Mieten in Berlin

Wohnungstausch-Plattform des Berliner Senats geht online

Das Tausch-Portal inberlinwohnen.de startet mit mehr als 300.000 Wohnungen. Das Angebot steht aber nicht allen Mietern zur Verfügung.

Der Fernsehturm hinter einem Wohnblock in Berlin-Mitte (Archivbild)

Der Fernsehturm hinter einem Wohnblock in Berlin-Mitte (Archivbild)

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Berlin. Der Familiennachwuchs ist gekommen und nun die Wohnung zu klein? Die Kinder sind längst flügge und die Vierzimmerwohnung einfach zu groß geworden? Helfen soll dabei das Wohnungstauschportal inberlinwohnen.de. Das Angebot der sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften Degewo, Gesobau, Gewobag, Stadt und Land sowie WBM mit insgesamt mehr als 300.000 Wohnungen geht am heutigen Montag an den Start. Allerdings gibt es eine wesentliche Einschränkung: Nutzer müssen bereits Mieter einer der sechs Gesellschaften sein, sonst bleibt ihnen der Zugriff auf das Tauschportal verwehrt.

„Mit diesem deutschlandweit einmaligen Angebot schaffen Berlins führende Wohnungsanbieter erstmals die Möglichkeit, auch über Unternehmensgrenzen hinweg Wohnungen zu tauschen“, wirbt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung für das Portal. Die Möglichkeit, zu Vorzugskonditionen Wohnungen zu tauschen, gab es bei den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften zwar schon vorher. Was sich nun, neben der Tatsache, dass die Suche nach passenden Tauschwohnungen jetzt auch online erfolgen kann, noch ändert, will Wohn-Senatorin Katrin Lompscher (Linke) am heutigen Montag vorstellen.

Ab sofort ist das Tauschen von Wohnungen gesellschaftübergreifend, also nicht mehr nur innerhalb des Wohnungsbestandes eines der sechs Unternehmen möglich. Dadurch hat sich die Zahl der potenziellen Tauschpartner und damit auch die Chance, etwas Passendes zu finden, enorm erhöht. Neu ist zudem, dass die Größe der Wohnung, die Ausstattung und auch die Lage keine Rolle mehr spielen, also auch von einer kleineren in eine größere Wohnung umgezogen werden kann. Zuvor galt das Tauschangebot nur, wenn der Umzug von groß nach klein erfolgte. Dazu mussten die Mieter eine um mindestens zehn Prozent kleinere Wohnung suchen. Erst dann sicherten die Wohnungsbaugesellschaften früher zu, dass die neue Bruttowarmmiete – bei vergleichbarer Ausstattung, Modernisierungszustand und Lage – unter der der alten Wohnung liegt.

Die Umzugsprämien werden abgeschafft

Bei Vorliegen sozialer Kriterien konnten Haushalte früher eine Umzugsprämie erhalten. Einpersonenhaushalte erhielten einmalig 1500 Euro, Zweipersonenhaushalte 2000 Euro und Haushalte mit drei und mehr Personen 2500 Euro als Umzugsprämie. Neu ist nun, dass es keine Umzugsprämien mehr gibt. Dafür gibt es die Garantie, dass die Nettomiete unverändert bleibt, die Tauschpartner also jeweils gegenseitig in den alten Mietvertrag des anderen eintreten.

Und da die Bestandsmieten auch bei den Kommunalen in der Regel deutlich niedriger sind als die Neumieten, kann es sich vor allem für junge Familien lohnen, die beispielsweise in den Vertrag eines Seniorenpaares eintreten, die mit der Wohnung einen vor Jahrzehnten abgeschlossenen Mietvertrag übergeben. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr betrug die Durchschnittsmiete für die Wohnungen der städtischen Unternehmen durchschnittlich 5,91 Euro je Quadratmeter (kalt). Beim Abschluss neuer Mietverträge dagegen wurden 7,09 Euro verlangt.

Der Versuch, durch eine Neuregelung der Tauschkriterien der „Fehlbelegung“ vieler landeseigener Wohnungen zu entgegnen, ist dringend geboten. 2017 war die Bereitschaft, die eigene, zu groß gewordene Wohnung zu räumen und in eine kleinere umzuziehen, rapide gesunken. Wurden in den Jahren 2014 bis 2016 immerhin noch jeweils um die 200 Wohnungen getauscht, waren es 2017 nur noch 91 – bei allen sechs Wohnungsbaugesellschaften zusammen.

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