Hirnhautentzündung

KitKatClub-Besucher ist außer Lebensgefahr

Hirnhautentzündung: Viele besorgte Menschen suchen Kliniken auf. Weitere Verdachtsfälle bestätigen sich aber nicht.

Foto: pa

Berlin. "Dem Reinickendorfer, der sich am vergangenen Sonnabend im KitKatClub in Mitte mit einer bakteriellen Hirnhautentzündung (Meningokokken-Meningitis) angesteckt hat, geht es besser. „Er hat es überstanden“, teilte der stellvertretende Amtsarzt des Gesundheitsamts Reinickendorf, Jakob Schumacher, auf Anfrage der Berliner Morgenpost mit. Die Ansteckungsquelle sei nach aktuellen Erkenntnissen eine von zwei Frauen, mit der der Mann im Club Kontakt gehabt habe. Dem Patienten sei es zwischendurch derart schlecht gegangen, dass Lebensgefahr bestanden habe. „Er hatte hohes Fieber, Bewusstseinsstörungen, und Schwindelanfälle“, führte Patrick Larscheid, Leiter des Gesundheitsamtes dazu aus. Der Reinickendorfer werde nach wie vor in einem Krankenhaus behandelt. Auch die zwei Frauen hätten sich untersuchen und behandeln lassen."

Weitere Verdachtsfälle haben sich nicht erhärtet

In Reinickendorf seien zudem weitere „Verdachtsfälle“ bekannt. Dies seien aber keine „eindeutigen Fälle“. Es gebe beispielsweise eine Person, die seit dem Besuch des Clubs Kopfschmerzen habe, aber keine weiteren, klaren Symptome aufweise. „Deswegen ist eine Infektion eher unwahrscheinlich. Dies könnte auch eine normale Erkältung sein“, erläutert Schumacher. Die Verdachtsfälle wurden entsprechend mit einer Prophylaxe versorgt und zur Abklärung in ein Krankenhaus überwiesen.

Indes sind dem Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin (Lageso) bislang keine weiteren Erkrankungen in Berlin bekannt. Das teilte ein Sprecher der Behörde am Donnerstag mit. Am Dienstag hatte das Bezirksamt Menschen, die am 29. September in dem Club feiern waren, zum unverzüglichen Arztbesuch aufgerufen. „Bitte suchen Sie sofort Ihre Hausärztin, Ihren Hausarzt oder die Rettungsstelle eines Krankenhauses auf“, schrieb die Behörde.

Und dies taten auch viele Besucher des Techno-Clubs an der Köpenicker Straße in Mitte, der über die Hauptstadt hinaus für die Freizügigkeit seiner Gäste bekannt ist. Hier ist es beispielsweise erlaubt, vor den Augen der Besucher mit anderen Gästen Sex zu haben. „Nach der Meldung am Wochenende kamen in den letzten Tagen deutlich mehr Patienten in die Rettungsstellen der Vivantes Kliniken (insbesondere Am Urban, Neukölln und im Friedrichshain), um sich zu Meningitis beraten und gegebenenfalls Antibiotika verschreiben zu lassen“, sagte eine Vivantes-Sprecherin auf Nachfrage. Teilweise informierten sich die Besucher auch nur telefonisch. „Wir gehen davon aus, dass es in den nächsten Tagen immer weniger werden.“

Eine Meningitis beginnt häufig als Nasen-Racheninfektion mit plötzlich auftretendem Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Schwindel und schwerem Krankheitsgefühl. Hinzu kommen Erbrechen, Nackensteifigkeit, Benommenheit, Bewusstseinstrübung, Krämpfe und Hautblutungen. Über den Austausch von Flüssigkeiten aus dem Mund- und Rachenraum könne man sich anstecken, teilte das Gesundheitsamt mit. „In der Regel ist dazu ein sehr enger Kontakt nötig“, hieß es. Die vorbeugende Behandlung besteht üblicherweise in der Einnahme eines Antibiotikums. Laut Amtsarzt Schumacher könne eine Hirnhautentzündung „in fünf bis zehn Prozent der Fälle tödlich enden“. Deshalb gibt es auch eine Meldepflicht des behandelnden Arztes. Er muss umgehend das Gesundheitsamt informieren. Laut Lageso haben in der Regel Kontaktpersonen von Erkrankten in einem Haushalt das höchste Ansteckungsrisiko. Die Inkubationszeit betrage zwei bis zehn Tage, in der Regel drei bis vier Tage.

Auch der Club selbst informierte auf seiner Internet- und Facebookseite am Donnerstag über den Fall. Man bedauerte, dass sich eine „Panik“, die „nicht begründet“ sei, verbreite. Alle Mitarbeiter des Clubs seien „bis jetzt symptomfrei und haben außerdem die Möglichkeit, vorsorglich eine Antibiotikatherapie zu beginnen“, schrieb der Club. „Damit ist eine Übertragung auf neue Gäste ausgeschlossen.“ Leider habe man den Besucher noch nicht zu Kontaktpersonen im Club befragen können, hieß es.

Lageso: „Kein erhöhtes Risiko bei Besuch des Clubs“

Das Lageso gibt teilweise Entwarnung: „Die Bakterien, die die Krankheit auslösen (Meningokokken), überleben außerhalb des menschlichen Körpers nicht“, sagte ein Sprecher. Die Krankheit sei schwer übertragbar und ein intensiver Kontakt notwendig. „Es besteht also kein erhöhtes Risiko bei Besuch dieses Clubs.“

+++ Berlin-Podcast +++ Diese Woche bei "Molle und Korn": Den Tag der Deutschen Einheit kann man gar nicht oft genug feiern.

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