„Stiftung Islam“

Ex-Herthaner Ben-Hatira: „Den Rattenfängern zuvorkommen“

Der ehemalige Herthaner Änis Ben-Hatira spricht über sein Engagement für die „Stiftung Islam in Deutschland“. Ein Interview.

Änis Ben-Hatira ist auf Vereinssuche

Änis Ben-Hatira ist auf Vereinssuche

Foto: dpa Picture-Alliance / Michael Probst / picture alliance/AP Photo

Berlin. Änis Ben-Hatira, geboren 1988 in Berlin-Wedding, spielte von 2011 bis 2016 für das Bundesliga-Team von Hertha BSC. Nach einer Station bei Eintracht Frankfurt wechselte er zum SV Darmstadt 98. Anfang 2017 wurde bekannt, dass er Hilfsprojekte des Vereins Ansaar International unterstützte. Der Verein wurde als salafistisch eingestuft und vom Verfassungsschutz beobachtet. In den Medien geriet Ben-Hatira daraufhin unter Islamismus-Verdacht, und die Zusammenarbeit mit dem SV Darmstadt 98 endet. Ben-Hatira wechselte in die Türkei, dann nach Tunesien. Nun unterstützt Ben-Hatira die neu gegründete „Stiftung Islam“ – und sucht einen neuen Verein.

Herr Ben-Hatira, wie ist es zu Ihrem Engagement bei der „Stiftung Islam“ gekommen?

Änis Ben-Hatira: Abdul Adhim Kamouss und ich haben uns schon vor mehreren Jahren Gedanken gemacht, wie man sich für unsere Gesellschaft noch besser engagieren kann. Parallel dazu hatte ich schon viele Integrationsprojekte erfolgreich am Laufen so wie meine eigene Änis Ben-Hatira Foundation. Bei der „Stiftung Islam in Deutschland“ geht es darum, wie wir Muslime uns in die Gesellschaft einbringen können und wie wir gegen Radikalisierung und Extremismus auch in unseren eigenen Reihen vorgehen können. Man muss den Rattenfängern zuvorkommen.

Was bedeutet der Islam für Sie?

Der Islam bedeutet für mich erst mal, Barmherzigkeit im Herzen zu tragen gegenüber allen Geschöpfen. Er bedeutet für mich Frieden und Respekt gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen. Islam bedeutet für mich die innere Verbindung zwischen mir und meinem Schöpfer, und das ist für mich Gott.

Was sollte die neu gegründete Stiftung Ihrer Ansicht nach erreichen?

Ich hoffe, dass wir mit unserem großen, professionellen und engagiertem Team und unseren Angeboten eine Bereicherung für unsere Gesellschaft sein können. Ich selbst kann nur versuchen, mit meinem Namen ein möglichst gutes Vorbild zu sein. Als Fußballer hat man einen gewissen Einfluss auf die Kinder und Jugendlichen.

Woher kennen Sie Abdul Adhim Kamouss?

Persönlich getroffen und kennengelernt habe ich ihn in Berlin. Daraus ist schnell eine echte und tiefe Freundschaft entstanden.

Abdul Adhim Kamouss war damals sehr umstritten und wurde vom Verfassungsschutz beobachtet.

Ich habe ihn als jemanden kennengelernt, der schon immer gutherzig, offen und tolerant war. Er reflektiert jetzt noch mehr, sieht vieles sehr kritisch und ist noch viel offener geworden. Leute wie Abdul Adhim sind sehr wichtig für die Gesellschaft und haben einen starken authentischen Einfluss, was das Miteinander und den respektvollen Umgang im Alltag der Menschen angeht.

Nach Ihrer Unterstützung für Hilfsprojekte des Vereins Ansaar International standen Sie selbst unter Islamismus-Verdacht. Sie haben danach kein Engagement in der Bundesliga bekommen.

Das muss man sich mal geben: Da spendet man gezielt an Orten mehrere Peace (Friedens-)Brunnen in Afrika, wo Muslime, Christen und Andersgläubige friedlich zusammenkommen, und unterstützt so bewusst die Völkerverständigung, und dann wird einem vorgeworfen, man sei „Salafist“. Das ist ein Widerspruch in sich! Jeder, der mich kennt, weiß, dass dieser Vorwurf Quatsch ist.

Nach dem Aus bei Darmstadt haben Sie in der Türkei gespielt, dann in Tunesien. Jetzt stehen Sie bei keinem Verein unter Vertrag. Gibt es ein Comeback in der Bundesliga?

Ich hoffe, dass ein Verein den Mut hat und mir trotz der Vorfälle eine Chance gibt.

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