Parteitag

Die Berliner CDU entdeckt ihre weibliche Seite

Kreisverbände fordern, die politische Arbeit in der Union frauen- und familienfreundlicher zu gestalten. Es gibt auch Kritiker.

Cornelia Seibeld vom Kreisverband Steglitz-Zehlendorf, hier im  Berliner Abgeordnetenhaus, will mehr Familienfreundlichkeit in der politischen Arbeit

Cornelia Seibeld vom Kreisverband Steglitz-Zehlendorf, hier im Berliner Abgeordnetenhaus, will mehr Familienfreundlichkeit in der politischen Arbeit

Foto: picture alliance / Bernd von Jut

Berlin. Abendveranstaltungen, Wochenend­termine, ewig dauernde Sitzungen: Wer in der Politik nach oben will, hat einen bisweilen stressigen Alltag. Schon auf Bezirksebene sind die Terminkalender vieler Parteifunktionäre randvoll – die sogenannte Work-Life-Balance, ein herkömmliches Familienleben kommen oft zu kurz.

Besonders betroffen davon sind Eltern, die sich neben ihrem Job auch um Kinder kümmern wollen, überdurchschnittlich oft trifft es auch heute noch Frauen. Erkannt hat das jetzt auch die Berliner CDU. Auf ihrem Parteitag am kommenden Sonnabend will die Union einen Antrag zur Abstimmung stellen, in dem sechs Kreisverbände fordern, die politische Arbeit innerhalb der Union frauen- und familienfreundlicher zu gestalten.

„Nur ein Drittel unserer Mitglieder im Landesverband sind Frauen“, sagte Cornelia Seibeld vom Kreisverband Steglitz-Zehlendorf. „Damit spiegelt die Partei nicht die gesellschaftliche Realität wider. Wir wollen für Frauen attraktiver werden.“ Um das zu erreichen, schlägt Seibeld einen Sieben-Punkte-Plan vor. So sollen etwa an Sonntagen keine Veranstaltungen mehr stattfinden, es sei denn, es handelt sich um nicht nachholbare Gedenktage. Zudem will Seibeld prüfen lassen, ob zumindest auf Ortsverbandsebene politische Ämter auch von zwei verschiedenen Personen ausgeübt werden können, quasi in Teilzeit.

Politische Ämter sollen auch in Teilzeit ausgeübt werden

„Oft melden sich weibliche Mitglieder nicht für solche Funktionen“, sagt sie. „Gerade weil es sich dabei um ein Ehrenamt handelt, würde es viele entlasten, wenn sie sich die Aufgabe teilen könnten.“ Nötig dafür wäre wahrscheinlich eine Satzungsänderung, in der auch festgelegt wird, dass trotz Doppelbesetzung, etwa des Ortsverbandvorstehers, nur einer von beiden an Abstimmungen teilnehmen darf.

Ferner sollen parteiinterne Sitzungen effizienter geleitet werden, damit die Treffen nicht jedes Mal länger dauern als angesetzt. „Die Ersten, die abends gehen, sind meistens die Frauen“, so Seibeld. „Weil zu Hause der Babysitter auf Ablösung wartet.“

Der Antrag gilt innerhalb der CDU als kontrovers, manch (männlicher) Delegierter äußerte sich im Vorfeld kritisch über die Ideen. Ob er durchgewinkt wird, ist deshalb offen. Fest steht: In der Berliner Parteienlandschaft liegt die CDU mit ihrem Frauenanteil von 32 Prozent im Mittelfeld. Den geringsten Anteil hat die AfD mit knapp 14 Prozent, den höchsten haben die Grünen mit 41 Prozent.