Bildung

Ein Not-Portal für die Sorgen von Berliner Schülern

Ab sofort können junge Menschen sich mit Problemen online an Experten wenden und sicher sein, dass sie Unterstützung erhalten.

Für die Berater war es ein alltäglicher Hilferuf: „Hallo, mein Name ist Jenny und ich bin 15 Jahre alt. (...) Ich traue mich einfach kaum noch, den Unterricht zu besuchen, da ich permanent von meinen ehemaligen besten Freundinnen gemobbt werde.“ Ab sofort können junge Menschen in Berlin derlei Mitteilungen online an Experten senden und sicher sein, dass sie Unterstützung erhalten. Das von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie mit 130.000 Euro geförderte Projekt „Jugendnotmail.Berlin“ ist ein neues Portal für Berliner von zehn bis 19 Jahren.

Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte bei der Vorstellung der Seite, es gäbe bereits gut eingespielte Strukturen, die Jugendlichen die Möglichkeit bieten, sich bei einem Telefonat oder vor Ort beraten zu lassen. „Aber der Schritt, dort hinzugehen, oder den Telefonhörer in die Hand zu nehmen, erfordert schon einigen Mut.“ Schließlich bewegten junge Menschen ernste Probleme wie Gewalterfahrungen, Angst um sich und Familienmitglieder, Depression, Schulstress und sexueller Missbrauch. Da sei es leichter, seine Nöte „herunterzuschreiben“, so Scheeres. Auf die Mails werde binnen 24 Stunden geantwortet.

Damit die Adressaten das Angebot zügig nutzen können, ist der Zugang einfach: Die Registrierung erfolgt unter einem beliebigen Namen. Gefragt sind dann nur Passwort, Alter und Geschlecht – wobei es neben „männlich“, „weiblich“ auch „anderes“ gibt. Allerdings ist wichtig, einzutragen, dass man aus Berlin kommt, denn so können die rund 120 Berater aus Psychologie und Sozialpädagogik die Schüler in gravierenden Fällen zur Betreuung an das ins Projekt eingebundene Kinderschutz-Zentrum verweisen. Besteht die Gefahr, dass sich ein Jugendlicher das Leben nimmt, sind die Berater gesetzlich verpflichtet, die Polizei einzuschalten. Sie ermittelt dann bei gerichtlichem Einverständnis die Identität des jungen Menschen und bringt ihn in Sicherheit.

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