Checkpoint Charlie

Prominente unterstützen Museums-Pläne für Checkpoint Charlie

Auch Eberhard Diepgen und der ehemalige US-Botschafter John Kornblum setzen sich für ein neues Museum des Kalten Krieges ein.

Der Checkpoint Charlie ist ein Touristen-Magnet und Ort der Erinnerung

Der Checkpoint Charlie ist ein Touristen-Magnet und Ort der Erinnerung

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Im Streit um die angemessene Gestaltung des Checkpoint Charlie als Erinnerungsort an den Kalten Krieg haben sich die Fronten zuletzt verhärtet. Nach jahrelangen Verhandlungen hatten sich im Sommer Senat und Investor Trockland zwar auf die Eckpunkte einer Bebauung geeinigt. Doch seitdem hagelte es auch innerhalb der Koalition Kritik: Die Grünen monierten, dass das Verfahren intransparent sei und mahnten ein besseres Ergebnis für die Interessen des Landes an. Auch Linke und CDU favorisieren ein neues Verfahren – bis hin zu einem möglichen Rückkauf des Areals. Nun erhält das Bauvorhaben prominenten und parteiübergreifenden Rückenwind.

„Die derzeitige Situation am Checkpoint Charlie ist unwürdig. Mit dem Investor und dem durchgeführten Workshopverfahren gibt es nun erstmals seit Jahren eine konkrete Möglichkeit für ein Museum des Kalten Krieges“, machte sich Rainer Klemke, Vorsitzender des Vereins Zentrum Kalter Krieg am Checkpoint Charlie für den ausgehandelten Kompromiss mit dem Investor stark. Am Freitag stellte sich die Initiative erstmals öffentlich vor – und vehement hinter das Projekt.

Das Konzept gibt es seit 2006

Die Initiative, zu der neben den Berliner Ex-Regierungschefs Eberhard Diepgen (CDU) und Walter Momper (SPD) auch der frühere US-Botschafter John Kornblum sowie Marianne Birthler (Grüne), ehemalige Stasi-Unterlagen-Beauftragte des Bundes, zählen, erinnerte daran, dass ein solches Museum schon 2006 im Berliner Konzept zur Erinnerung an die Mauer beschlossen worden sei. In der Folge seien jedoch mehrere Investoren auf dem Areal pleitegegangen.

„Nichts an dem Verfahren ist intransparent“, betonte Kornblum. Vielmehr habe Trockland, die er in dieser Angelegenheit auch berate, bereits 2015 ihre Pläne öffentlich gemacht, am Checkpoint Charlie östlich und westlich der Friedrichstraße ein Hard-Rock-Hotel, Büros, Geschäfte und Wohnungen mit einer Nutzfläche von rund 50.000 Quadratmetern zu bauen – und eine 3000 Quadratmeter große Museumsfläche, auf der das Land Berlin über die Stiftung Berliner Mauer an die Geschichte des Ortes und den Kalten Krieg erinnern kann.

Zusätzlich vereinbarten die Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und Kultur, der Bezirk Mitte sowie Trockland im September, zu beiden Seiten der Kreuzung Freiflächen zu schaffen. Westlich der Friedrichstraße sollen 1000 Quadratmeter unbebaut bleiben, auf östlicher Seite 350 Quadratmeter. Die Flächen sollen als Informations- und Ausstellungsort genutzt werden.

Wunsch nach einem würdigen Erinnerungsort

Auf welche Weise an die Geschichte des Ortes und den Kalten Kriege erinnert werden soll, sei noch offen, betonte Klaus-Dietmar Henke, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Berliner Mauer. Der Checkpoint Charlie war während der Teilung Berlins Grenzübergang für Diplomaten und Ausländer. Nach dem Mauerbau 1961 standen sich hier US-amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber. Originale Reste des Übergangs sind bis auf die Brandmauern nicht mehr vorhanden. Stattdessen posieren Soldaten-Darsteller, werden Gasmasken, Militärmützen und Orden neben vermeintlich originalen Mauerstückchen an Touristen verkauft.

„Wenn jetzt kurz vor Toresschluss wieder alles schiefgeht und der Vertrag nicht zustande kommt, dauert es mindestens weitere zehn Jahre, bis wir wieder eine Chance auf einen würdigen Erinnerungsort am Checkpoint Charlie bekommen“, mahnte Walter Momper. „Kernpunkt ist doch, dass das Gesamtkonzept verwirklicht ist und dazu gehört die Einrichtung eines Museums am Checkpoint Charlie“, unterstützte Eberhard Diepgen seinen ehemaligen Konkurrenten um den Chefsessel im Roten Rathaus.

Angesichts der auf dem Grundstück lastenden Grundschuld von rund 80 Millionen Euro sei es unvertretbar, auf eine Zwangsversteigerung zu setzen und ein juristisch fragwürdiges Vorkaufsrecht, so Diepgen, der damit deutlich eine andere Position vertritt als die Berliner CDU. Deren Generalsekretär Stefan Evers sagte der Morgenpost, für ihn sei ein „weiteres Museum am Checkpoint Charlie kein Selbstzweck“. Es gehe vor allem darum, den historischen Charakter vom Checkpoint Charlie für die Zukunft zu sichern. Deshalb fordere die CDU eine Debatte im Abgeordnetenhaus darüber, ob und wie die zentralen Flächen zurück in öffentliches Eigentum überführt werden können.

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