Organisierte Kriminalität

Kampf gegen Clans: Italienische Ermittler dienen als Vorbild

Gemeinsames Vorgehen gegen organisierte Kriminelle. Senator Behrendt findet: Italiens Kampf gegen die Mafia ist vorbildlich.

Foto: Morris Pudwell

Berlin.  Die Landesregierung will den Kampf gegen die Organisierte Kriminalität in der Stadt verstärken. „Wir haben einen klaren Fokus auf der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität“, sagte Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) im Interview mit der Berliner Morgenpost. „Deshalb wird der Innensenator zeitnah zu einem Treffen einladen.“ Dabei soll es um die Abschöpfung der illegalen Vermögen von Kriminellen gehen. „Das Geld aus Straftaten muss ja irgendwo in den legalen Wirtschaftskreislauf eingespeist werden“, sagte Behrendt. „Wenn Sie an das Geld rangehen, ist das besonders effektiv.“ An dem Treffen sollen Innensenator Andreas Geisel (SPD), Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) und Behrendt teilnehmen.

Nach mehreren Schießereien war vor einer Woche am Rand des Tempelhofer Felds der Intensivstraftäter Nidal R., Mitglied einer libanesisch-palästinensischen Großfamilie, erschossen worden. Zwar hat die Polizei inzwischen das ausgebrannte Fluchtfahrzeug gefunden, von den Tätern fehlt aber noch jede Spur. Zur Beerdigung Nidal R.s waren rund 2000 Menschen, hauptsächlich Männer aus dem Clan-Milieu, gekommen.

Von italienischen Ermittlern profitieren

Berlin will dabei von italienischen Ermittlern im Kampf gegen die Mafia profitieren. Dort gehen Ermittler schon länger und intensiver gegen kriminelle Clans und deren Vermögenswerte vor. „Die dortigen Kollegen haben uns erzählt, dass das die Kriminellen am härtesten trifft, Gefängnis-strafen hingegen kalkulieren viele mit ein“, sagte Behrendt. Er verwies auf bereits erzielte Erfolge.

Zuletzt hatten die Ermittler im Sommer 77 Immobilien eines kriminellen Clans beschlagnahmt. „Auch an die Autos sind wir rangegangen“, sagte Behrendt. „Die Vorgängerregierungen hatten mit dem Görlitzer Park und der Rigaer Straße in Friedrichshain ja eher andere Schwerpunkte.“ Auch Berlins Innensenator An­dreas Geisel (SPD) kündigte ein härteres Vorgehen gegen kriminelle Familien an und räumte Versäumnisse der Behörden im Kampf gegen Clans in der Hauptstadt ein. Dem RBB sagte der SPD-Politiker, er teile die Kritik, dass zu lange zu wenig passiert sei. Deswegen müsse jetzt intensiver an dem Thema gearbeitet und bestehende Regeln durchgesetzt werden.

Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) fordert eine engere bundesweite Zusammenarbeit gegen Organisierte Kriminalität. Neben einer bundesweit einheitlichen Datenbank für Straftäter aus dem Milieu setzt auch er auf eine konsequente Verfolgung der Finanzflüsse der Clans, sagte er der „B.Z.“.

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