Berlin

Milieuschutz in Pankow wird strenger

Wohnungseigentümer müssen Aufzüge und Dämmung genehmigen lassen

Ein Fahrstuhleinbau oder eine Fassadendämmung – das sind zwei Maßnahmen, die bei der Sanierung von Altbauten hohe Kosten verursachen. Investitionen, die Wohnungseigentümer über eine Mieterhöhung wieder einspielen können. Doch in den 13 Pankower Milieuschutzgebieten mit rund 100.000 Wohnungen müssen Immobilieneigentümer in diesen Punkten jetzt mit noch strengeren Prüfungen rechnen.

Der Stadtrat für Stadtentwicklung Vollrad Kuhn (Grüne) sah die bisherigen Vorgaben zur Verhinderung von Luxussanierungen nicht als ausreichend an. Er lässt seine Mitarbeiter bei Bauanträgen genauer hinschauen. Wenn der Einbau von Aufzügen gewünscht wird, prüfen sie jetzt den Aufwand, den der Umbau mit sich bringt. „Überteuerte Einbauten“ werden künftig abgelehnt, kündigte Christoph Speckmann, der Fachbereichsleiter für Stadterneuerung, am Mittwoch an. Die Kostenschätzungen, die Eigentümer beim Bezirksamt einreichen, werden auf Plausibilität geprüft. Und nur Aufzüge mit moderaten Kosten haben eine Chance auf Genehmigung. Wie teuer konkret ein Umbauvorhaben sein darf, werde im Einzelfall entschieden.

Auch bei der Wärmedämmung an Fassaden wollen er und Kuhn nur noch bewilligen lassen, „was unbedingt erforderlich ist“. Erst wenn die untere und die obere Gebäudedecke bereits gedämmt wurden und immer noch keine ausreichenden Energiewerte vorliegen, darf ein Hauseigentümer auch noch die Fassade dämmen. Diese neuen Kriterien vervollständigen eine Liste von Vorgaben, die Wohnungseigentümer im Bezirk bei der Modernisierung ohnehin schon vor Probleme stellte. Denn der Einbau einer Fußbodenheizung, eines Kamins oder von Videogegensprechanlagen ist in Pankows Milieuschutzgebieten ebenso wenig genehmigungsfähig wie die Änderung der Grundrisse von Wohnungen. Stadtrat Kuhn räumt ein, dass selbst Mieter nicht immer glücklich sind, wenn Umbauwünsche abgelehnt werden. Er sagt: „Es ist manchmal bitter, wenn Familien ein weiteres Kind bekommen und eine Wand versetzen wollen.“

Der Grund für die strengere Handhabung der Regeln: Weiterhin suchen Immobilienbesitzer nach Möglichkeiten, höhere Mieten in Milieuschutzgebieten durchzusetzen. „Viele Eigentümer nutzen ihre Spielräume bis zum Exzess aus“, erklärt Speckmann. Wer gegen die Vorgaben des Bezirks verstößt, muss mit einem Baustopp und außerdem mit Bußgeldern in Höhe von bis zu 30.000 Euro rechnen.