Neue Statistik

Jeder dritte Berliner hat einen Migrationshintergrund

Die Anteile von deutschstämmigen Einwohnern und Zuwanderern und ihren Nachkommen sind im Stadtgebiet sehr unterschiedlich verteilt.

Frauen mit Kopftuch an der Oranienstraße in Kreuzberg

Frauen mit Kopftuch an der Oranienstraße in Kreuzberg

Foto: Paul Zinken/dpa

Berlin. Jeder Dritte der 3,7 Millionen Berliner hat einen sogenannten Migrationshintergrund - die Verteilung der Menschen auf die Stadt ist aber höchst verschieden. Die Anteile von deutschstämmigen Einwohnern sowie Zuwanderern und ihren Nachkommen variieren in den 96 Berliner Ortsteilen. Das zeigen aktuelle Zahlen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.

In bestimmten Stadtteilen der Bezirke Mitte, Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg leben 50 bis mehr als 60 Prozent Menschen mit einem sogenannten Migrationshintergrund. Betrachtet man nur die Kinder und Jugendlichen sind die Anteile sogar noch weit höher und reichen bis zu mehr als 80 Prozent.

Die Statistiker unterscheiden in diesen Auswertungen zwischen deutschen Einwohnern ohne Migrationshintergrund sowie Bewohnern mit Migrationshintergrund, von denen auch ein Teil die deutsche Staatsangehörigkeit hat.

In manchen Gegenden des alten West-Berlins wie in Charlottenburg, Spandau, Reinickendorf und Tempelhof-Schöneberg wohnen mehr als 40 Prozent Menschen, die aus Einwandererfamilien stammen. In den östlichen Bezirken sind deren Anteile dagegen generell viel geringer. In manchen eher dörflichen Ecken, besonders am Stadtrand Berlins, leben fast gar keine Zuwanderer.

Den höchsten Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund gibt es in Gesundbrunnen im Bezirk Mitte. Von den rund 94 000 Einwohnern gehören knapp 60 000 (63,4 Prozent) zu dieser Gruppe. In Tiergarten-Süd sind es knapp 61 Prozent. Der Stadtteil Neukölln im Norden des gleichnamigen Bezirks kommt auf 55 Prozent. Wedding und Kreuzberg auf 53 Prozent, Charlottenburg-Nord auf 49 Prozent und die Ortsteile Reinickendorf und Siemensstadt (Spandau) auf 45 Prozent.

Dass sich die Bevölkerungsanteile der Einwanderer in den nächsten Jahren weiter erhöhen werden, zeigt sich an den Zahlen zu Kindern und Jugendlichen. Sie liegen jeweils deutlich über dem Durchschnitt der Stadtteile.

Kaum Menschen mit Migrationshintergrund am östlichen Stadtrand

So beträgt der Migrationsanteil bei den 6- bis 14-jährigen Schulkindern in Gesundbrunnen 88 Prozent. Bei allen Kindern und Jugendlichen vom Säugling bis zum 17-Jährigen sind es dort 85 Prozent. Ähnliches gilt für die 6- bis 14-jährigen Schulkinder im Stadtteil Neukölln (82 Prozent), Wedding (80 Prozent) und Kreuzberg (71 Prozent).

Interessanterweise gibt es bei den sehr kleinen Kindern bis fünf Jahren in diesen Stadtteilen noch mehr Deutsche ohne Migrationshintergrund. Ihr Anteil sinkt dann - möglicherweise, weil die Familien aus bestimmten Gegenden wegziehen, wenn die Kinder schulpflichtig werden.

Das andere Extrem zeigt sich am Stadtrand. Dort wohnen kaum eingewanderte Menschen. In Malchow im Nordosten beträgt der Migrationsanteil nur 3,6 Prozent. Ähnliches gilt für Blankenburg in Pankow (6,9 Prozent), Müggelheim in Treptow-Köpenick (7,1 Prozent) sowie Mahlsdorf (7,5 Prozent) und Kaulsdorf (8,1 Prozent) in Lichtenberg.

Die größten Gruppen unter den Einwanderern sind türkischer Herkunft, es folgen Menschen mit arabischen Wurzeln, Bewohner aus der ehemaligen Sowjetunion, aus Polen und mit einer Herkunft aus den früheren jugoslawischen Staaten. In der Hauptstadt waren am 30. Juni dieses Jahres 3 723 914 Einwohner mit Hauptwohnsitz gemeldet.