Wissenschaft

320 Millionen Euro für Berliner Forschung

Die Hauptstadt schneidet im Exzellenzwettbewerb überdurchschnittlich gut ab. Aber es gibt Kritik an der Zahl der Förderprojekte.

Studenten sitzen an Arbeitsplätzen im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum, Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin

Studenten sitzen an Arbeitsplätzen im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum, Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin

Foto: pa

Berlin.  Es ist eine große Bestätigung für den Wissenschaftsstandort Berlin: Im Exzellenzwettbewerb des Bundes und der Länder zur Stärkung der Spitzenforschung an den Universitäten in Deutschland fällte eine international besetzte Kommission am Donnerstag wichtige Entscheidungen. Es ging um die Frage, welche großen Forschungsvorhaben der Hochschulen von Januar 2019 an finanziell gefördert werden. Aus Berlin lagen neun Anträge vor, davon sollen künftig sieben unterstützt werden. Nun fließen in den kommenden sieben Jahren 320 Millionen Euro Fördergeld in die sieben Berliner Forschungsvorhaben. Damit liegt die Bewilligungsquote für Berlin weit über dem Bundesdurchschnitt. Bislang wurden in Berlin vier große Projekte, sogenannte Exzellenzcluster, gefördert.

Jedes Cluster erhält bis zu zehn Millionen Euro pro Jahr

75 Prozent davon zahlt der Bund über die Deutsche Forschungsgemeinschaft, 25 Prozent, also insgesamt 80 Millionen Euro, das Land Berlin. Zur Förderung ausgewählt wurden Projekte der Freien, Humboldt- und Technischen Universität sowie der Charité. Da einige Vorhaben gemeinsam von mehreren Universitäten betrieben werden, sind FU, HU und TU je dreimal vertreten, die Charité einmal.

Der mit Wissenschaftlern eines internationalen Expertengremiums sowie den Wissenschaftsministern des Bundes und der Länder besetzten Exzellenzkommission lagen 88 Förder­anträge von 41 Universitäten aus 13 Bundesländern vor. Nach zweitägigen Beratungen wählte die Kommission auf der Grundlage der vorangegangenen internationalen Begutachtungen 57 Exzellenzcluster zur Förderung aus – erheblich mehr als zunächst geplant.

Das hat Folgen: Jedes Forschungsprojekt bekommt nun weniger Geld und muss rund 26 Prozent seines vorgesehenen Budgets einsparen. Die Ausweitung der geförderten Projekte geschah nach Informationen der Berliner Morgenpost auf Betreiben von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Einige Wissenschaftler und Politiker hätten darauf „entsetzt“ reagiert, hieß es aus Teilnehmerkreisen.

Große Bandbreite der geförderten Projekte

Michael Müller, Regierender Bürgermeister und Wissenschaftssenator (SPD), gratulierte den Universitäten: „Das Ergebnis ist ein Ausrufezeichen. Berlin ist die deutsche Nummer eins der Spitzenforschung“, erklärte er. Das zeige sich auch in der großen Bandbreite der geförderten Projekte. Die reicht von Geistes- und Sozialwissenschaften über Mathematik, Chemie, Neuromedizin und Intelligenzforschung bis hin zu den Ingenieurwissenschaften. Mit rund 320 Millionen Euro Fördervolumen und mehr als 1000 neuen Arbeitsplätzen sei das ein enormer Schub für die gesamte Stadt, so Müller.

Die Auswahl der geförderten Forschungsprojekte ist indes nur die erste Phase des Exzellenzwettbewerbes des Bundes und der Länder, der 2006/2007 gestartet wurde und derzeit seine dritte Runde erlebt. Nur Universitäten, die mit mindestens zwei Clustern im Wettstreit erfolgreich waren, können sich darum bewerben, zur Exzellenzuniversität gewählt zu werden.

Treten mehrere Hochschulen gemeinsam an, brauchen sie drei Cluster. Die drei großen Berliner Universitäten und die Charité stellen einen solchen Verbundantrag, über den im Juli 2019 entschieden wird. Nach aktuellem Stand sollen dann elf Exzellenzuniversitäten oder -verbünde gekürt werden. Nach der Entscheidung der Kommission bewerben sich 19 Anwärter um das Prädikat, das viel Prestige und damit Vorteile im Kampf um Spitzenforscher, Talente und Fördergeld bringt. „In die nächste Phase des Exzellenzwettbewerbes starten wir nun aus der Poleposition, aber das Rennen ist noch nicht gewonnen“, bilanzierte Michael Müller. Bislang gehören FU und HU zu den Exzellenzuniversitäten, die TU noch nicht.

„Wir sind froh und stolz“, sagte Christian Thomsen, Präsident der Technischen Universität, der Berliner Morgenpost. Er sieht die Chancen gestiegen, dass die TU in den Rang der Exzellenzhäuser aufsteigt. Die Partner im Verbund wiesen alle hohes Potenzial auf, so Thomsen. Er zeigte sich aber enttäuscht über die Ausweitung der geförderten Projekte. Damit verflache der Wettbewerb, kritisierte er. Zudem seien die Cluster nun substanziell finanziell belastet.

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