Stadtreinigung

BSR-Chefin Tanja Wielgoß wechselt zu Vattenfall

Die BSR-Vorsitzende sucht eine neue Herausforderung beim schwedischen Energiekonzern. Wielgoß steht seit 2014 an der Spitze der BSR.

BSR-Chefin Tanja Wielgoß

BSR-Chefin Tanja Wielgoß

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. chon in den vergangenen Monaten hatte sich Tanja Wielgoß auffällig stark für Energiefragen interessiert. Zum Beispiel dafür, wie aus der Müllverbrennungsanlage in Ruhleben noch mehr Strom gewonnen werden könnte und wie aus Abfall effizienter Wärme zu gewinnen wäre. Jetzt darf die Managerin sich jeden Tag dem Energiethema widmen. Die Chefin der Berliner Stadtreinigung (BSR) wechselt zum Energiekonzern Vattenfall und übernimmt den Vorstandsvorsitz bei der Vattenfall Wärme AG. Damit erlangt die 46 Jahre alte Politologin und Wirtschaftswissenschaftlerin die Kontrolle über die Berliner Vattenfall-Kraftwerke und das Fernwärmenetz.

Mit einer E-Mail informierte Wielgoß am Freitag kurz nach der Personalentscheidung des Vattenfall-Wärme-Aufsichtsrat die Mitarbeiter der BSR über den Wechsel. Die Entscheidung sei ihr nicht leichtgefallen, schreibt Wielgoß, die im November 2014 als Nachfolgerin der damals zum Energiekonzern Gasag gewechselten Vera Gäde-Butzlaff den Chefposten der Stadtreinigung übernommen hatte. „Am Ende hat die Möglichkeit den Ausschlag gegeben, die Energiewende mitzugestalten und damit an einer der wichtigsten Herausforderungen unserer Generation mitzuarbeiten“, so die Mutter zweier Kinder, die mit ihrer Familie in Friedrichshain wohnt.

Die im bayerischen Kaufbeuren geborene Managerin ist überzeugt, dass Vattenfall nach dem Verkauf der ostdeutschen Braunkohleaktivitäten dabei eine Vorreiterrolle spielen wird. So solle das drittgrößte Fernwärmenetz Europas unabhängig vom Brennstoff Kohle werden.

Wielgoß folgt bei Vattenfall auf Gunther Müller (59), der nach Angaben des Unternehmens zum Jahresende auf eigenen Wunsch aus persönlichen Gründen ausscheidet. Wielgoß muss sich nun mit Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) über den Zeitpunkt ihres Ausscheidens bei der BSR einigen.

Vattenfall-Deutschland-Chef Tuomo Hatakka sagte, Tanja Wielgoß sei eine „erfahrene und vielseitige Managerin, die umfassende Kenntnisse über Veränderungsprozesse von Unternehmen“ besitze. Erfahrungen vor der BSR sammelte Wielgoß nach ihrer Promotion im französischen Aix-en-Provence unter anderem bei Roland Berger und als Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften. Zuletzt war sie Partnerin der Beratungsgesellschaft AT Kearney.

BSR könnte Reinigung aller Berliner Parks übernehmen

Bei der BSR hat die Managerin auch so manchen Kampf mit den Belegschaftsvertretern ausgefochten. Es kam nicht bei allen gut an, dass sie Privilegien der Personalräte zusammenstrich. Manche warfen ihr vor, die Mitbestimmungskultur im Landesbetrieb zu zerstören. Ein Ziel von ihr war es, auch bei den Müllwerkern mehr Frauen für die orangefarbene Truppe zu gewinnen. Die ersten fangen jetzt an.

Zuletzt hatte sie sich bemüht, den Auftrag der BSR zu erweitern. Dem Senat schlug sie vor, durch das landeseigene Unternehmen künftig alle rund 2400 Grünflächen der Stadt reinigen zu lassen. Dafür brauche die BSR 1000 zusätzliche Mitarbeiter, was etwa 130 Millionen Euro zusätzlich kosten würde. Die Reaktionen der Politik waren so, dass die Aufgabe auf einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin durchaus zukommen könnte.

Wielgoß wird sich bei Vattenfall Wärme anders als ihr Vorgänger Müller im Wesentlichen um Berlin kümmern können. Mit den Hamburger Aktivitäten des Unternehmens wird Wielgoß kaum noch zu tun haben. Der Senat der Hansestadt plant, das Netz von dem schwedischen Konzern zurückzukaufen. In Berlin sieht es derzeit eher nicht so aus, als könne die Stadt das Gleiche für Berlins Fernwärmenetz erreichen. Mit einer Klage wollte das Land für Vattenfall eine Rückgabepflicht des mit dem Verkauf des Vattenfall-Vorgängers Bewag 1998 privatisierten Wärmenetzes feststellen. Dies war im vergangenen Jahr gescheitert. Der Senat kämpft aber weiter um das Recht, gegen diese Entscheidung wenigstens eine Berufung in der höheren Instanz zu erreichen. Über dieses Anliegen soll noch 2018 entschieden werden.

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