E-Mail aus Australien

Michael Müller, die Zebrafische und das Kabelchaos am BER

Berlins Regierender Bürgermeister schaut sich Technologie in australischen Forschungszentren an. Gilbert Schomaker begleitet ihn.

Inken Huttner vom Victor Chang Research Institute zeigt Michael Müller einen Zebrafisch

Inken Huttner vom Victor Chang Research Institute zeigt Michael Müller einen Zebrafisch

Foto: Gilbert Schomaker

Die Zukunft der Kardiologie schwimmt. Berlins Regierender Bürgermeister und Bundesratspräsident Michael Müller (SPD) schaut genau hin. Klein sind sie, sehr klein, die Zebrafische. Aber die Hoffnung von Inken Huttner ist sehr groß. Die Medizinerin erforscht am Victor Chang Cardiac Research Institute in Sydney Herzkrankheiten. Die Zebrafische helfen ihr dabei, geeignete Arzneimittel gegen Herzkrankheiten zu finden. Huttner arbeitet in der Grundlagenforschung. Die Herzen der Fische ähneln dem der Menschen. "90 Prozent der Gene der Menschen haben einen Counterpart im Fisch", erklärt Hutten Müller.

Auch wenn man es auf Anhieb kaum glauben mag: Fisch und Mensch sind sich sehr ähnlich - zumindest was das Herz und mögliche Herzfehler betrifft. Müller steht in einem der Gänge im ersten Geschoss des Forschungsinstituts. Eigentlich will er eine mögliche Zusammenarbeit zwischen den Herzspezialisten in Berlin und in Sydney erkunden. Doch in Australien, das Müller auf seiner letzten Reise als Bundesratspräsident derzeit besucht, ist man vorsichtig. Ja, es gebe schon viele Verbindungen, aber nicht von Universität zum Institut, sondern von Forscher zu Forscher, sagt Institutsdirektor Robert Graham. Die Zebrafische sind interessant, für eine Zusammenarbeit auf medizinischem Gebiet kommen aber möglicherweise andere Dinge in Frage.

Michael Müller in Sydney

Professor Michael Schütz wirbt für eine Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung. Der Direktor des Jameson Trauma Instituts Brisbane begleitet Müller und hatte schon im Vorfeld der Reise für eine Zusammenarbeit zwischen dem Bundesstaat Queensland und Berlin geworben. "Berlin kann von den Erfahrungen in Queensland profitieren", sagt Schütz. Worum geht es? Bis 2026 will der australische Bundesstaat, der viereinhalb mal so groß ist wie Deutschland, aber nur fünf Millionen Einwohner hat, die Daten aller Patienten aus allen Kliniken auf einer Internetplattform zusammenfassen. Dann soll die Versorgung der Menschen besser werden, gleichzeitig sollen massiv Kosten eingespart werden.

Ärzte können Patienten per Videoschalte begutachten

Wie kann das funktionieren? Professor Schütz gibt ein Beispiel. Wenn Patienten lange im Krankenhaus liegen, droht ein Dekubitus, eine Wundstelle, zu entstehen. Dadurch verlängert sich der Aufenthalt und damit die Kosten für das Gesundheitswesen. Durch eine elektronische Erfassung aller Daten, können Ärzte und das Pflegepersonal möglicherweise rechtzeitig, also vor Entstehen der Wundstellen, eingreifen. Schütz gibt noch ein anderes Beispiel für Big Data im Gesundheitswesen. Wenn festgestellt werde, dass sich in einer Region oder in einer bestimmten Bevölkerungsschicht Diabetesfälle häufen, könne man mit Aufklärungskampagnen zum gesünderen Essen möglicherweise spätere Folgekosten eindämmen. Aber was ist mit Datenschutz? Für Schütz überwiegen die Vorteile. Und Berlin könne ja auch von den Erfahrungen in Queensland lernen.

Auch für Professor Heyo Kroemer, Präsident des Medizinischen Fakultätentags und möglichem Nachfolger von Karl Max Einhäupl an der Charité, birgt die Digitalisierung erhebliche Fortschritte für die Medizin. Kroemer, der Müller begleitet, war als Arzt selbst in Mecklenburg-Vorpommern tätig. In dem Flächenland gibt es teilweise Probleme mit der Arztversorgung. Queensland - viel größer und deutlich dünner besiedelt - stand vor Jahren vor ähnlichen Problemen. Doch dann kam die Digitalisierung. Wenn Menschen im Outback, also in den Weiten den Landes, erkranken, können sie aus den medizinischen Zentren an der Küste Hilfe bekommen. Per Kamera werden die Experten dann zugeschaltet, erhalten Daten des Patienten, können per hochauflösender Kamera auch die Erkrankten in Augenschein nehmen. Aus Notfallzentralen beispielsweise in Brisbane können dann, wenn es nötig ist, Hubschrauber oder Flugzeuge geschickt werden. 30 bis 40 solcher Einsätze am Tag gibt es. Nicht immer muss ein Hubschrauber geschickt werden. Manchmal helfen auch gezielte Hinweise durch die Experten. Diese Diagnose per Internet für die auf dem Land zu betreuenden Patienten dämpft natürlich auch die Kosten. "So kann man auch Menschen auf dem Land vernünftig medizinisch versorgen", sagt Kroemer. Berlin könnte auch so ein Zentrum für die Versorgung von Patienten auf dem Land werden.

Häuser in 3D detailliert am Computer vorplanen

Einen Blick in die Zukunft der technischen Möglichkeiten kann Müller dann am Sonnabend noch an der University of Technology Sydney werfen. Müller steht in der 3D-Data Arena. Dank moderner Computer und Bildtechnik können Häuser, ganze Städte oder das Weltall dreidimensional dargestellt werden. Das ist nicht nur ein Showeffekt. Die Wissenschaftler können detailliert neue Häuser vorausplanen, wo genau welche Leitung läuft. Müller, der wie alle Delegationsteilnehmer eine 3-D-Brille aufhat, sieht, wie große Gebäude entstehen. Ein Traum, wenn Berlin eine solche 3D-Data Arena für den BER gehabt hätte. Vielleicht hätte es dann nicht so ein Kabelchaos gegeben. Müller will sich dazu dann aber lieber nicht äußern.

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