Landgericht

Prozess: Weil ihn der Nachbar anschrie, stach Mann zu

Der 38-Jährige fühlte sich von seinem Nachbarn bedroht und macht Notwehr geltend. Das rechte Bein des Opfers ist seit der Tat gelähmt.

Justitia

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Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Berlin. Nach einem blutigen Streit unter Nachbarn in Spandau hat sich der Angeklagte vor dem Landgericht auf Notwehr berufen. Aus Angst habe er das 47 Jahre alte Opfer mit einem Messer gestochen, erklärte der 38-Jährige am Donnerstag zu Prozessbeginn. Der Nachbar habe ihn angeschrien und schlagen wollen. Der 47-Jährige wurde am Rückenmark schwer verletzt. Sein rechtes Bein ist seit der Tat im August 2016 gelähmt. Dem 38-Jährigen wird schwere Körperverletzung zur Last gelegt.

Die Anklage geht davon aus, dass beide Männer betrunken gewesen sind. Der 47-Jährige habe bei dem aus Bulgarien stammenden Mann, der bei einem Landsmann wohnte, geklingelt und ihn zur Rede stellen wollen. Als der Geschädigte nach einem kurzen Wortwechsel gehen wollte, habe ihm der Angeklagte ein Küchenmesser in die Schulter gerammt.

Der 47-Jährige sagte nun, er habe wegen verschiedener Gerüchte bei dem Mann geklingelt. «Er soll auf einem Spielplatz Kinder angemacht haben und man sagte, dass er in fremde Fenster guckt», so der Geschädigte. «Ich sagte ihm, dass er so etwas lassen soll. Ich habe ihn dabei nicht angefasst.»

Der Angeklagte erklärte, der 47-Jährige sei aggressiv aufgetreten. «Ich sah keinen anderen Ausweg und nahm ein Messer.» Der 38-Jährige soll sich kurz nach der Tat nach Bulgarien abgesetzt haben. Im Juni 2018 wurde der international Gesuchte nach Deutschland ausgeliefert. Der Prozess wird am 18. Oktober fortgesetzt.

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