Finanzen

Wertpapiere: Berlins Altlasten derzeit im Milliarden-Minus

Die Zinsen sind weiter niedrig. Mit den Kauf von Wertpapieren hat Berlins Finanzverwaltung die Landeskasse in Gefahr gebracht.

Insgesamt gut ein Sechstel der Berliner Schulden sind variabel verzinst, der größte Teil davon wurde vor 2014 durch Derivate abgesichert

Insgesamt gut ein Sechstel der Berliner Schulden sind variabel verzinst, der größte Teil davon wurde vor 2014 durch Derivate abgesichert

Foto: pa

Berlins Finanzverwaltung wollte Risiken für die Landeskasse vermeiden – und hat sich dabei durch den Kauf von Wertpapieren womöglich in Gefahr gebracht, am Ende draufzahlen zu müssen. Dabei steht eine Milliardensumme im Raum.

Der Vorgang, der durch eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Florian Swyter ans Licht kam, ist kompliziert. Bis 2014 sicherten sich die Beamten gegen steigende Zinsen ab, indem sie mit Banken 132 Derivategeschäfte mit einem Volumen von 7,7 Milliarden Euro abschlossen. Vereinfacht gesagt sind solche Papiere eine Art Versicherung dagegen, plötzlich mehr Geld für seine Schulden bezahlen zu müssen. Weil aber die Zinsen anders als befürchtet weiter niedrig geblieben sind, rutschten die Papiere ins Minus, derzeit beträgt der sogenannte Barwert minus 1,7 Milliarden Euro.

Die Sprecherin von Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) versichert, es handele sich dabei nur um eine finanzmathematische Kennzahl, keineswegs aber um einen realen oder auch nur drohenden Verlust. Die Derivategeschäfte laufen meist noch sehr lange, einzelne sogar bis 2048. Sollte bis zum Ablauf das Zinsniveau steigen, würden die Papiere für das Land Berlin an Wert gewinnen. So ist es nach Aussagen der Finanzverwaltung mit den letzten ausgelaufenen Derivategeschäften geschehen, bei denen das Land ein Plus erzielt habe.

Der FDP-Finanzexperte Swyter sagte, ihm gehe es nicht um Alarmismus, sondern um Aufklärung über mögliche Risiken. „Ich habe da mehr Fragen als Antworten“, so der Liberale.

Die Skepsis gegenüber solchen Finanzinstrumenten teilt Swyter mit Finanzsenator Kollatz. Aus dessen Sicht seien solche Geschäfte „zu riskant“, sagte seine Sprecherin. Berlin versucht stattdessen seine Schuldenlast durch langfristige Kredite mit festgelegten Zinssätzen zu kontrollieren. Diese liegen derzeit bei rund 1,5 Prozent. Kredite mit variablen Zinsen kosten nur 0,1 Prozent. Insgesamt gut ein Sechstel der Berliner Schulden sind variabel verzinst, der größte Teil davon wurde vor 2014 durch Derivate abgesichert.

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