Gesundheitswesen

Charité und Vivantes sollen besser zusammenarbeiten

Das Ziel des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD): Kosten sparen und Patientenversorgung verbessern.

Symbolfoto

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Foto: imago/INSADCO / IMAGO

Berlin. Das Treffen fand in 10.000 Metern Höhe statt. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) war auf dem Rückweg seiner Australienreise, als er einige Mitreisende zur Arbeitsbesprechung nach vorn in den VIP-Bereich des Airbus der Flugbereitschaft bat. Müller holte Vivantes-Chefin Andrea Grebe, den möglichen nächsten Charité-Chef, Professor Heyo Kroemer, und den Experten für die Digitalisierung des Gesundheitswesens, Professor Michael Schütz, zu einer Besprechung zusammen. Denn in den nächsten Wochen und Monaten soll es im Berliner Gesundheitswesen große Veränderungen geben.

Müllers Ziel ist eine bessere Zusammenarbeit von Charité und Vivantes, um Kosten zu sparen und gleichzeitig die Patientenversorung zu verbessern. Dafür fallen in diesem Herbst wichtige Entscheidungen. Bis Ende November, so heißt es, wird Professor Kroemer seine Entscheidung fällen, ob er neuer Vorstandsvorsitzender der Charité in Berlin wird. Kroemer ist der Wunschkandidat von Müller und ein anerkannter Gesundheitsfachmann. Zur Zeit leitet Kroemer das Universitätsklinikum Göttingen. Was ihn dort halten könnte: Die Klinik bekommt einen Neubau für 1,2 Milliarden Euro. Doch einiges deutet darauf hin, dass der 58-Jährige Karl Max Einhäupl als Chef von Europas größtem Universitätsklinikum mit seinen 17.000 Mitarbeitern beerben wird.

Kroemer spielt auch jetzt schon eine wichtige Rolle im Gesundheitswesen in Berlin – auch wenn er eigentlich in Göttingen arbeitet. Als stellvertretender Vorsitzender gehört er der Zukunftskommission „Gesundheitsstadt 2030“ an, die Müller berufen hat, um Berlin bis eben 2030 zur führenden Stadt in der Forschung und Versorgung zu machen. Die Kommission, die vom SPD-Bundestagsabgeordneten und Gesundheitsexperten Karl Lauterbach geleitet wird, wird Anfang nächsten Jahres die Ergebnisse vorstellen.

Die Zusammenarbeit von Charité und Vivantes wird dabei eine große Rolle spielen. So drängt Müller darauf, dass beide Häuser ein gemeinsames Computerprogramm nutzen. Damit soll es für Patienten leichter werden, von der Charité zu Vivantes und umgekehrt zu wechseln. Befunde, Röntgenbilder und Diagnosen sollen dann an jedem Standort digital abgerufen werden können. Auch in einem anderen Bereich steht für Berlin Anfang November eine weitreichende Entscheidung an: Dann will der Siemens-Konzern bekanntgeben, ob er für 500 Millionen Euro einen neuen Campus in Berlin errichtet. Der Berliner Senat mit Müller an der Spitze hat sich sehr bemüht, diese Investition in dies Stadt zu holen.

Für den Gesundheitsstandort wäre das ein enormer Gewinn. Denn ein großer Teil, die Rede ist von 70 Prozent der späteren Forschung, soll sich im medizintechnischen Bereich abspielen. Für die Wissenschaftsstrategen in der Senatskanzlei ergibt sich somit ein rundes Bild: technische Forschung bei Siemens, medizinische Forschung in der Charité und eine Versorgung in der Fläche durch Vivantes. Der Berliner Gesundheitsstandort könnte so einen wesentlichen Schritt nach vorn machen. Insofern ist es auch zu verstehen, dass sich Müller sehr für die Digitalisierung im Gesundheitswesen einsetzt und Berlin zu einer möglichen Modellregion machen will.