Urteil in Berlin

Eltern setzen Sohn in 50 Grad heißes Wasser – Bewährung

Die Eltern sollen ihren schwerbehinderten Sohn erheblich misshandelt haben. Nun fiel ein Urteil.

Eine Mutter und ihr Lebensgefährte sind nach einer schweren Verbrühung ihres behinderten Sohnes zu jeweils einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Berliner Landgericht sprach die 28- und 27-jährigen Angeklagten am Freitag der gefährlichen Körperverletzung schuldig. Sie hätten den damals vier Jahre alten Jungen in heißes Wasser gesetzt oder gelegt, begründeten die Richter. Das Kind habe bei der Tat im März 2017 Verbrühungen zweiten Grades erlitten.

In der Anklage waren dem Paar aus dem Stadtteil Neukölln zunächst vier mutmaßliche Übergriffe auf den schwerstbehinderten Jungen zur Last gelegt worden. Dass die Mutter und ihr Partner durch Gewalt Knochenbrüche verursacht hätten, sei im Prozess nicht nachgewiesen worden, so das Gericht. Seit der Junge in einer Pflegeeinrichtung lebe, sei es allerdings nicht mehr zu Frakturen gekommen.

Die Angeklagten hätten den Jungen aber vorsätzlich verbrüht, sagte die Vorsitzende Richterin. „Sie tauchten das spastische Kind für mindestens eine Sekunde in Wasser, das mindestens 50 Grad Celsius heiß war.“ Gesäß und Rücken seien verletzt worden. 17 Prozent der Körperoberfläche seien verbrüht worden. Nach einem Gutachten seien eine Fahrlässigkeit oder ein Unfall auszuschließen. Warum es zu der Tat kam, sei ungeklärt. „Naheliegend ist eine Überforderung.“

Die Staatsanwaltschaft hatte auf Bewährungsstrafen von 20 und 21 Monaten plädiert. Die Verteidiger verlangten Freispruch. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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