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Morgenpost zu Besuch

Warum sich das Treppensteigen für die Zeitung lohnt

Morgenpost zu Besuch: Helmut Forner und Irmgard Ludwig-Forner treffen sich in Schöneberg mit Fotochef Reto Klar.

Helmut Forner (r.) und Irmgard Ludwig-Forner (M.) mit Freund Donald Vogel (l.) und Reto Klar, Chef-Fotograf der Berliner Morgenpost, bei ihrem Treffen in Schöneberg

Foto: Reto Klar

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Berlin. Genau 95 Stufen trägt Helmut Forner seine Zeitung jeden Morgen vom Briefkasten in den vierten Stock seiner Altbauwohnung an der Schöneberger Hauptstraße. Und das seit 20 Jahren. „Das ist mein Morgenritual“, erzählt der 70-Jährige, der im weißen Hemd zusammen mit seiner Frau Irmgard (56) an einem großen Holztisch mit einer hellgrünen Tischdecke sitzt. Darauf steht weißes Geschirr und eine Karaffe mit Minzwasser. Über ihnen glitzert ein Kronleuchter im Sonnenlicht, das durch die hohen Fenster auf die cremefarbenen Wände und den Holzfußboden fällt.

Mit am Tisch sitzt Donald Vogel (64) aus Potsdam, ein Freund der Familie. Irmgard Ludwig-Forner schenkt Kaffee ein. Etwas ist dieses Mal anders als bei ihren sonstigen Treffen. Am Kopfende sitzt jemand, den sie bisher nur von den Bildern kannten: Reto Klar, der seit 2014 Chef-Fotograf der Berliner Morgenpost ist. Wie das Treffen zustande kam? Die Berliner Morgenpost wird im September 120 Jahre alt und hat zu diesem Anlass zwölf Treffen mit Redakteuren und Ressortleitern verlost – die Forners wurden ausgelost.

Schon in seinem Elternhaus wurde jeden Tag Zeitung gelesen, „also kein Wunder, dass sie auch für mich zum Leben dazugehört“, sagt Helmut Forner. Im Jahr 1977 zog er für den Beruf aus Franken nach Berlin, und auch Irmgard Ludwig-Forner verschlug es aus Hessen in die Hauptstadt. Damals versuchten sie es mit verschiedenen Zeitungen. „Das war damals das Blatt, dessen Berlin-Teil mich am meisten angesprochen hat“, sagt der Pensionär. Die Themenvielfalt sei groß und die Texte meist verständlich geschrieben. „Die wichtigsten Informationen werden schnell, kurz und knapp auf den Punkt gebracht“, sagt Irmgard Ludwig-Forner.

Seitdem ihre zwei Töchter, mittlerweile 33 und 39 Jahre alt, aus dem Haus sind, kommt sie wieder öfter zum Lesen. Als Erstes nimmt sie sich immer den Sportteil. Und auch praktische Serviceartikel gefallen dem Ehepaar gut. Wie etwa eine Serie zum Thema Wandern in Berlin: Einmal ist Irmgard Ludwig-Forner mit einer ihrer Töchter nach der Lektüre von Zehlendorf bis nach Wannsee gelaufen. Und auch die Freizeittipps am Wochenende kommen bei dem Ehepaar gut an. Ob ihre Zeitung mitkommt unterwegs? „Da finde ich die Berliner Morgenpost Kompakt schon ganz praktisch. Ansonsten bevorzugen wir ganz klar das klassische Format“, sagt die Pensionärin.

Da Nachrichten im Internet meist oberflächlich blieben, gebe es für die Forners keine Alternative zur gedruckten Zeitung. Dank ihres zuverlässigen Zustellers lande die auch meistens pünktlich im Briefkasten. Wenn sie dann doch mal etwas später kommt, geht Helmut Forner zum nächstgelegenen Kiosk. Oder nimmt die 95 Treppenstufen ein zweites Mal. Nicht so schlimm, findet er. Es gab aber auch Momente, in denen sich Helmut Forner über die Berichterstattung geärgert hat. „Wir sind aber nicht nachtragend“, sagt er. „Wenn wir die Zeitung nicht hätten, müssten wir ja morgens schon miteinander reden“, sagt der 70-Jährige und bringt seine Gäste zum Lachen.

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Sie wünschen sich noch mehr Artikel über soziale Projekte

Ob es auch etwas gibt, was sie ändern würden, fragt Reto Klar. Die Tischrunde überlegt. Mehr Artikel über Projekte im sozialen Bereich wäre so ein Wunsch. Das liegt wohl auch daran, dass sich die Forners und Familienfreund Donald Vogel seit vielen Jahren für verschiedene Projekte engagieren. Besonders liegt ihnen das Theater Thikwa an der Kreuzberger Fidicinstraße am Herzen. In den Stücken, die dort aufgeführt werden, treten Menschen mit und ohne Behinderung auf. „Doch eigentlich spielt all das auf der Bühne keine Rolle mehr“, sagt Irmgard Ludwig-Forner, die regelmäßig die Aufführungen besucht. Theaterspielen solle bei Menschen mit Behinderung als Arbeit anerkannt werden, finden die Forners. Ein anderes Projekt, das sie bewegt, nennt sich „South African German Network e. V.“, oder kurz „Sage Net“. Der gemeinnützige Verein macht sich stark für den Austausch und die Verständigung zwischen der südafrikanischen und der deutschen Gesellschaft. Im Rahmen des Freiwilligendienstes „weltwärts“ konnten mithilfe des Vereins schon rund 300 Jugendliche nach Südafrika reisen. Geplant ist, dass im Gegenzug auch junge Menschen aus Südafrika für ein Jahr nach Deutschland kommen. „Für die Diskussion und den Austausch ist das sehr wichtig“, sagt Donald Vogel.

Kürzlich haben auch bei den Forners zwei Gäste aus Südafrika übernachtet. Sie selbst zieht es aber nicht mehr so weit in die Ferne. „Wir besuchen gerne osteuropäische Länder wie Polen und Rumänien und machen Städtetouren“, sagt Irmgard Ludwig-Forner. Für schöne Fotos reicht aber manchmal auch schon der Blick aus dem Fenster: Hinter dem üppig bepflanzten Balkon ragt das Gasometer in den Schöneberger Himmel. Irmgard hat es bei Sonnenuntergang, bei Vollmond und mit Regenbogen fotografiert und die Abzüge wie Postkarten auf einem Ständer drapiert, der am Fenster auf der Kommode steht. „Bei einem solchen Ausblick lohnt sich doch das viele Treppensteigen“, sagt Irmgard Ludwig-Forner.