Leserzuschriften

Fahrverbote: „Schwarze Plakette für den Senat“

Die Gerichtsentscheidung für Fahrverbote auf Berlins Straßen entfacht eine heftige Diskussionen – auch bei unseren Lesern.

Autoverkehr so weit das Auge reicht, wie hier in der Friedrichstraße in Mitte. Jetzt drohen den Dieselfahrern stellenweise Einschränkungen

Autoverkehr so weit das Auge reicht, wie hier in der Friedrichstraße in Mitte. Jetzt drohen den Dieselfahrern stellenweise Einschränkungen

Foto: Reto Klar

Berlin. Das Berliner Verwaltungsgericht hat am vergangenen Dienstag erstmals Fahrverbote für bestimmte Dieselfahrzeuge in der Bundeshauptstadt verhängt. Vom kommenden Jahr an dürfen auf elf Abschnitten von acht Straßen keine Diesel mehr fahren, die nur die Abgasnorm Euro 5 oder niedriger erfüllen, ordnete das Gericht an. Zuvor war bereits in den Großstädten Stuttgart, Aachen und Frankfurt am Main für Fahrverbote entschieden worden.

Die Berliner Autofahrer reagieren mehrheitlich entsetzt, zumal 106 Abschnitte weiterer 62 Straßen untersucht werden sollen. Zahlreiche Leser der Berliner Morgenpost äußerten zu der Problematik ihre Meinung, auch zu dem Umgang der Bundesregierung mit den Autoherstellern.

Hier eine Auswahl der vielen Leserzuschriften:

Ulrich Drautz, per E-Mail :

Die Verkehrsverwaltung glaubt doch nicht ernsthaft, dass die Luft in diesen Straßen oder überhaupt in Berlin besser wird, wenn man die „schadstoffreichen“ Diesel dort nicht mehr fahren lässt. Die Fahrer nutzen einfach andere Straßen und verstärken dort die schlechte Luft. Wenn sich die Politik schon nicht an die Hersteller herantraut, sollte sie knallharte Entscheidungen treffen, indem sie ein Fahrverbot für alle infrage kommenden Autos, auch Lkw, ohne Ausnahmegenehmigung, für ganz Berlin verhängt. Ferner sollte die Politik endlich für Lkw, die quer durch die Stadt fahren und den Autobahnring meiden, ein Durchfahrverbot aussprechen. Ausflugsdampfer sollten gezwungen werden, mit Filtern zu fahren, ihren Strombedarf an den Liegeplätzen zu laden und nicht mit laufenden Motoren am Pier zu liegen. Und für durchreisende Lastkähne sollte ein Fahrverbot angedacht werden. Diese Maßnahmen würden mehr bringen als ein paar Straßen ohne Schmutzdiesel.

Benjamin Bartsch, via Facebook :

Und wieder regt sich keiner über den Betrug der Automobilindustrie auf. Die Gerichte können doch gar nicht anders entscheiden.

Frank Pirschel, Falkensee:

Wer denkt sich denn so etwas aus? Auf Straßen mit einer Länge von etwa 500 Metern wie dem Kapweg in Tegel blasen die Flugzeuge ein Vielfaches von NOx, Co2 und weiteren Schadstoffen aus, denn hier liegt die Einflugschneise vom Flughafen Tegel. Alle Politiker reden seit Langem nur noch über den Diesel-Pkw und die Schadstoffe, die dieser ausstößt, doch keiner über den CO2 Ausstoß bei den Benzinern, denn der ist höher als beim Diesel. CO2 ist jedoch der anerkannte Klimakiller,und Deutschland ist mit seinem Ausstoß seit April 2018 über dem angestrebten Limit. In Brandenburg gibt es mit die größten Braunkohle-CO2- und Feinstaub-Dreckschleudern in der EU. Die Politiker können und dürfen nicht mehr den Lobbyisten, der Autoindustrie, den Energieversorgern zum Munde reden, denn Arbeitsplätze, Umsatz, Gewinn sind nicht alles. Das sagt bereits eine kluge indianische Weisheit.

Klaus Danert, via Facebook:

Ich fordere die schwarze Plakette für den Senat und die Mitarbeiter der Umwelt- und Verkehrsbehörde.

Klaus Wollschläger, per E-Mail:

Diese angedrohten Fahrverbote erscheinen bei näherer Betrachtung nur lächerlich: Zum einen ist der Nutzen bislang völlig unbewiesen, und zum anderen darf der fließende Verkehr nur von der Berliner Polizei überwacht und kontrolliert werden. Die wenigen Beamten werden sich ganz herzlich bedanken, haben sie doch sonst schon wenig zu tun.

Christopher Dexel, per E-Mail:

Ob der Richter, der am Dienstag das für Dieselfahrer verhängnisvolle Urteil gesprochen hat, weiß, dass beispielsweise in der Leonorenstraße in Steglitz keine Messstation steht? Woher kommt die Erkenntnis, dass hier die Messwerte zu hoch liegen? Hier ist die Willkür doch offensichtlich. Vermutlich hat der rot-rot-grüne Senat für die Zahlen gesorgt. Traue keiner Statistik außer der eigenen. Wie kommt es eigentlich, dass nicht eine „dieselverseuchte“ Stadt im ehemaligen Ostteil liegt? Wer schon mal durch Leipzig oder Dresden gefahren ist, wird das ebenso wenig nachvollziehen können. Es kommt offenbar sehr darauf an, welche Interessen die vor Ort regierende Partei vertritt, denn diese kann die Messwerte „zurechtbiegen“.

Sabine Taterra, via Facebook:

Es ist wie im richtigen Leben. Für jedes manipulierte Fahrzeug mit Schummel-Software sollte man ein Bußgeld von 5000 Euro verhängen. Besser noch: Wer trickst, sollte dann dafür auch zahlen. Vielleicht kommen die Automanager dann endlich zur Vernunft.

Jasch Zacharias, via Facebook:

Mit der blauen Plakette will Rot-Rot-Grün gleich wieder alle Berliner Autofahrer nötigen.

Detlef Menke, via Facebook:

Dass die Politiker eine Möglichkeit fordern, ihren Kampf gegen die Bürger auch umzusetzen, ist verständlich. Schließlich brauchen sie die Plakette ja, um Fahrverbote auch in der Praxis durchsetzen zu können.

S. Gode, Spandau:

Wer hat nur das Märchen in die Welt gesetzt, dass die Autohersteller nicht zur Hardware-Umrüstung gezwungen werden können? Autolobbyist und Verkehrsminister Andreas Scheuer will die Dieselbesitzer wohl veräppeln. Die Autohersteller haben sich die EG-Typengenehmigung (ehemals ABE) mit manipulierten Werten böswillig erschlichen. Die Typengenehmigung kann aufgrund der Manipulation vom Kraftfahrt-Bundesamt entzogen werden, und eine neue wird nur dann erteilt, wenn die Fahrzeuge die Abgasnorm einhalten. Handelt die Autoindustrie nicht, stehen jedem Dieselbesitzer 100 Prozent Schadenersatz und eine Betrugsanzeige gegen den Hersteller zu. Minister Scheuer sollte seine Märchen seinen Kindern erzählen, anstatt Millionen Dieselbesitzer an der Nase herumzuführen.

Joachim F. Hildebrandt, Buckow:

In Japan fahren seit Jahren ganz selbstverständlich Pkw und SUV mit Motoren, die aus der Bremsenergie gewonnene Elektrizität für innerstädtischen Fahrzeugbetrieb nutzen und erst beim Aufbrauchen der gespeicherten (und hierzulande üblicherweise verschwendeten) Energie automatisch auf den Benzin-Motor umschalten. Der Lizenzname beim Weltmarktführer Toyota ist ja wohl unter der Würde der bei uns krampfhaft nur nach Steckdosenanschluss-Elektromotoren strebenden Autobauer. Dass die Steckdosenanschluss-Elektromotoren (unabhängig von den vielartigen sonstigen Nebenerscheinungen) zur Erhöhung des deutschen Stromverbrauches beitragen müssen, wird in der Werbung für derartige Produkte tunlichst verschwiegen. Die Energiewirtschaft könnte sich ja genötigt sehen, Kohlekraftwerke zu erweitern und gegebenenfalls sogar Atomkraftwerke erneut ans Netz zu bringen.

Thomas Bauer, via Facebook:

Ein riesiger Witz. Und ein Für-dumm-Verkaufen der Kfz-Halter und Wähler Wie soll denn die „Hilfe“ aussehen? Etwa das generöse Angebot, bei einem Neuwagenkauf 3000 Euro für den Altwagen zu erhalten, der vor den Urteilen 10.000 Euro wert war? Dafür entfallen die üblichen Rabatte von zehn bis 15 Prozent!? Die einzige wirksame Methode: Die völlig absurden, unbewiesenen Behauptungen in den Verordnungen zu Stickoxiden und Feinstaub werden auf den alten Stand gesetzt. Diesel der Klasse 4, 5 und 6 fahren damit, bis der TÜV uns scheidet. Und der ominöse Lobbyisten- und Abmahn-Verein Deutsche Umwelthilfe muss sich neue Opfer suchen. Oder aber, die Kfz-Hersteller und der Staat zusammen finanzieren zu 100 Prozent eine Hard- und Software-Umrüstung aller betroffenen Pkw.

Andreas P. Ketelhut, Heiligensee:

Nur einige interessante Fakten zum Diesel-Fahrverbot: Der Grenzwert für Stickoxide (NOx) wurde vom Gesetzgeber jetzt einfach mal auf 40 Mikrogramm (mcg) pro Kubikmeter festgelegt. Dieser Grenzwert darf auf öffentlichen Straßen nur an wenigen Tagen im Jahr überschritten werden, und führt sonst zum Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge. Aber jetzt kommt’s: Der Grenzwert am Arbeitsplatz liegt in Deutschland bei 950 Mikrogramm (mcg) pro Kubikmeter Luft und in der Schweiz sogar bei 6000 mcg. Die 15 größten Schiffe der Welt stoßen mehr Stickoxide aus als 750 Millionen Pkw, und rund 90.000 Schiffe sind insgesamt auf den Meeren unterwegs.

Frank Wehle, via Facebook:

Die Autos gehen ins Ausland, und wir retten die Luft. Schon fragwürdig. Macht der Stickoxid-Ausstoß etwa an der Grenze nach Deutschland Halt?

Rayk Menschel, Erkner:

Die Autohersteller tun gut daran, sich diesem Irrsinn zu widersetzen. Kommt die Politik damit durch, wäre die Büchse der Pandora geöffnet: Jeder Fabrikant lebte ab diesem Moment unter dem Damoklesschwert, jeden jemals von ihm produziertem Artikel bis zum St.-Nimmerleins-Tag auf eigene Kosten an wechselnde gesetzliche Vorschriften anzupassen – sprich: nachrüsten oder umbauen.

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