Berlin

Kritik an Bau von Studentenwohnungen in Westend

Umgang mit denkmalgeschützten Mietergärten ist noch unklar

Versteckt liegen knapp 8900 Quadratmeter Gartenland hinter den Reihenhäusern an der Westendallee 77 bis 91. Auf dem schmalen Grundstück will die landeseigene Gewobag einen Dreigeschosser bauen. Auf 14.000 Quadratmetern sollen 350 günstige, je 27 Quadratmeter große Studentenwohnungen entstehen. Ein kleiner Teil ist zudem für betreutes Wohnen psychisch Kranker vorgesehen. Bei der Vorstellung der Pläne auf der Sitzung des Bauausschusses der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf ergaben sich aber mehr Fragen als Antworten.

Dabei betonte Olaf Gericke von der Gewobag, dass man früh in der Planung sei und es sich um einen ersten Entwurf handele. Auch zur konkreten Miethöhe könne er noch nichts sagen. Man wolle unter dem derzeitigen Durchschnitt von 420 Euro pro Studentenzimmer bleiben, so Gericke. Als landeseigenes Unternehmen müsse man mindestens die Hälfte der Wohnungen zu einem Quadratmeterpreis von 6,50 Euro nettokalt anbieten und dürfe bei den übrigen maximal 9,90 Euro verlangen. „Wir erhoffen uns die Unterstützung und schnellstmögliche Baurechtschaffung“, sagte Gericke. Davon sei abhängig, ob die Gewobag das Areal vom derzeitigen Eigentümer, der Ostgrund GmbH, kauft. Auch hier nannte er keine konkrete Summe. Ostgrund kaufte das Grundstück 2013 aus der Insolvenzmasse der Bendzko-Gruppe. Laut Anwohnern habe Ostgrund 70.000 Euro für die Grünfläche bezahlt. Mit Baurecht wäre sie ein Vielfaches wert.

Der Plan, günstige Studentenwohnungen zu bauen, fand zwar einhellig Zustimmung. Viele Anwohner zogen aber in Zweifel, dass es an dieser Stelle möglich sein wird. Sie führten etwa den sandigen Boden an. Da das Grundstück außerdem an einem Abhang liege, sei ein Bau dieser Größe schwer zu realisieren. „Vor allem in älteren Mietverträgen sind die Gärten fester Bestandteil der Mietsache. Die Gewobag plant auf Flächen, die für den Bau gar nicht zur Verfügung stehen“, kritisierte Anwohner Hans-Gerd Franke. Eine abschließende Beurteilung der Gewobag in dieser Sache stehe noch aus, so Gericke. Man wolle gegebenenfalls auch Ersatzflächen in den umliegenden Kleingartenanlagen zur Verfügung stellen.

Auch die Frage des Denkmalschutzes klammerte die Gewobag bislang aus. Die zwischen 1921 und 1923 im Auftrag der Deutschen Reichsbahn errichteten Häuser sind samt der dahinterliegenden Gärten als Gesamtanlage in die Landesdenkmalliste eingetragen. „Sie stellen hier eine Laissez-faire-Architektur vor, die mit der Unteren Denkmalschutzbehörde nicht abgestimmt ist. Das ist nachlässig“, lautete der Vorwurf des stadtentwicklungspolitischen Sprechers der SPD-Fraktion, Wolfgang Tillinger.