Personalwechsel

Stumpenhusen tritt 2019 als Berliner Verdi-Chefin ab

Bei Verdi gibt es einen Personalwechsel: Susanne Stumpenhusen hört auf. Ihr Nachfolger soll Bereichsleiter Frank Wolf werden.

Verdichefin Susanne Stumpenhusen hat ihr Amt seit der Gewerkschaftsgründung 2001 inne

Verdichefin Susanne Stumpenhusen hat ihr Amt seit der Gewerkschaftsgründung 2001 inne

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Berlin. An der Spitze der Berliner Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zeichnet sich ein Personalwechsel ab: Die bisherige Landesbezirksleiterin Susanne Stumpenhusen hört auf, ihr Nachfolger soll nach Morgenpost-Informationen Frank Wolf werden, der als Landesfachbereichsleiter für Finanzdienstleistungen bislang die Interessen der Mitarbeiter von Banken in Berlin und Brandenburg vertritt. Darauf hat sich eine interne Personalfindungskommission einstimmig geeinigt, wie Stumpenhusen und Wolf auf Anfrage bestätigten. Der Landesbezirksvorstand schloss sich dem Votum an.

Stumpenhusen tritt aus Altersgründen nicht erneut für das Amt der Landesbezirksleiterin an. Heute ist sie 63, bei Ablauf der vierjährigen Wahlperiode wäre sie im Rentenalter. „Ich mache den Job jetzt seit fast 20 Jahren“, sagte sie der Morgenpost. „Ich habe immer gesagt, dass irgendwann auch einmal Schluss sein muss. Würde ich mich jetzt erneut aufstellen lassen und die gesamte Wahlperiode durchhalten, wäre ich am Ende 67 Jahre alt. Das möchte ich genauso wenig wie zur Mitte der Wahlperiode aufhören.“ In ihren letzten zweieinhalb Jahren bis zum Renteneintritt im Oktober 2020 wolle sie sich verstärkt um Brandenburg kümmern, dort jüngere Kollegen bei der Arbeit im landespolitischen Betrieb unterstützen.

Kampfkandidaturen sind nicht ausgeschlossen

Ihr potenzieller Nachfolger Frank Wolf ist derzeit 56 Jahre alt, hat also noch rund zehn Jahre vor sich. Er gilt als erfahren, vor der Gründung von Verdi 2001 war er lange Zeit bei der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV). „Ich freue mich, dass sich die Kommission auf meine Nominierung geeinigt hat“, sagte er. Er sei im Vorfeld angesprochen worden, musste nicht lange mit sich ringen. „Wir haben besonders durch die Digitalisierung einige Aufgaben zu erledigen, nicht nur im Bankensektor, deren Angestellte ich bislang vertrete“, so Wolf weiter. „Jetzt würde ich gern für alle die Verantwortung übernehmen.“

Gleichwohl schließe er nicht aus, dass weitere Kandidaten ihr Interesse bekunden. Kampfkandidaturen seien möglich, es handle sich um eine basisdemokratische Wahl. Der Termin für die Wahl der hauptamtlichen Landesbezirksleitung ist für den 22. und 23. Februar 2019 angesetzt. Neben Stumpenhusens Posten stehen dann auch die Positionen ihrer beiden Stellvertreter zur Wahl.

Als sicher gilt, dass Vize-Bezirksgeschäftsführerin Gabi Lips wiedergewählt wird. Auch sie steht auf der Nominierungsliste der Findungskommission. Nicht erneut antreten wird hingegen Stumpenhusens zweiter Stellvertreter, Roland Tremper, ebenfalls aus Altersgründen. Für seinen Posten hat das vierköpfige Personalgremium Andrea Kühnemann vorgeschlagen, die als Angestellte im Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg bislang ehrenamtlich im Vorstand des Verdi-Fachbereichs Gemeinden sitzt. Tremper, der genauso alt ist wie Stumpenhusen, wird sich bei Verdi bis zum Renteneintritt im Fachbereich Bund und Länder für die Interessen der Beschäftigten im öffentlichen Dienst einsetzen.

Bislang einzige Landeschefin

Stumpenhusen ist die erste und bislang einzige Landeschefin der Gewerkschaft Verdi in Berlin. Erstmals gewählt wurde sie 2001, als sich Verdi aus fünf einzelnen Gewerkschaften zusammenschloss, darunter die Deutsche Angestelltengewerkschaft (DAG) und die Gewerkschaft Handel. Seitdem setzt sie ich unter anderem dafür ein, dass die Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst besser werden, nicht zuletzt durch eine attraktivere Bezahlung der Angestellten. Zudem kümmerte sie sich verstärkt um selbstständig arbeitende Verdi-Mitglieder.

Ihre jüngste Wiederwahl als Landesbezirksleiterin war im März 2015. Auf Bundesebene wurde in jenem Jahr auch Frank Bsirske als Vorsitzender von Verdi Deutschland im Amt bestätigt – obwohl er damals schon 62 Jahre alt war. Kommendes Jahr tritt mit 67 ab. Sein Nachfolger soll Frank Werneke werden, bislang Bsirskes Stellvertreter.

Die Gewerkschaft Verdi vertritt in Berlin und Brandenburg rund 160.000 Mitglieder. Die Gewerkschaft setzt sich für Mitarbeiter aus 13 Branchen ein, darunter auch Angestellte bei Post- und Speditionsfirmen, im Handel und im Gesundheitswesen. Der Organisationsgrad schwankt von Branche zu Branche. Während etwa in den vielen nicht-tarifgebundenen Krankenhäusern viele Mitarbeiter bei Verdi eintreten, sind in Behörden und Verwaltungen nur wenige Angestellte Gewerkschaftsmitglied. Grund dafür ist, dass im öffentlichen Dienst die Angestellten automatisch von den Tarifabschlüssen profitieren.

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