Neue Ideen

Schulbau: Lernhäuser und Foren ersetzen das Klassenzimmer

Berlins neue Bildungsstätten sollen offener und transparenter werden. Die erste Berliner Schulbau-Messe informiert über das Vorhaben.

Sieht ganz entspannt aus: ein Besucher der Schulbau-Messe

Sieht ganz entspannt aus: ein Besucher der Schulbau-Messe

Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Berlin. Wenn das Geld bereitsteht, kommen die Händler. Insofern ist es ein gutes Zeichen, dass Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Mittwoch in Moabit die 1. Berliner Schulbaumesse eröffnen konnte. 5,5 Milliarden Euro, so heißt es, werden in den nächsten zehn Jahren vom Land in die Berliner Schulbauoffensive gesteckt. „Und es wird noch teurer werden“, wird wenig später der Spandauer Schulstadtrat Helmut Kleebank (SPD) auf der Bühne sagen. Das wisse doch längst jeder.

Die Aussteller an den mehr als 60 Ständen wird diese Nachricht gefreut haben – schließlich sind sie in die Hauptstadt gekommen, um Geschäfte zu machen. Hier kann man sich über allerlei informieren: vom Bodenbelag für die Schulräume über Spielgeräte für den Pausenhof zur Ausstattung für „Chill-Räume“ und vielem, vielem mehr.

Sechzig neue Schulen sollen transparent und offen gebaut werden

Aber halt: Chill-Räume? Die hat es in den traditionellen Flurschulen, von denen viele um die Jahrhundertwende entstanden, natürlich nicht gegeben. Und schnell wird deutlich: Wieder einmal erwartet Berlins Bildungswelt nichts weniger als eine Revolution. Die alten Flurschulen, so drückt es der Pädagogikprofessor Jörg Ramseger nun aus, waren „Schulen des Gehorsams“, die „Untertanen“ für die schlichte Arbeit am Fließband produzierte.

Die neue Schule dagegen sei transparent und offen. Hier erarbeiteten sich die Schüler selbst ihr Wissen: allein, in Teams, in Großgruppen. Es gibt Lernzonen, Lernhäuser, Foren. Der Lehrer, er sei kein Einzelkämpfer mehr hinter verschlossener Tür, sondern ein Teamarbeiter im gläsernen Compartment. Die sechzig neuen Schulen, die in den nächsten Jahren in Schnellbauweise entstehen, werden nach diesem Prinzip gebaut. Jeder öffnet sich für jeden. Das Wort „Empathie“ fällt mehrmals.

Schüler werden durch Architektur umerzogen

In der Diskussionsrunde danach ist es der Moderator Thomas Welter, Geschäftsführer vom Bund Deutscher Architekten, der etwas Wasser in den Wein gießt: Klagten viele nicht über das Chaos an den Schulen? Schüler, die man kaum in den Griff kriegt. Die sich wenig konzentrieren könnten. Und jetzt, sozusagen on the top, auch noch die Auflösung in der Architektur? Die Pädagogen, meint darauf Architektin Susanne Hofmann von den Baupiloten, die mit ihrer „partizipativen Architektur“ viele Schulen planen, hätten manchmal tatsächlich ein Problem sich umzustellen. „Aber man kann sie umerziehen: durch Architektur“, sagt Hofmann selbstbewusst. „Weg von ,ich und meine Klasse‘ hin zu ‚ich und meine Fläche‘.“

Und die Eltern, wie finden die das alles? Die seien einverstanden, behauptet Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschusses Berlin. Die Zeit des Frontalunterrichts sei endgültig vorbei. Nur Ex-Schulleiter und Politiker Kleebank, der in Spandau dicht dran ist an den Problemen des Schulalltags, ist da zurückhaltender: „Ein gut gemachter Frontalunterricht kann ausgezeichnete Ergebnisse erzielen“, sagt er. Doch der Satz verhallt ungehört.

Messe mit Programm 12.-13. September von 9.30–18 Uhr. Wiebestraße 42, 10553 Berlin. Tagesticket: 45 Euro/ für Schulmitarbeiter 15 Euro