Berliner Kulturforum

Neue Pläne für das Museum der Moderne

Die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron präsentieren ihre überarbeiteten Pläne für das Museum des 20. Jahrhunderts.

Der Haupteingang des neuen Museums mit großer Freitreppe und verglaster Fassade befindet sich auf dem Scharounplatz gegenüber der Philharmonie

Der Haupteingang des neuen Museums mit großer Freitreppe und verglaster Fassade befindet sich auf dem Scharounplatz gegenüber der Philharmonie

Foto: © Herzog & de Meuron

Berlin. Die Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron haben ihren Entwurf für das Museum der Moderne in Berlin in den vergangenen Monaten gründlich überarbeitet. Mit Erfolg: das von vielen Kritikern als gigantischer „Aldi“-Markt, „Bierzelt“ oder „Kunstscheune“ verhöhnte Gebäude hat deutlich an Museumsqualität gewonnen – und fügt sich nunmehr überzeugend in das Gebäudeensemble am Kulturforum ein.

Am Dienstag stellten die Architekten ihren überarbeiteten Entwurf erstmals öffentlich vor. Allerdings gab es bei dieser Gelegenheit auch eine schlechte Nachricht: „Es wird jedenfalls deutlich teurer als die ursprünglich in der Machbarkeitsstudie von 2013 veranschlagten 200 Millionen Euro“, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU).

Das Architektur-Duo Herzog & de Meuron, das in Hamburg die Elbphilharmonie entworfen hat, hatte im Oktober 2016 den internationalen Realisierungswettbewerb für den Museumsbau gewonnen. Grütters verwies darauf, dass seriöse Zahlen zu den Kosten erst im kommenden Sommer präsentiert werden können, wenn die Entwurfsplanung abgeschlossen sei.

Neue Pläne kosten mehr Geld

Hauptgründe für die Kostensteigerung seien die Baupreissteigerungen in den vergangenen Jahren und die Notwendigkeit, mit einem weiteren Geschoss in die Tiefe zu gehen. Dass die Baugrube nun deutlich tiefer und damit auch entsprechend teurer wird, ergibt sich aus der Überarbeitung. In dieser wurden die Außenmaße des Gebäudes um 18 Prozent reduziert.

Die verkleinerte Grundfläche war nötig geworden, um den in einem Workshopverfahren 2017 erarbeiteten Bedenken Rechnung zu tragen. „Der Abstand zur St.-Matthäus-Kirche beträgt nun 14 statt acht Meter und orientiert sich damit an den historischen Baulinien“, sagte Jacques Herzog. Die neuen Maße wurden bereits in dem Bebauungsplan festgeschrieben, den der Berliner Senat Anfang dieses Jahres beschlossen hat.

Berücksichtigt haben die Architekten bei der Überarbeitung auch die Anpassungen an ein Naturdenkmal auf der Westseite des Gebäudes. Die mächtige Platane, die neben der Kirche als Einziges die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit in diesem Bereich des Tiergartenviertels überdauerte, bekommt nun nicht nur ein kleines Loch im Dach, sondern eine großzügige halbrunde, zudem verglaste Aussparung, die den Blick aus dem Inneren des Museums auf den Baum freigibt – genauso wie vom neu angelegten Matthäikirchplatz ins Innere des Gebäudes.

Platz für die Sammlungen Marx und Pietzsch

Um den so entstandenen Verlust an Grundfläche zu kompensieren, wird das Bauwerk nun zwei unterirdische und zwei oberirdische Stockwerke erhalten. Drei dieser vier Geschosse werden öffentlich zugänglich sein. Hier werden sich unterschiedliche Ausstellungsräume, aber auch Räume für die Kunstvermittlung und Arbeit mit Gruppen, Flächen für den Besucherservice, ein multifunktionaler Medienraum, sowie die Gastronomie befinden. In den internen Bereichen des Museums werden Depots, Restaurierung, Büro- und Technikräume untergebracht.

Auffällig bei der Überarbeitung sind auch die riesigen Scheunentore – „Hangartüren“, wie Jacques Herzog sie nennt –, die die großzügig verglasten Gebäudeeingänge in Richtung Potsdamer Straße und zur Kirche hin je nach Bedarf für Veranstaltungen öffnen oder schließen können. Nachts sollen diese Tore, die sich über die gesamte Fassadenhöhe erstrecken, als gigantische Projektionsfläche genutzt werden, beispielsweise um neue Ausstellungen anzukündigen.

„Die Architekten haben den ursprünglichen Entwurf erheblich weiterentwickelt. Nicht nur die neue Qualität der Außengestaltung, sondern auch die Ausarbeitung des Innenraumes machen das Gebäude zu einem wahren Knotenpunkt zwischen Philharmonie, Matthäus-Kirche und Neuer Nationalgalerie einerseits sowie Staatsbibliothek und Gemäldegalerie andererseits“, betonte Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK). Für die SPK entstehe ein großartiger Bau, der die Sammlung der National­galerie zur Kunst des 20. Jahrhunderts zusammen mit den Sammlungen von Erich Marx und Ulla und Heiner Pietzsch zeigen sowie auch Bestände der Kunstbibliothek und des Kupferstichkabinetts einbeziehen werde.

Transparenz und Offenheit

Insbesondere die neu entstandene Transparenz und Offenheit des Gebäudes hat es Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin, angetan. „Unser gemeinsames Ziel war es, nicht nur ein Haus für die Kunst zu schaffen, sondern auch einen sozialen Ort, an dem künstlerische und gesellschaftliche Perspektiven verhandelt werden können“. Dies spiegele sich in dem weiter entwickelten Architekturentwurf wider, der für vielfältige Nutzungen ideale Räume schaffe. „Das reicht von traditionellen Kunstgalerien über Ruhezonen und Versammlungsorte bis hin zu multimedial nutzbaren Räumlichkeiten“, sagte Kittelmann.

Im Sommer 2019 soll die Entwurfsplanung abgeschlossen sein, danach werde die Baugenehmigung eingeholt, nannte Kulturstaatsministerin Grütters die weiteren Schritte. „Der erste Spatenstich ist für Ende 2019 vorgesehen“, so Grütters. Mitte der 2020er-Jahre könne das Haus dann vermutlich eröffnen – ursprünglich war die Fertigstellung schon für 2021 geplant.

Bis dahin, zeigte sich Monika Grütters überzeugt, würden sich die Berliner auch mit der eigenwilligen Bauform des Gebäudes aus unterschiedlich großen quadratischen Backsteinen und Glas ausgesöhnt haben. Wenn die Berliner einem Gebäude einen Spitznamen geben, ist das doch schon mal ein gutes Zeichen“, meinte die Kulturstaatsministerin. Und verwies auf das als „Schwangere Auster“ bekannte Haus der Kulturen der Welt – einen Namen, den es seiner muschelförmigen Dachform verdankt. „Eine Scheune“, sinnierte die Staatsministerin, sei doch eigentlich kein schlechter Titel.

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