Erhebliche Verzögerungen

53 Berliner U-Bahnhöfe haben immer noch keinen Aufzug

Die Bauarbeiten verzögern sich an zahlreichen Stationen. Kritik an der zuständigen BVG wird immer lauter.

Berlin. Bis zum Jahr 2020 sollen weitgehend alle 173 Berliner U-Bahnhöfe barrierefrei zugänglich sein. Auf dieses Ziel haben sich Senat und Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) verständigt. Doch die BVG kommt bei dem Vorhaben nicht wie geplant voran. Derzeit sind nach Angaben der Senatsverkehrsverwaltung erst 119 U-Bahnhöfe stufenlos erreichbar. In den nächsten Jahren müssen stadtweit noch 53 U-Bahnhöfe umgebaut werden.

Der Berliner Morgenpost liegt eine objektscharfe Übersicht über jeden U-Bahnhof in der Hauptstadt vor, der noch nicht barrierefrei ist. Wie aus den Unterlagen ersichtlich ist, kommt es bei den erforderlichen Umbauarbeiten zum Teil zu erheblichen Verzögerungen im Zeitplan.

Barrierefreiheit ist ab Anfang 2022 vorgeschrieben

Seit Jahren sind die fehlenden barrierefreien Zugänge ein Ärgernis für die Bürger. Wer mit Kinderwagen unterwegs ist oder gar auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen ist, hat kein Verständnis für den derzeitigen Zustand. Zudem finden sich Blinde und Sehbehinderte häufig nicht zurecht.

Sebastian Walter (Grüne), Mitglied im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses, kritisiert die BVG scharf: „Es ist nicht akzeptabel, dass die Verkehrsbetriebe die Baumaßnahmen derart auf die lange Bank geschoben haben“, sagte Walter der Berliner Morgenpost. „Jetzt wird die Zeit knapp.“

Nach den gesetzlichen Vorgaben muss bis zum 1. Januar 2022 Barrierefreiheit geschaffen sein. Allein in Tempelhof-Schöneberg stünden acht U-Bahnhöfe auf der Liste, die bislang keinen barrierefreien Zugang haben, so Walter. Bauliche Verzögerungen gebe es zum Beispiel für die U-Bahnhöfe am Platz der Luftbrücke (U6) und am Viktoria-Luise-Platz (U4). Der Abgeordnete fordert in solchen Fällen Zwischenlösungen, wie den Einbau von Treppenliften oder Rampen.

Fahrstühle nach Störungen schneller reparieren

Eine rasche Umsetzung der Barrierefreiheit mahnt auch mit Nachdruck Landesbehindertenbeauftragte Christine Braunert-Rümenapf an. Gleichzeitig betonte sie, die bestehenden Fahrstühle müssten nach Störungen schneller repariert werden. „Ich habe ein gewisses Verständnis für die BVG, da die Bauvorhaben zum Teil sehr schwer umzusetzen sind“, sagte die Beauftragte auf Anfrage.

Die Aufgabe ist tatsächlich beträchtlich, wenn in den nächsten zwei Jahren stadtweit noch 53 U-Bahnhöfe umgebaut werden müssen. Grundsätzlich erhalten alle Stationen Aufzüge. Außerdem soll die Bahnsteigplatte auf Fußbodenniveau erhöht – und an allen Bahnhöfen ein Blindenleitsystem installiert werden.

Stufenlos sind bisher 119 U-Bahnhöfe erreichbar, 111 Bahnhofe verfügen über insgesamt 159 Aufzüge, acht U-Bahnhöfe über Rampen. Ein Blindenleitsystem haben bislang lediglich 121 der 173 U-Bahnhöfe.

„Wir arbeiten mit Hochdruck, um die zum Teil sehr alten U-Bahnhöfe für alle ohne Probleme zugänglich zu machen“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz der Berliner Morgenpost. Sieben Aufzüge sind laut Liste im vergangenen Jahr in Betrieb genommen worden, etwa am Siemensdamm und an der Zitadelle Spandau oder am Kurt-Schumacher-Platz in Reinickendorf. 14 Bahnhöfe sollen noch in diesem Jahr fertig umgebaut sein. Ob das in diesem Zeitraum wirklich klappt, ist nicht sicher. Denn der Baufortschritt hängt von den Baukapazitäten der Firmen ab, aber auch von den Schutzauflagen oder schwierigen Baumaßnahmen in den alten Bahnhöfen der Berliner U-Bahn.

Vielfältige Gründe für Verzögerungen

Die Gründe für die Verzögerungen sind vielfältig, wie Jens-Holger Kirchner, Staatssekretär der Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr in einer Mitteilung an den immer ungeduldig werdenden Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses anführt. Aufgrund der aktuellen Brandschutzbestimmungen mussten die Planungen zum Teil erheblich verändert werden. Bei älteren Bahnhöfen seien wegen Schäden am Bauwerk häufig unvorsehbare umfangreiche Arbeiten vorzunehmen, ehe überhaupt mit dem Einbau eines Aufzuges begonnen werden kann.

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