Berlin-Mitte

Mehr als 240.000 Teilnehmer bei "#unteilbar" in Berlin

Am Sonnabend finden in Berlin zwei Demonstrationen statt. Der "Unteilbar"-Veranstalter spricht von knapp einer Viertelmillion Menschen.

Zur #ungeteilt-Demonstration in Berlin kommen 240.000 Teilnehmer

Zu der „unteilbar“-Kundgebung waren 40.000 Demonstranten angemeldet. Am Ende aber marschierten mehr als 240.000 Teilnehmer vom Alex bis zum Großen Stern - gegen einen Rechtsruck in Deutschland und für mehr Weltoffenheit zu demonstrieren.

Zur #ungeteilt-Demonstration in Berlin kommen 240.000 Teilnehmer

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Berlin. In Berlin hat am Sonnabendmittag eine Großkundgebung gegen Rassismus mit Tausenden Teilnehmern begonnen. Daran anschließen sollte sich eine Demonstration und eine Abschlusskundgebung mit Musiker-Auftritten. Die Veranstaltung war mit 40.000 Teilnehmern angemeldet. Am späten Nachmittag meldeten die Veranstalter die Zahl von mindestens 242.000, was die ursprünglich angemeldete Größenordnung um das Sechsfache überträfe. Zuvor war die Rede von mehr als 150.000 Teilnehmern gewesen. Die Polizei wollte dazu keine näheren Angaben machen und sprach von "einigen Zehntausend" Demonstranten.

Unter dem Motto „Für eine offene und freie Gesellschaft – Solidarität statt Ausgrenzung“ hatte das Bündnis „Unteilbar“ zu dem Protest aufgerufen. Er richtet sich gegen rechte Hetze, Diskriminierung, das Flüchtlingssterben auf dem Mittelmeer und Kürzungen im Sozialsystem.

Um 12 Uhr waren die Otto-Braun-Straße und Alexandrinenstraße am Alexanderplatz schon mit Tausenden Menschen gefüllt, von denen viele Transparente, Plakate und Luftballons mit sich führten. Unter anderem war zu lesen „Nein zur Hetze gegen Muslime“ und „Rassismus ist keine Alternative“.

Gegen 13 Uhr setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung. Die Strecke führt über die Leipziger Straße, den Potsdamer Platz zum Brandenburger Tor und dann zur Siegessäule.

Etliche Organisationen und Parteien waren mit eigenen Wagen vertreten, so das Bündnis Attac, die Grünen und die Linke.

Als die Demonstrationsspitze auf ihrem Weg bereits das Brandenburger Tor erreicht hatte, standen die letzten Teilnehmer noch auf dem gut zwei Kilometer entfernten Alexanderplatz. Ziel war die Siegessäule im Tiergarten, wo die Abschlusskundgebung mit Auftritten verschiedener Musiker stattfinden sollte. Angaben des Veranstalters zufolge kamen rund 242.000 Menschen zur Demonstration. „Wir sind wahnsinnig zufrieden mit der Resonanz“, sagte Felix Müller von der Initiative „Unteilbar“ der Deutschen Presse-Agentur. Dies bestätige, dass viele Menschen ein Zeichen gegen rechts und für Solidarität hätten setzen wollen. Ein Polizeisprecher schätzte die Teilnehmerzahl auf "den unteren sechsstelligen Bereich", also mindestens 100.000 Teilnehmer.

Polizei setzt Hubschrauber ein

Wegen der Demonstration kommt es am Nachmittag auf den Tramlinien M2, M4, M5 und M6 zu Einschränkungen. Die Berliner Polizei setzte einen Hubschrauber ein, der ein Live-Bild vom Demonstrationszug in die Leitstelle übertragt. Diese Maßnahem sei "wegen der Größe und Unübersichtlichkeit der Demo, des starken Zulaufs zur Versammlung und zur Betrachtung der Verkehrslage" erforderlich, teilte die Polizei mit.

Prominente Unterstützer

Zahlreiche Organisationen, Verbände und Parteien unterstützen den Aufruf - ebenso einige Prominente wie der Schauspieler Benno Fürmann, der Fernsehmoderator Jan Böhmermann und die Band Die Ärzte. Für den Abend war unter anderem ein Auftritt Herbert Grönemeyers angekündigt.

Die Vorsitzende der Linke-Fraktion im Bundestag, Sahra Wagenknecht, wies vorab Berichte zurück, sie habe der „Unteilbar“-Demonstration eine Absage erteilt. Die von ihr gegründete linke Sammlungsbewegung „Aufstehen“ erklärte am Freitag, dass Wagenknecht den Aufruf zu der Veranstaltung zwar inhaltlich kritisiert habe, aber unabhängig davon befürworte, „dass möglichst viele Menschen gegen Rechtsentwicklung und Rassismus auf die Straße gehen“. Zugleich werbe sie dafür, in Zukunft auch Menschen in diesen Protest einzubeziehen, „die für eine Regulierung der Migration eintreten“.

Die Initiatoren der Demonstration rufen dazu auf, für das Recht auf Schutz und Asyl und gegen die Abschottung Europas zu streiten. Wagenknecht hatte zuletzt häufiger vor offenen Grenzen und einer unbegrenzten Migration in den deutschen Arbeitsmarkt gewarnt.

Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner und andere rügten Wagenknecht wegen ihrer Kritik. „Sahra Wagenknechts „Aufstehen" hat sich in meinen Augen blamiert und diskreditiert“, sagte Kellner dem Redaktions-Netzwerk Deutschland (Sonnabend). Dass sich vor allem die AfD über Wagenknechts Kritik an der Demonstration freue, sage doch schon alles.

Wagenknechts Co-Vorsitzender Dietmar Bartsch sagte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Sonnabend): „Die Linksfraktion im Bundestag hat beschlossen, zur Teilnahme an der „Unteilbar"-Demonstration aufzurufen. Ich persönlich werde auch gern dabei sein. Dass Sahra Wagenknecht sich von diesem Aufruf distanziert, habe ich mit Verwunderung zur Kenntnis genommen.“

"Minister Seite an Seite mit linksextremistischen Organisationen"

Die Berliner CDU unterstützt die Großdemonstration ausdrücklich nicht. Anmelder sei ein Anwalt der „Roten Hilfe“, also einer Organisation, die „linksextremistische Verbrecher“ unterstütze, sagte Generalsekretär Stefan Evers zum Auftakt eines CDU-Landesparteitags. „Wenn heute demokratische Politiker oder gar Minister Seite an Seite mit linksextremistischen Organisationen durch die Stadt ziehen, dann ist das entweder naiv oder politisch unverantwortlich.“

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