Verbot für Dieselwagen

Diese Berliner sind von der Diesel-Entscheidung betroffen

Diesel-Fahrer, Autohändler und Taxi-Unternehmer sind unterschiedlich stark von den Fahrverboten in der Hauptstadt betroffen.

Hadert mit der Entscheidung: Der Jurist Theo Vogel tankt Diesel und ist vom Fahrverbot betroffen. Noch hat er keine Lösung

Hadert mit der Entscheidung: Der Jurist Theo Vogel tankt Diesel und ist vom Fahrverbot betroffen. Noch hat er keine Lösung

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin. Für Besitzer vieler Dieselautos ist die freie Fahrt in Berlin ab kommendem Jahr vorbei. Auf bisher acht Straßenabschnitten, vor allem in Mitte, gilt ab 2019 ein Verbot für Dieselwagen. Auf wie vielen weiteren Straßenzügen Einschränkungen kommen werden, steht noch nicht fest. Doch schon jetzt macht sich die Unsicherheit bei Dieselfahrern bemerkbar – und auch bei Händlern.

„Das ist eine höchst unerfreuliche Entwicklung“, sagte Ansgar Klein, Sprecher des Bundesverbands freie Kfz-Händler (BVfK). Fahrverbote richteten bei allen Diesel-Besitzern und Kfz-Händlern großen Schaden an. „Die Händler haben durch einen starken Rückgang der Geschäfte im Gebrauchtwagenhandel enorme Verluste zu beklagen“, so Klein. Die Berliner Gerichtsentscheidung löse da „eine zusätzliche Dynamik beim Preisverfall aus“.

Den erlebt derzeit auch das „Autohaus Royal“ in Tempelhof, ein Händler, der jährlich mehrere Tausend Wagen verkauft. „Dieselwagen sind viel günstiger geworden“, sagt ein Verkaufsberater, der namentlich nicht genannt werden möchte. Das gelte für den Ein- wie Verkauf gleichermaßen. „Das beeinträchtigt uns schon“, sagt er. Helfen würde, dass die meisten Diesel-Wagen direkt an Käufer im Ausland gingen, die von den Verboten nicht betroffen seien. Wenig Sorgen macht sich daher bisher auch Kfz-Händler Michael Nicolas. „Wir haben nicht nur Kunden aus Deutschland“, sagt der Betreiber von „Autohaus Rosen-Stock“ in Moabit. Viele seiner Kunden kämen aus Osteuropa. „Die interessiert es nicht, ob ein Wagen nur Euro-4-Norm hat“, sagt der 48-Jährige. Aber auch um seine Berliner Kunden hat er keine Angst. Die bislang bekannten acht Verbotszonen brächten diese nicht aus der Fassung. „Dann nehmen die Leute einfach die Nebenstraße.“ Erst gestern habe er an einen Berliner einen Euro-5-Diesel verkauft.

Viele Dieselfahrzeuge werden direkt ins Ausland verkauft

Deutlich lauter sind die Klagen bei den betroffenen Dieselfahrern. Als „Unverschämtheit“ betitelt Theo Vogel das Dieselfahrverbot. Der Jurist besitzt einen Euro-5-Diesel, den er beruflich und privat nutzt. Den plötzlichen Umschwung vom angepriesenen Verkauf von Diesel-Fahrzeugen bis hin zum Verbot, findet der 33-Jährige nicht in Ordnung. Auf die Frage hin, ob er schon eine Lösung für sich gefunden hat, schüttelt er den Kopf. Den öffentlichen Nahverkehr könne er nur bedingt nutzen. Er bringt aber den Vorschlag: „Man sollte die öffentlichen Verkehrsmittel günstiger machen.“

Keine große Rolle spielt offenbar, ob die Betroffenen auch tatsächlich die Sperrungen im Alltag zu spüren bekommen. Torben Tayfun etwa ist von den Fahrverboten nicht direkt betroffen, da er meist nicht im Zentrum Berlins unterwegs ist. Für ihn steht jedoch fest, dass das Fahrverbot an finanzielle Folgen geknüpft sei. Er fürchtet den Wertverlust seines Wagens und die steigenden Tankkosten.

Als „ärgerlich“ und das in einem sehr deutlichen Ton beschreibt der Polizeikommissar die Situation. Noch drastischer sieht es für den Handwerker Peter Karpiak aus. Der 37-Jährige ist in der Baubranche tätig und auf zwei Wagen angewiesen. Den einen nutzt er für den Transport, seinen zweiten Wagen für den Kundendienst. Dass dabei beide Fahrzeuge ausgerechnet mit Diesel betankt werden, kommt ihm sehr ungelegen. „Ich kann mir das nicht leisten“, erzählt er. „Das sind Jahre, die man für die Autos arbeiten muss“. Das Werkzeug könne er schließlich auch nicht im öffentlichen Nahverkehr transportieren, ein Verzicht auf die Autos ist für Peter Karpiak also undenkbar.

Ähnlich ist die Stimmung bei Berlins Taxifahrern. „Wir erwarten von der Politik nach dem Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts zum Dieselfahrverbot für unsere Taxifahrer die gleichen Ausnahmegenehmigungen wie sie für die BVG und auch Handwerksbetriebe im Gespräch sind“, sagte Rolf Feja, Vorstand der Innung des Berliner Taxigewerbes e.V. „Die Taxifahrer sind Teil des öffentlichen Personennahverkehrs, wie auch die BVG.“

Feja spricht auch von der Beförderungspflicht und den Behindertenfahrten. „Wir holen Menschen ab, die mobil eingeschränkt sind, fahren sie zum Arzt und bringen sie nach Hause“, sagte er. „Wie soll das funktionieren, wenn diese Fahrgäste in den betroffenen Straßen wohnen?“

Er gibt auch zu bedenken, dass einige Fahrten für Fahrgäste teurer werden, wenn sie Straßen mit Fahrverbot umfahren müssen. Nach Angaben der Taxiinnung sind etwa 2500 Taxis von dem Fahrverbot betroffen. Mehr als 8100 Taxikonzessionen sind aktuell vergeben, davon sind ungefähr 4500 bis 5000 Dieselfahrzeuge. Rund die Hälfte würde aber die technischen Bedingungen für die Euro-6- Abgansnorm erfüllen. Berlin habe laut Feja, eine „neue und moderne Flotte.“

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