr mehr beschlossen und angeschoben wurde als in den letzten zehn Jahren zusammen. Ein Teil dieses Paketes betrifft auch die Überstunden und neue Stellen. Laut Innenverwaltung werden alle Überstunden, welche die Feuerwehrleute zum Stichtag 30.4.2018 geleistet haben, in drei Phasen ausgezahlt.

Mit der Septemberbesoldung dieses Jahres wurden deshalb zusätzliche 5,4 Millionen Euro ausbezahlt, um alle seit Jahren angesammelten Überstunden abzugelten. Allerdings dürfen die Überstunden aus rechtlichen Gründen nur faktorisiert und in der Höhe von 88 Prozent ausbezahlt werden. Die Differenz solle als Sonderurlaub abgegolten werden.

Für die Feuerwehrleute dürfte das ein völlig neues Gefühl sein. Denn aus der Statistik der Innenverwaltung geht auch hervor, dass die Anzahl der Mehrarbeitsstunden, die zur Auszahlung gebracht wurde, seit Jahren rückläufig war. Wurden im Jahr 2013 noch 144.000 Überstunden ausbezahlt, sank die Anzahl der ausbezahlten Stunden auf den Tiefstwert von 63.571 im Jahr 2017. Bei den Mitarbeitern sorgte das für Aufregung: Während sie immer mehr arbeiteten, bekamen sie dafür immer weniger Geld.

Innensenator Andreas Geisel (SPD) hat versprochen, dass sich das nun radikal ändert. Feuerwehrchef Karsten Homrighausen sagte kürzlich im Interview mit der Berliner Morgenpost, dass seine Mitarbeiter viele dieser Änderungen auch schon merken müssten. Als Beispiel nannte er die Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 48 auf 44 Stunden. Das sei deutschlandweit einmalig, so Homrighausen.

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