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Tipps für Spaziergänge im goldenen Oktober

Der Sommer kommt kurz zurück. Sieben schöne spätsommerliche Touren in und um Berlin.

Lädt zu einer herbstlichen Erkundung ein: der Große Tiergarten

Lädt zu einer herbstlichen Erkundung ein: der Große Tiergarten

Foto: Reto Klar

Berlin.  Die Rekordhitze des Sommers dürften viele nach der feuchtkalten zweiten Septemberhälfte bereits vergessen haben. An diesem Wochenende beschert uns Hoch „Ulf“ aber noch einmal spätsommerliche Temperaturen von bis zu 25 Grad. Der Oktober zeigt sich in Berlin und Brandenburg von seiner schönsten Seite – wenn auch nur kurz. Und vielleicht ist dieser Sonntag die letzte Gelegenheit in diesem Jahr für einen ausgedehnten spätsommerlichen Spaziergang.

Westwärts durch den malerischen Tiergarten

Für Touristen ist ein Rundgang durch Berlins zweitgrößten Park ein Muss. Aber auch für Berliner gibt es dort das eine oder andere neu- oder wieder zu entdecken. Start ist am Brandenburger Tor. Von hier soll es westwärts durch den Großen Tiergarten gehen. Anstatt aber eine konkrete Route festzulegen, ist es ratsamer, sich spontan zu überlegen, was man alles sehen will. Denn Denkmäler, Brücken und besondere Parkteile sind im gesamten Tiergarten auf rund 210 Hektar beidseitig der Straße des 17. Juni verteilt, jedoch dank vieler Wegweiser und auch Karten bestens zu finden. In jedem Fall lohnt sich ein Blick auf das barocke Venusbassin mit dem anliegenden Floraplatz, auf den Zeltenplatz ganz im Norden, ein Rundgang durch den Englischen Garten oder die Route entlang des Tiergartenfließes von der Luiseninsel bis zum Rosengarten. Wer dabei tendenziell in Richtung Westen geht, gelangt irgendwann zum Café am Neuen See oder dem Schleusenkrug unweit des Berliner Zoos und kann dort den Tag gemütlich ausklingen lassen.

Gleichgewicht trainieren im Park der Sinne in Weißensee

Ohne Zweifel zählt der Park der Sinne zu den ungewöhnlicheren Gartenanlagen Berlins. Aber insbesondere mit Kindern lohnt sich der Besuch. Die Anlage gehört zur Klinik am Weißensee, ist aber öffentlich zugänglich. Zwischen Bäumen und Blumen wurden gärtnerische, künstlerische und therapeutische Ansätze miteinander verknüpft. Klangsteine, ein Heckentheater, der Therapieweg, ein Labyrinth, Taststeine oder Duftdolden sprechen die unterschiedlichen menschlichen Sinne an und sollen das Gleichgewicht, die Orientierung und das Gehör schulen. Alle Elemente stehen am Wegesrand und werden durch Schilder erläutert. Der Eingang befindet sich an der Schönstraße 80. Nur wenige Fußminuten entfernt liegt der Weißensee und an dessen Westufer das Restaurant „Milchhäuschen“.

Einmal halb um den Tegeler See

Den gesamten Tegeler See mit seinen 450 Hektar zu umrunden, wäre ein langwieriges Unterfangen. Eine „halbe“ Umrundung ist aber möglich. Start ist an der Endstation des Busses 222 in Tegelort. Von hier geht es immer den Schwarzen Weg entlang, zunächst vorbei am Arbeiterstrand gegenüber der Schulinsel Scharfenberg und dem Strandbad Tegel. Immer geradeaus durch den Wald führt die Route nach einer Weile vorbei an der ehemaligen Borsig-Villa, die heute vom Auswärtigen Amt als Gästehaus genutzt wird. Um den Malchsee herum geht es weiter zur Großen Malche, wo mit der „Dicken Marie“ der wohl älteste Baum Berlins steht. Über die Sechserbrücke gelangt man schließlich zur Greenwichpromenade und nach Alt-Tegel, wo sich der Tag in einem der zahlreichen Restaurants oder Kneipen entspannt beenden lässt.

Auf dem Mauerweg durch die Berliner Innenstadt

Wo Berlin mehr als 30 Jahre in Ost und West geteilt war, befindet sich heute der 45 Kilometer lange Berliner Mauerweg. In der Innenstadt führt er an vielen bekannten Sehenswürdigkeiten vorbei. Dabei beantwortet er aber Geschichtsinteressierten konsequent die Frage, wo die unüberwindbare Grenze lag, die wir heute so selbstverständlich überschreiten. Los geht der Spaziergang am S-Bahnhof Bornholmer Straße und von dort in südlicher Richtung weiter durch den Mauerpark, zur Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße und schließlich zum Nordbahnhof. Nach den Friedhöfen an der Liesen­straße steuert man zunächst den Hauptbahnhof an. Anschließend liegen Touristenmagneten wie das Regierungsviertel, das Brandenburger Tor, der Potsdamer Platz und der Checkpoint Charlie auf der Strecke. Hinter der East Side Gallery, dem längsten noch erhaltenen Stück Mauer zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbrücke, endet die Route. Wer diese in Richtung Kreuzberg überquert, dem stehen an der Schlesischen Straße zwischen Landwehrkanal und Flutgraben mehrere Biergärten zur Auswahl.

Morbider Charme auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf

Einen Friedhof zu besuchen, wenn man nicht unbedingt muss, mag nicht jedermanns Sache sein. Im Fall des Südwestkirchhofs Stahnsdorf lohnt es sich aber unbedingt. Denn dabei handelt es sich nicht nur um den zweitgrößten Friedhof Deutschlands. Auch die Liste der bestatteten berühmten Persönlichkeiten ist lang. So ruhen dort unter anderem Werner von Siemens, Heinrich Zille, Friedrich Wilhelm Murnau, Manfred Krug oder der jüngst verstorbene Dieter Thomas Heck in zum Teil architektonisch markanten Grabmälern und Mausoleen. Diese zählen mitunter zu den bedeutendsten Denkmälern der Bestattungskunst. Auch die norwegische Holzkirche im Jugendstil ist in jedem Fall einen Blick wert. Da der Friedhof zu Zeiten der deutschen Teilung kaum genutzt wurde, lassen sich Teile der Anlage heute kaum von einem Wald unterscheiden. Wo verwitterte Grabsteine und Kreuze aus dem Gestrüpp hervorragen, zeigt die Nekropole einen gewissen morbiden Charme. Geöffnet ist der Südwestkirchhof Stahnsdorf von 7 bis 18 Uhr. Die Anfahrt empfiehlt sich mit dem Auto über die A115 bis zur Ausfahrt Kleinmachnow und von dort weiter bis Stahnsdorf. Nach dem Rundgang über den 200 Hektar großen Friedhof lädt das Restaurant „Tick Tack“ direkt vis à vis des Haupteingangs zur Stärkung ein.

Schloss Cecilienhof und Neuer Garten in Potsdam

Los geht der Rundgang an der Leistikowstraße, wo einer der weniger bekannten Eingänge in den Neuen Garten liegt. Von hier aus geht es zunächst zum Marmorpalais, von dessen Terrasse man den herrlichen Blick über den Heiligen See genießen kann. Teils am Ufer entlang, teils durch den Park läuft man nach Norden zum Schloss Cecilienhof, das zwischen 1913 und 1917 im Stil eines englischen Landhauses errichtet wurde. Von dort führt der Weg weiter nordwärts zum Jungfernsee, vorbei an der Muschelgrotte und über den Uferweg am Jungfernsee bis zur Einsiedelei an der nördlichsten Spitze des Neuen Gartens. Kurz vor dem Hasengraben ergibt sich eine spektakuläre Sichtachse über die Potsdamer Kulturlandschaft auf der einen, bis zur Pfaueninsel mit dem weißen Schloss auf der anderen Seite. Jenseits des Hasengrabens führt der Uferweg vorbei an der Matrosenstation bis zur Glienicker Brücke zurück nach Berlin.

Von Dorf zu Dorf: Zwischen Rosenthal und Lübars

Vor allem an Berlins Rändern haben viele Stadtteile ihre dörfliche Struktur bis heute erhalten. Dazu gehört ohne Frage Rosenthal in Pankow. Mit der Tram M1 fährt man zur gleichnamigen Endhaltestelle und erkundet zunächst den alten Dorfanger rund um die mittelalterliche Kirche. Von dort geht es nach Norden weiter zum Dorffriedhof. Hat man ihn gen Westen überquert, tut sich dahinter ein Feldweg in Richtung Lübars auf. Auf diesem kreuzt man den Berliner Mauerweg und geht durch die Natur zum Erlebnisbauernhof „Alte Fasanerie“. Wer Hunger hat, kann sich im dortigen Restaurant stärken, bevor es über die Lübarser Höhe, den Freizeitpark Lübars und vorbei an den Lübarser Felder in den Dorfkern des gleichnamigen Stadtteils geht, wo ebenfalls eine wunderschöne Dorfkirche und ein malerische Dorfanger auf den Spaziergänger warten.