40 Jahre Alternative Liste

Von der bunten Bewegung zur Regierungspartei

Vom verpassten Sprung ins Abgeordnetenhaus 1979 zur Rot-rot-grünen Dreierkoalition 2016

Unterzeichnung der Koalitionsvereinbarung für einen rot-grünen Senat durch Walter Momper (SPD) und Astrid Geese (AL)

Unterzeichnung der Koalitionsvereinbarung für einen rot-grünen Senat durch Walter Momper (SPD) und Astrid Geese (AL)

Foto: G?nter Peters / ullstein bild - G?nter Peters

Berlin. Die erste Wahl ging schief. Die gerade gegründete Alternative Liste verpasste 1979 den Sprung ins Abgeordnetenhaus, den sie sich bei der Gründungsversammlung am 5. Oktober 1978 zum Ziel gesetzt hatte. Die Sammelbewegung der linken und ökologisch bewegten Szene kommt lediglich auf 3,7 Prozent. Die AL zieht aber in vier Bezirksverordnetenversammlungen ein.

Als 1981 der SPD-geführte Senat stolpert, schlägt die Stunde der AL. Die Empörung über den Garski-Skandal beschert den Alternativen neuen Zulauf. Die AL zieht mit 7,2 Prozent erstmals ins Berliner Abgeordnetenhaus ein, wo SPD und CDU zusammen noch für 85 Prozent der Stimmen gut sind. In der Folge rotieren die AL-Parlamentarier alle zwei Jahre. Provokationen gegen den Politikbetrieb gönnt man sich häufig, während sich auf der Straße die Konflikte um die Atomkraft, die Nachrüstung der Nato oder die Hausbesetzungen verschärfen.

Die neue Partei beruhigt sich, wird Teil des Parlamentsbetriebs.

Der Stimmenanteil der Alternativen steigt stetig an, und die Partei etabliert sich vor der FDP als dritte politische Kraft der Stadt. 1989 holt die Alternative Liste 11,8 Prozent. Der Sozialdemokrat Walter Momper wagt das Experiment und bildet mit den Alternativen die erste rot-grüne Koalition in Berlin. Aber dem wegen der vielen weiblichen Mitglieder sogenannte Frauensenat war kein langes Leben beschieden. Schon im Winter 1990, kurz vor den wegen der Wiedervereinigung notwendigen Neuwahlen in Gesamtberlin, kündigte die Alternative Liste die Koalition auf.

Der Konflikt war ein Klassiker: Der SPD-Innensenator hatte die besetzten Häuser an der Mainzer Straße in Friedrichshain räumen lassen, es kam zu wüsten Straßenschlachten. Die AL musste raus aus der Regierung, wollte sie ihre Glaubwürdigkeit im Milieu behalten. Und so dauerte es viele Jahre, bis wieder Grüne am Senatstisch saßen. Kurz war das nach dem Bruch der CDU/SPD-Koalition 2001 der Fall, ehe der SPD-Mann Klaus Wowereit die Linken den Grünen vorzog und zehn Jahre mit Rot-Rot regierte. Zum Zuge kamen die Grünen dann erst wieder, als Michael Müller 2016 die erste Dreier­koalition der Stadtgeschichte bildete.

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