Einheitsfest

Wolfgang Schäuble: „Das Glück einer zweiten Chance“

Eindringliche Appelle beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in der Berliner Staatsoper.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (2.v.l.) saß beim Festgottesdienst neben

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (2.v.l.) saß beim Festgottesdienst neben

Foto: jörg Krauthöfer /Funke MedienGruppe

Berlin. Draußen das Volksfest, drinnen der Festakt: In der Staatsoper am Boulevard Unter den Linden haben zum Tag der Deutschen Einheit Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) dazu aufgerufen, die demokratischen Werte zu verteidigen. Die Gesellschaft müsse wachsam bleiben und gegen Rechtspopulismus aufstehen, betonten beide in ihren Reden.

„Die Deutsche Einheit ermöglichte uns das Glück einer zweiten Chance“, sagte Schäuble mit Blick auf die Zustimmung der Alliiertenmächte zur Wiedervereinigung im Jahr 1990. Dieser Chance, dieser Verantwortung sei Deutschland verpflichtet. „Deshalb müssen wir sensibel bleiben für jeden Versuch, sich aus der historischen Verantwortung zu stehlen“, so Schäuble weiter.

Gleichzeitig warb Schäuble für einen „zeitgemäßen Patriotismus"

In jüngster Zeit würden sich immer mehr Populisten anmaßen, „das Volk“ in Stellung zu bringen. „Niemand hat aber das Recht zu behaupten, er alleine vertrete das Volk“, so Schäuble. Der Souverän sei keine Einheit, sondern eine Vielheit, der Volkswille müsse sich immer wieder über demokratische Mehrheiten neu bilden. Gleichzeitig warb Schäuble für einen „zeitgemäßen Patriotismus“. „Selbstvertrauen, Gelassenheit, Zuversicht“, sagte er, bildeten dafür den Dreiklang.

Zum Tag der Wiedervereinigung: Was wünschen Sie Deutschland?

Auch Müller, der einen seiner letzten Auftritte in seiner Funktion als Bundesratspräsident hatte, richtete sich mit einem Appell an die Bürger. „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Minderheit einer neuen Rechten die Deutungshoheit über das Erreichte an sich reißt und dabei die Grundwerte unserer Gesellschaft missachtet“, sagte er. „Es ist an der Zeit, offen und laut für unsere Grundwerte einzutreten. Wir sind eine wehrhafte Demokratie, und das müssen wir auch zeigen.“

Ferner zollte Müller in seiner Rede den Ostdeutschen Respekt

„Wir wissen, was Sie geleistet haben“, sagte er. „Diese 28 Jahre erfolgreich zu gestalten, ist das Verdienst Ihrer Generation und das verdient große Anerkennung – von uns allen.“ Während des Festgottesdienstes im Berliner Dom hatten zuvor der katholische Erzbischof Heiner Koch und der evangelische Bischof Markus Dröge über die „Umbrüche“ gesprochen, die die deutsche Wiedervereinigung mit sich brachte.

Zu dem anschließenden Festakt in der Staatsoper waren neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zahlreiche Vertreter aus Bundes- und Landespolitik gekommen. Abseits der Festreden wurden Filmsequenzen zur deutschen Einheit gezeigt, musikalischer Höhepunkt am Ende der Feier bildete die Staatskapelle Berlin, die unter der Leitung von Daniel Barenboim „Das ist die Berliner Luft“ spielte.

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