Diesel-Entscheidung

Fahrverbote in Berlin - 117 Straßenabschnitte betroffen

Das Verwaltungsgericht zwingt den Senat, gegen hohe Schadstoffwerte vorzugehen. 117 Abschnitte von Straßen sind betroffen.

Berlin. Der Kampf gegen das für die Atemwege schädliche Stickstoffdioxid erfolgt sehr kleinteilig. Das macht die Grafik auf dieser Seite deutlich. Sie zeigt alle 117 Abschnitte auf 70 Straßen, für die das Berliner Verwaltungsgericht in dieser Woche vom Senat Maßnahmen gegen die hohen Schadstoffwerte verlangt hat. Für elf Teilstrecken auf acht Straßen geht das Gericht auch beim besten Willen nicht davon aus, dass es gelingen kann, die Werte dort unter die zulässigen 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresdurchschnitt zu senken. Deshalb hat das Gericht dort Fahrverbote für Diesel unterhalb der Euro-6-Abgasnorm angeordnet.

Für die anderen Strecken muss die Senatsverwaltung für Verkehr jetzt untersuchen, wie die Grenzwerte eingehalten werden können. Dabei geht es wieder nur um einzelne Abschnitte, die manchmal mehr als 200 Meter lang sind, bisweilen aber auch weniger als 40 Meter. Denn eine zu hohe Belastung mit Stickstoffdioxid ist ein sehr lokales Phänomen. Wo die Straßen eng sind, wo keine Straßenbäume wachsen, wo die Luft buchstäblich steht und kaum ein Wind bläst, dort konzentrieren sich die Schadstoffe. Das kann man schmecken und riechen, wenn man etwa auf der Leipziger Straße in Mitte zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist.

Drei Viertel aller Stickoxide in Berlin stammen aus Fahrzeugmotoren, davon deutlich mehr als 80 Prozent aus Dieselaggregaten. Das Problem Stickoxid ist damit noch lokaler als der Feinstaub. Gegen diese krebserregenden Mikropartikel wurde 2010 in Berlin und in fast allen anderen Städten Umweltzonen eingeführt. Nur sauberere Autos mit grüner Plakette dürfen dort unterwegs sein. Die Deutsche Umwelthilfe wollte zunächst mit ihrer Klage erreichen, dass die Zone innerhalb des S-Bahnrings auch für Diesel unterhalb des Euro-6-Standards gesperrt wird. Das fand das Gericht jedoch unverhältnismäßig.

Nicht zu verwechseln mit Stickoxiden und Feinstaub ist das Kohlendioxid. CO2 entsteht bei der Nutzung fossiler Brennstoffe. Es gilt als Klimagas und ist mitverantwortlich für die globale Erderwärmung. Benziner stoßen deutlich mehr CO2 aus als Diesel. Das war ein Grund dafür, warum Dieselmotoren als klimaschonendere Antriebsalternative gelten. Der globale Vorteil wurde aber durch lokale Belastungen erkauft.

"Handwerker kostet das Fahren in der Stadt mehr Arbeitszeit“

„Es gab Jahre, da wäre so eine große Investition nicht so schnell möglich gewesen“, sagt Ralf Klemann. Der 56-jährige selbstständige Metallbauer nennt es „Glück im Unglück“. Erst vor wenigen Wochen hat er sich einen gebrauchten Diesel BMW X5 gekauft. „In diesem Jahr habe ich volle Auftragsbücher und konnte mir die Neuanschaffung leisten.“

In einem wirtschaftlich schwächeren Jahr, möglicherweise noch mit der Anschaffung einer neuen Maschine für die Werkstatt, hätte es schon anders ausgesehen, so der Metallbauer. Sein neuer Diesel hat die Euro-6-Norm, das war ihm wichtig. „Ich wollte einfach auf Nummer sicher gehen“, sagt der 56-Jährige. „Wer weiß, wann der Senat beziehungsweise das Verwaltungsgericht welche Entscheidungen noch treffen.“

Klemann fährt für seine Firma ungefähr 15.000 Kilometer im Jahr mit dem Pkw. Für viele Aufträge braucht er auch seinen Anhänger, mit dem er bis zu 2,5 Tonnen Last transportieren darf. „Nur der Diesel hat die Kraft, das auch zu ziehen“, sagt er. „Die brauche ich, wenn ich zu meinen Baustellen fahre.“ Geländer, Tore, Zäune, aber auch Stahlträger fährt er durch ganz Berlin. Von der Werkstatt, zur Verzinkerei, zu Kunden und Zulieferfirmen. „Die Fahrerei durch die Stadt nimmt immer mehr Arbeitszeit in Anspruch, da kann ich nicht noch Straßen umfahren, in denen das Dieselfahrverbot gilt.“

Klemann möchte sich gar nicht vorstellen, was das für ein Chaos geben würde, wenn ein Kunde auch noch in solch einer Straße wohnt. „Wenn ich in Mitte arbeite, finde ich kaum einen Parkplatz oder ich zahle den ganzen Tag dafür“, sagt er. „Und dann fange ich an zu schleppen. Jetzt stelle ich mir vor, ich dürfte nicht einmal mehr in dieser Straße parken.“

„Der Senat kümmert sich gut um die Belange der Radfahrer“

Für Wienke Schirmer gehören sie und ihr Fahrrad zusammen. Es gibt kaum einen Weg, den die junge Studentin nicht auf ihrem in die Jahre gekommenen Rennrad zurücklegt. Von Charlottenburg zur Freien Universität in Dahlem, von dort zu Freunden nach Friedrichshain oder Prenzlauer Berg. Auch für die Strecke zu ihrem Studentenjob tritt die 21-Jährige in die Pedale. Bei Wind und Wetter. Und auch auf so „unbequemen“ Straßen wie der Friedrichstraße oder der Kantstraße.

„Das Urteil des Berliner Verwaltungsgerichtes zum Dieselfahrverbot begrüße ich sehr“, sagt sie. Ein erster Schritt sei gemacht. „Ich befürchte aber, dass Dieselfahrer dann Umwege fahren und andere Straßen verstopfen und dort im Stau noch mehr Dieselabgase die Luft verpesten.“ Bei nur acht Straßen und den elf Abschnitten, die aktuell für Diesel gesperrt werden sollen, werde sich das Problem lediglich verlagern. Eine Ausweitung des Dieselfahrverbotes auf beispielsweise den S-Bahnring hält sie für unrealistisch. „Es wäre sinnvoller, die Höchstgeschwindigkeit in der gesamten Stadt auf Tempo 30 zu begrenzen“, sagt sie. „Für die Luft in der Innenstadt würde das sicher eine Verbesserung bringen, und das lässt sich auch einfacher kontrollieren.“ Nach Meinung der Psychologiestudentin müssen die öffentlichen Verkehrsmittel attraktiver werden. „Die Vernetzung ist ja schon sehr gut, aber der Preis ist zu hoch.“

Dem Senat spricht sie ein Lob aus. „Der kümmert sich schon ganz gut um die Belange der Radfahrer“, sagt sie. Sie setze ihre Hoffnung auf das Berliner Mobilitätsgesetz. „Ich habe im vergangenen Jahr ein Semester in Ungarn studiert“, sagt sie. „In Budapest habe ich mich während der gesamten Zeit nicht einmal auf ein Fahrrad getraut. Das lag aber nicht an der Luft. Die ungarischen Autofahrer haben überhaupt keine Rücksicht genommen.“

„Fußgänger sind am meisten der schlechten Luft ausgesetzt“

Für Stefan Lieb (59) vom Fuß e. V. in Berlin geht das Dieselfahrverbot aus Sicht von Fußgängern noch nicht weit genug. Er sagt: „Die jetzigen Maßnahmen können nur ein erster Schritt sein. Wenn man feststellt, dass sich die Schadstoffwerte durch Fahrverbote in bestimmten Gegenden nicht verbessern, wird es weitere Klagen geben. Dann werden wir bald dahin kommen, dass alle Straßen in der Innenstadt für ältere Dieselfahrzeuge gesperrt werden.“

Dass zunächst nur einige Straßen tabu sind, hält Lieb für unsinnig. Dies führe dazu, dass sich die betroffenen Autofahrer Ausweichrouten suchen – und ihre Wagen im Umfeld der Sperrzonen umso mehr Schadstoffe ausstoßen. Die Leidtragenden seien Fußgänger, die sich dort aufhalten. „Von allen Verkehrsteilnehmern in Berlin sind Passanten am meisten und am längsten der schlechten Luft ausgesetzt“, gibt Lieb zu bedenken. Im Sinne ihrer Gesundheit plädiert der studierte Philosoph für die Einführung der blauen Plakette, die sauberen Dieselfahrzeugen die Einfuhr in den S-Bahnring ermöglicht. Alle anderen müssten draußen bleiben. „Diese Regel dürfte auch für die Autofahrer verständlicher sein. Das jetzige Durchfahrverbot für einige wenige Straße wird zu Verunsicherung führen. In der Praxis werden nur wenige Autofahrer wissen, ob sie eine der betroffenen Straßen durchqueren dürfen.“

Für problematisch hält Stefan Lieb nicht nur den Schadstoffausstoß der Diesel, sondern die Menge der Autos an sich. „Sie nehmen in Berlin zu viel Platz ein, sie gefährden uns Fußgänger, sie verursachen Lärm.“ In ihren Grundzügen bringe die Stadt aber gute Voraussetzungen mit, dass Fußgänger sich wohlfühlen. Dazu zählt Lieb die breiten Gehwege. Nur seien diese Grundzüge in den letzten 50 Jahren zugunsten von Autofahrern verfälscht worden.

„Autofahrer wurden von der Industrie betrogen“

Das Dieselfahrverbot hält Ronald Schmidt für „völligen Blödsinn“. Bei den paar betroffenen Straßenabschnitten würde sich seiner Meinung nach der Autoverkehr lediglich verlagern, aber an dem Problem der Luftverschmutzung nichts ändern.

„Mich selbst trifft das Fahrverbot nicht allzu sehr“, sagt der 62-jährige Service-Techniker. „Ich bin im Vorruhestand und muss nicht mehr viele Wege mit dem Auto fahren. Das war früher anders.“ Das Fahrverbot würde wieder nur die Falschen treffen, die „kleinen Leute“. „Was ist denn mit den ganzen Dampfern, die mit Diesel betankt werden und durch die Innenstadt schippern, die uralten Paketwagen von DHL, die Transporter der anderen Kurierfahrer und uralte große Lkw aus anderen Ländern?“, führt er an. „Der Senat muss doch erst einmal seine eigene Flotte bei der Feuerwehr, der Polizei und auch bei der BVG modernisieren.“

Der ehemalige Service-Techniker ärgert sich auch darüber, dass die Dieselkäufer jetzt mit dem Problem klarkommen müssen. „Die Autoindustrie hat ihre Kunden betrogen. Jeder Autokäufer wurde doch in dem Glauben gelassen, dass er ein sauberes Auto kauft“, sagt er. „Die Autohersteller müssen verurteilt werden, die Pkw zurückzunehmen oder kostenlos nachzurüsten.“

Er sei sehr froh, dass er sich vor vielen Jahren für einen Benziner entschieden hat. „Damals gab es noch Prämien, wenn du dir einen Diesel gekauft hast“, sagt er. „Da galten Dieselfahrzeuge noch als sauber.“ Ihn stellt der Dieselskandal aktuell vor ein ganz anderes Problem. „Mein Audi Kombi ist Baujahr 1995, und ich wollte mir wieder einen fünf bis sechs Jahre alten gebrauchten Pkw kaufen“, sagt er. „Diesel werfen sie dir zu Spottpreisen hinterher, aber Benziner bekommst du nirgendwo zu einem adäquaten Preis. Keiner verkauft einen gebrauchten Benziner zu einem vernünftigen Listenpreis.“ Er wird seinen 23 Jahre alten Kombi weiterfahren, bis sich der Markt wieder beruhigt hat, sagt er.

117 betroffene Abschnitte auf 70 Straßen:

Spandau

Klosterstraße von Diedenhofener Str. bis Altonaer Str.

Charlottenburg-Wilmersdorf

Bismarckstr. von Krumme Str. bis Weimarer Str. Brandenburgische Str. von Mannheimer Str. bis Gieselerstr. Fehrbelliner Platz von Fehrbelliner Pl. bis Mannheimer Str. Joachimsthaler Str. von Kantstr. bis Kurfürstendamm Kaiser-Friedrich-Str., vier Abschnitte Kaiserdamm, zwei Abschnitte Lietzenburger Str. von Pfalzburger Str. bis Uhlandstr. Nachodstr. von Bundesallee bis Prager Str. Spandauer Damm, drei Abschnitte Tegeler Weg von Kamminer Str. bis Tauroggener Str.

Reinickendorf

Kapweg von Kurt-Schumacher-Damm bis Scharnweberstr. Luxemburger Str. von Genter Str. bis Müllerstr. Oranienburger Str. von Roedernallee bis Wilhelmsruher Damm Scharnweberstr. von Gotthardstr. bis Gotthardstr. 120 Meter südöstl. Residenzstraße, zwei Abschnitte

Pankow

Breite Str. von Neue Schönholzer Str. bis Mühlenstr. Danziger Str. von Schönhauser Allee bis Lychener Str. Prenzlauer Promenade von Langhansstr. bis Brauhausstr. Schönholzer Str. von Schönholzer Str. 6 bis Parkstr.

Mitte

Alt-Moabit, zwei Abschnitte An der Putlitzbrücke von Friedrich-Krause-Ufer bis Ellen-Epstein-Str. Badstr., drei Abschnitte Behrenstr. von Mauerstr. bis Glinkastr. Beusselstr., zwei Abschnitte Brückenstr., zwei Abschnitte Brunnenstr. von Torstr. bis Torstr. 180 Meter nördl. Dorotheenstr. von Wilhelmstr. bis Friedrich-Ebert-Platz Fennstraße von Bayer-Werk bis Müllerstr. Friedrichstraße, zwei Abschnitte Grunerstr. von Dircksenstr. bis kurz vor Alexanderstr. Hannoversche Str. von Friedrichstr. bis Friedrichstr. 126 Meter westl. Invalidenstraße, drei Abschnitte Leipziger Straße, vier Abschnitte Müllerstraße, zwei Abschnitte Münzstraße von Alte Schönhauser Allee bis Max-Beer-Str. Reinhardtstraße, zwei Abschnitte Schillstraße von Kurfürstenstr. bis Wichmannstr. Schulstraße von Maxstr. bis Reinickendorfer Str. Stromstraße von Bugenhagenstr. bis kurz vor Turmstr. Torstraße, fünf Abschnitte Turmstraße, vier Abschnitte Von-der-Heydt-Straße von Klingelhöferstr. bis Klingelhöferstr. 200 Meter östlich Wilhelmstraße, zwei Abschnitte

Friedrichshain-Kreuzberg

Frankfurter Allee, zwei Abschnitte Mehringdamm von Yorckstr. bis Hagelberger Str. Oranienstraße von Oranienplatz bis Luckauer Str. Rudi-Dutschke-Str. von Friedrichstr. bis Charlottenstr. Schlesische Straße von Falckensteinstr. bis Cuvrystr.

Tempelhof-Schöneberg

Dominicusstraße, zwei Abschnitte Dudenstraße von Burgherrenstr. bis Manfred-von-Richthofen-Str. Hauptstraße, zwei Abschnitte Kolonnenstraße von Herbertstr. bis Feurigstr. Kurfürstenstraße von Keithstr. bis Landgrafenstr. Mariendorfer Damm, zwei Abschnitte Martin-Luther-Straße von Motzstr. bis Fuggerstr. Potsdamer Straße, fünf Abschnitte Tempelhofer Damm, zwei Abschnitte

Neukölln

Erkstraße von Sonnenallee bis Donaustr. 60 Meter östl. Hermannstraße, drei Abschnitte Lahnstraße von Karl-Marx-Str. bis Naumburger Str. Nobelstraße von Schmalenbachstr. bis Chris-Gueffroy-Allee Sonnenallee, acht Abschnitte Wildenbruchstraße von Sonnenallee bis Laubestr.

Steglitz-Zehlendorf

Albrechtstraße von Robert-Lück-Str. bis Schützenstr. Leonorenstraße von Kaiser-Wilhelm-Str. bis Saarburger Str. Saarstraße, zwei Abschnitte Schildhornstraße von Lepsiusstr. bis Joachim-Tiburtius-Brücke Schloßstraße von Grenzburgstr. bis Am Bäkequell

Treptow-Köpenick

Elsenstraße von Kiefholzstr. bis ehem. Görlitzer Bahn

Die Alternativen zu Fahrverboten:

Das Zwischenergebnis hört sich gar nicht schlecht an: In etwas mehr als einem Monat haben Berliner Unternehmen und Gewerbetreibende bei der Senatswirtschaftsverwaltung 166 Anträge auf Zuschüsse für den Kauf von neuen Elektrowagen gestellt. Seit dem Start des Förderprogramms „Wirtschaftsnahe Elektromobilität“ am 1. September haben die Beamten von Senatorin Ramona Pop (Grüne) auch bereits 61 Anträge auf neue Fahrzeuge bewilligt. 27 Unternehmen wollen Hilfe beim Bau von Ladestationen, drei eine Beratung.

Angesichts von mehr als 88.000 gewerblichen Dieselfahrzeugen, die laut Industrie- und Handelskammer von den nun bevorstehenden Fahrverboten betroffen sind, nehmen sich diese Zahlen aber überaus bescheiden aus. Dabei sind die Konditionen großzügig. Weil Antragsteller Förderung von Bund und Land zusammen in Anspruch nehmen können, gibt es für Pkw bis zu 8000 Euro beim Kauf eines Elek­troautos vom Staat geschenkt.

Anteil der sauberen Autos steigt nur ganz langsam

Insgesamt wird von den 1,4 Millionen Kraftfahrzeugen in Berlin nur ein Bruchteil alternativ angetrieben. Der Anteil der sauberen Autos steigt nur ganz langsam. Im ersten Halbjahr 2018 wurden in der Stadt 41.160 Pkw und 6630 Lastwagen neu zugelassen. Von den Personenwagen waren 2051 Hybride und 475 Elektroautos. 198 fahren mit Erdgas und 67 mit Flüssiggas. 11.600 waren Diesel, meist mit der strengsten Abgasnorm Euro 6.

Weil die Nachfrage von Privatleuten und Kleinunternehmern nach sauberen Fahrzeugen weiterhin schwächelt, setzen die Senatsplaner und Verkehrsforscher auf den Umbau der Flotten von Großunternehmen oder Behörden. Die Landesunternehmen Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Berliner Stadtreinigung und Wasserbetriebe haben Elektroautos beschafft und wollen das ausweiten. Aber in den Dienststellen von Senat und Bezirken muss man saubere Autos suchen. In den Flotten etwa der Grünflächen- und Bauämter dominiert der Diesel. Und selbst die Dienstwagen der Senatoren fahren bisher allenfalls hy­brid, also mit Verbrennungs- und Elektromotor.

Vor allem die BVG modernisiert inzwischen ihre Bus-Flotte. Dieser Einsatz hat auf vielen Straßen, so am Hardenbergplatz am Zoo, bereits zu niedrigeren Stickstoffdioxid-Konzentrationen geführt. 200 weitere moderne Doppeldecker-Busse sollen bestellt werden, auch wenn diese weiterhin mit Diesel betankt werden. Die BVG testet zwar Elektrobusse, die Erfahrungen sind aber zwiespältig. Gleichwohl soll das Unternehmen nach dem Wunsch des Senats ab dem Jahr 2020 nur noch Elektrobusse kaufen. Bis 2030 sollen Verbrennungsmotoren aus den gelben Bussen verschwinden. Komplex gestaltet sich auch die Umstellung des Lieferverkehrs. Ein erstes Logistik-Zentrum, wo Waren aus Diesel-Lkw auf Lastenräder umgeladen werden, ist nahe dem Mauerpark in Prenzlauer Berg in Betrieb gegangen. Aber die Masse der Lieferwagen ist weiterhin mit Dieselantrieb unterwegs.

Ein Ärgernis, gegen das die rot-rot-grüne Koalition angehen will, sind die schmutzigen Dieselmotoren, die die Fahrgastschiffe auf Spree und Havel antreiben. Die Fraktionen fordern eine Bundesratsinitiative, damit die Reeder gezwungen werden, in ihre Schiffe Filter einzubauen.

Mehr zum Thema:

Berlin drohen neue Tempo-30-Zonen

Diese Berliner sind von der Diesel-Entscheidung betroffen

Berliner zum Diesel-Urteil: "Das geht mir direkt ans Geld"

Das müssen Sie zum Diesel-Fahrverbot in Berlin wissen

+++ Berlin-Podcast +++ Diese Woche bei „Molle und Korn“: „Babylon Berlin“ bringt den 20er-Jahre-Trend in die Stadt, in Berlin sind so viele Radfahrer unterwegs wie seit den 50ern nicht mehr, „Repair-Cafés“ laden zum Selbst-Reparieren ein

Gelangen Sie hier direkt zum Podcast bei Spotify

Gelangen Sie hier direkt zum Podcast bei Soundcloud

Gelangen Sie hier direkt zum Podcast bei Deezer

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.