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Obdachlosenhilfe

Berliner Kältehilfe ist bereits gestartet

Einen Monat früher als bisher startet die Kältehilfe. Bis Ende April werden Obdachlosen zusätzliche Notübernachtungsplätze angeboten.

Für Obdachlose kann es lebensgefährlich werden bei den kalten Temperaturen draußen zu übernachten

Foto: Soeren Stache / dpa

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Berlin. Die Berliner Kältehilfe bietet seit Anfang dieser Woche die ersten Winternotübernachtungen für Obdachlose an. Sie startete also bereits am 1. Oktober – und damit einen Monat früher als bisher. „Die zusätzliche Notunterkünfte in der kalten Jahreszeit werden auch nicht mehr nur bis März, sondern bis Ende April zur Verfügung gestellt“, sagte Regina Kneiding, Sprecherin von Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) am Montag der Berliner Morgenpost.

Neben den ganzjährig betriebenen Einrichtungen stehen seit Montag in sieben weiteren Unterkünften zunächst 139 Notübernachtungsplätze für Obdachlose zur Verfügung. Zudem gibt es zwei Nachtcafés. Die Zahl der Notübernachtungsplätze soll in den kommenden Wochen schrittweise erhöht werden. „Wir haben für diesen Winter von den Bezirken schon jetzt 755 Plätze aus den Bezirken fest zugesagt bekommen“, betonte die Sprecherin der Sozialsenatsverwaltung. „Das sind mehr als bisher um diese Jahreszeit.“

Übernachtungsplätze für Frauen und behinderte obdachlose Menschen fehlen

Die hohe Zahl zeigte, dass sich die neue Koordinierungsstelle „Standortentwicklung Kältehilfe“ an der Hobrechtstraße in Neukölln bewähre. Im vergangenen Winter gelang es zunächst nur schwer, genügend Plätze bereitzustellen. Am Ende waren es mit bis zu 1264 so viele wie nie zuvor. Schätzungen zufolge leben in der Bundeshauptstadt zwischen 4000 und 6000 Menschen auf der Straße.

Die Stadtmission, Betreiberin der Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo und des Kältebusses, kündigte an, die Kältehilfe in ihren Einrichtungen am 1. November starten zu wollen. Pfarrer Joachim Lenz, der Direktor der Stadtmission, sagte auf Anfrage: „Als Stadtmission bieten wir insgesamt rund 300 Plätze an.“ Schon jetzt könne die Wärmelufthalle am Containerbahnhof Frankfurter Allee – genannt „HalleLuja“ genutzt werden. Die Notunterkunft wurde umgebaut und kann nun auch von Frauen genutzt werden.

Sozialsenatorin möchte Schließung der U-Bahnhöfe verhindern

In der Stadt fehlten immer noch Übernachtungsplätze für Frauen, aber auch für behinderte obdachlose Menschen, sagte Lenz. „Wir sind daher immer noch auf der Suche nach einer geeigneten Immobilie für Rollstuhlfahrer“, so der Stadtmissionsdirektor weiter. Nach der Ankündigung der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), in dieser Saison U-Bahnhöfe nicht mehr als Schlafplätze öffnen zu wollen, ist für Mitte Oktober ein Treffen zwischen Sozialsenatorin Elke Breitenbach und BVG-Chefin Sigrid Nikutta geplant.

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Breitenbach möchte dabei erreichen, dass die U-Bahnhöfe nicht prinzipiell geschlossen werden. „Wenn es sehr kalt ist, sollten sie Obdachlosen weiterhin offen stehen“, betonte Sprecherin Kneiding. Die BVG führte Sicherheitsbedenken an. In den Bahnhöfen gebe es gefährliche Bereiche mit Starkstrom, und unter den zunehmend Schutz suchenden Obdachlosen gebe es zudem viele Menschen mit Drogen- und Alkoholproblemen.

Die Stadtmission stellt sich auf die Seite der BVG. „U-Bahnhöfe sind sehr schlechte Orte für obdachlose Menschen, um dort zu leben“, so der Direktor der Stadtmission, Pfarrer Lenz. „Es gibt dort keine sanitären Einrichtungen.“ Als Unterschlupf vor Kälte seien sie höchstens eine „absolute Notlösung“.

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