Flughafen

Wirtschaft will mehr Langstreckenflüge

Die Initiative von Verbänden und Gewerkschaften fordert vom Bund eine andere Luftverkehrspolitik.

Ein Jumbo-Jet der Lufthansa am Flughafen Tegel. Doch die Maschine flog im Vorjahr nur innerdeutsch

Ein Jumbo-Jet der Lufthansa am Flughafen Tegel. Doch die Maschine flog im Vorjahr nur innerdeutsch

Foto: dpa Picture-Alliance / Wolfgang Kumm / picture alliance / Wolfgang Kumm

Berlin. Die Pleite von Air Berlin hatte viele Folgen. Eine bekommt die Hauptstadtregion bis heute schmerzlich zu spüren: Von Berliner Flughäfen aus sind Metropolen auf anderen Kontinenten kaum mit Direktflügen erreichbar. Gerade einmal sechs Fernziele weist der aktuelle Sommerflugplan für Tegel aus. Noch zur Jahrtausendwende habe es ab Berlin 25 Interkontinentalverbindungen gegeben, wie Beatrice Kramm, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin, am Mittwoch mit Bitternis konstatierte.

Doch mit diesem Zustand will sich die Wirtschaft der Hauptstadtregion nicht abfinden. Am Mittwoch startete sie in Berlin eine „Initiative für eine bessere internationale Flugverkehrsanbindung“. Vor allem mit Blick auf die für Oktober 2020 angekündigte Eröffnung des neuen Hauptstadtairports BER wird insbesondere die Bundesregierung aufgefordert, die rechtlichen Rahmenbedingung für einen Ausbau der Langstreckenverbindungen in die Region zu schaffen.

Auslöser für die Initiative, an der sich unter anderem der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Berlin, der DGB Berlin-Brandenburg, die Indus­trie- und Handelskammern von Berlin, Cottbus, Ostbrandenburg und Potsdam und die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg beteiligen, ist die jüngst erfolgte brüske Absage der Lufthansa (LH).

Deutschlands größte Fluggesellschaft hatte nach der Air-Berlin-Pleite zunächst eine von zwei täglichen Direktverbindungen nach New York übernommen, diese jedoch im März nach nicht einmal fünf Monaten sang- und klanglos wieder eingestellt. Eine zuvor versprochene Weiterführung des Angebots durch die LH-Tochter Eurowings wurde gar nicht erst versucht. In einem „Politikbrief“, der an Bundestagspolitiker, Konzernvorstände und Reise-Experten im In- und Ausland versandt wird, wurde, wie berichtet, Berlin zudem attestiert, „kein Markt für Langstreckenflüge“ zu sein.

Wirtschaftsvertreter widersprechen Urteil

Diesem vernichtenden Urteil widersprechen die Wirtschaftsvertreter der Hauptstadtregion vehement. „Berlin steht seit Jahren an der Spitze der wirtschaftlichen Dynamik in Deutschland“, so IHK-Chefin Kramm. 6o Prozent ihrer Umsätze würden die Unternehmen dabei im Ausland erwirtschaften, Tendenz steigend. Die Lufthansa-Bewertung ignoriere zudem die Hauptstadtfunktion von Berlin. „Wir haben hier 171 diplomatische Vertretungen, zehn internationale Organisationen und 167 Bundesbehörden haben hier ihren Sitz“, sagte Kramm.

Peter Heydenbluth, Präsident der IHK Potsdam, verwies darauf, dass die Region die höchste Forscherdichte in ganz Deutschland habe. Neben den sieben Universitäten gebe es mehr als 50 Hochschulen und 100 außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. Und Christian Hoßbach, DGB-Vorsitzender für Berlin und Brandenburg, erinnerte an den notwendigen Strukturwandel für die Lausitz. „Vieles, was da geplant ist, hat mit Wissenschaft und Forschung zu tun. Dafür sind gute internationale Verbindungen erforderlich.“

Burkhard Kieker, Geschäftsführer von Visit Berlin, hat bei internationalen Airlines ein großes Interesse an Flügen von und nach Berlin ausgemacht, vor allem im Mittleren Osten und Asien. Doch die restriktive Luftverkehrspolitik der Bundesregierung würde zusätzliche Angebote bislang verhindern. Als Beispiel nannte Kieker die chinesische Hainan Airlines, die fünfmal in der Woche Berlin mit Peking verbindet. „Die würden das gern täglich fliegen und außerdem nach Shanghai, doch das ist derzeit nicht möglich.“ Laut Kieker gebe es Interesse an 17 neuen Verbindungen, gut die Hälfte davon würde durch die Bundesregierung blockiert.

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