Bildung

Großer Andrang bei Privatschulen

Der Bildungsmarkt der Freien Träger informiert über die unterschiedlichen Angebote.

Oliver Brod und Claudia Knobloch (l.) informieren sich auf dem Bildungsmarkt der Freien Schulen. Sie suchen nach

Oliver Brod und Claudia Knobloch (l.) informieren sich auf dem Bildungsmarkt der Freien Schulen. Sie suchen nach

Foto: Maurizio Gambarini

Oliver Brod und Claudia Knobloch suchen eine Schule für ihren Sohn Oskar. Im nächsten Jahr soll der Fünfjährige eingeschult werden. Wichtig sei vor allem ein gutes Lernumfeld, so Brod. Daher sind sie am Sonntag zum Bildungsmarkt in den Französischen Dom am Gendarmenmarkt gekommen.

An 22 Ständen informierten dort sowohl Schulleiter und Lehrer, aber auch Eltern und Schüler freier Schulen über die unterschiedlichen Schulformen, -programme und -schwerpunkte. Manche Träger betreiben mehrere Schulen wie etwa die Evangelische und die Katholische Kirche oder die Träger von Waldorf- oder Montessori-Schulen. Andere Schulen wie die Freie Schule Anne-Sophie sind erst vor Kurzem entstanden.

Der Schwerpunkt der 2011 an der Zehlendorfer Clayallee gegründeten Schule liegt auf bilingualem Lernen in Deutsch und Englisch. In beiden Sprachen werde bereits von Anfang an wochenweise abwechselnd unterrichtet, sagt Lehrerin Heike Gottstein. „Wir haben mit 15 Schülern angefangen, jetzt sind es 350 von der ersten bis zur zwölften Klasse.“ Lehrer und Schüler heißen hier „Lernbegleiter“ und „Lernpartner“. Man lege Wert auf Coaching und, wie die meisten anderen Freien Schulen auch, auf kleine Klassen von 15 bis 20 Schülern.

Rund 33.000 Berliner Schüler besuchen eine private Schule

Die Beliebtheit der freien Schulen steige, sagt Andreas Wegener von der Arbeitsgemeinschaft „Schulen in freier Trägerschaft Berlin“. So seien im Jahr 2000 noch vier Prozent der Berliner Schüler nicht auf eine staatliche Schule gegangen. Mittlerweile seien es zehn Prozent. Rund 33.000 Schüler besuchen laut Wegener die insgesamt 146 freien Schulen der Hauptstadt. „Wir sind praktisch der 13. Berliner Bezirk.“ Der stetige Zulauf habe mehrere Gründe. So seien private Schulen immer ein Ort für Reformen gewesen – sei es das gemeinsame Lernen von Jungen und Mädchen, Ganztagsunterricht oder bestimmte Schwerpunkte wie eine internationale Ausrichtung.

Ein weiterer Grund sei die Erschütterung des Bildungssystems durch die Pisa-Studie Anfang des Jahrtausends gewesen. „Erstmals gab es eine Zahl anhand der man ablesen konnte, dass das System nicht das liefert, was man erwartet.“ Außerdem sei die Vernachlässigung der öffentlichen Schulen lange spürbar gewesen, nicht zuletzt bei der mangelnden Sanierung der Gebäude, wo sich nur ein langsamer Fortschritt abzeichne. „Die Bildungsdebatte um die Qualität der Schulen führt eher dazu, dass sich Eltern umschauen“, so Wegener weiter.

Sie würden mehr erwarten und seien bereit, dafür auch mehr zu bezahlen. Um trotzdem für alle Gesellschaftsschichten offen zu bleiben, gebe es Stipendienprogramme oder einkommensabhängiges Schulgeld. „Wenn Eltern die 85 Euro im Monat nicht aufbringen können, ist das kein Ausschlusskriterium“, sagt Peter Schaumann, Bildungsleiter des Erzbistums Berlin, das mit 9000 Schülern verteilt auf 25 Schulen zu den größten nichtstaatlichen Trägern in der Region gehört.

Oliver Brod findet es eigentlich schade, dass es private Schulen gibt und dass diese so einen großen Zulauf haben. „Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust, weil ich eigentlich ein Anhänger des öffentlichen Schulsystems bin“, sagt der 47 Jahre alte Vater. „Es war aber schockierend zu sehen, wie schlecht das öffentliche Schulsystem funktioniert.“ So sei nun klar, dass Oskar nicht auf die Einzugsschule im Wedding gehen soll, auf die ihn seine Eltern einschulen müssten.

Ein schlechter Personalschlüssel und zu große Klassen, in denen viele Schüler nur schlechte Deutschkenntnisse hätten, seien die Ausschlusskriterien. Zwar gebe es eine deutlich besser geeignete öffentliche Schule etwas weiter weg. Allerdings würde das ein monatelanges Antragsverfahren mit offenem Ausgang bedeuten, so Brod. Für Oskar werde es daher wohl auf eine der Evangelischen Schulen hinauslaufen. Vorteile seien hier die individuelle Förderung, eine relativ gemischte Schülerschaft und eben die kleinen Klassen.

Bildungsmarkt ist Teil des Tags der Freien Schulen

Der Bildungsmarkt ist die Auftaktveranstaltung des diesjährigen Tags der Freien Schulen. Seit 2003 findet er statt. Jedes Jahr wird ein bestimmtes Fach in den Fokus gerückt. Unter dem Motto „Ist das zu glauben?!“ stehen diesmal Religion, Ethik und Philosophie im Mittelpunkt. Als nächstes soll es am 5. Oktober eine Bildungsdebatte über Werte und die Verantwortung von Schule geben. Zu Ortsterminen öffnen mehrer Schulen ihre Türen.

Weitere Infos: www.freie-schulen-berlin.de

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