Jubiläum

50 Jahre Alba – eine Berliner Erfolgsgeschichte

Vorstandschef Axel Schweitzer will seine Branche stärker digitalisieren. Das Ziel ist es, mehr Müll zu vermeiden

Vorstandschef Axel Schweitzer (M.) besucht mit den Basketballern von Alba die Recyling-Anlage in Reinickendorf

Vorstandschef Axel Schweitzer (M.) besucht mit den Basketballern von Alba die Recyling-Anlage in Reinickendorf

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin.  Albas Vorstandschef Axel Schweitzer steht vor ein paar Tagen im Gang eines Reisebusses. Auf der Fahrt in den Bezirk Reinickendorf will er erklären, wie das Unternehmen Alba tickt. In den Reihen vor Schweitzer sitzen die Spieler des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin. Die Sportler sollen wissen, was das für ein Unternehmen ist, dessen Logo auf ihren Trikots prangt. Axel Schweitzer, der auch Präsident des Basketball-Vereins ist, sagt: „Meine Eltern haben die Firma 1968 gegründet. Damals war die Branche nicht durch Nachhaltigkeit und Umweltschutz geprägt. Es ging schlicht darum, den Müll wegzuschaffen. Wir wollten es anders machen.“

Später am Tag sehen die Basketballer, wohin sich das Unternehmen Alba in den vergangenen fünf Jahrzehnten entwickelt hat: In der Recyclinganlage in Reinickendorf, die Alba gemeinsam mit der Berliner Stadtreinigung (BSR) betreibt, landet gut ein Drittel des städtischen Hausmülls. Maschinen sortieren den Abfall, reinigen und bereiten die Reste auf. In mehreren Schritten wird so aus dem Müll ein hochwertiger Brennstoff, der zum Beispiel in Kraftwerken zum Einsatz kommt. Das Gelände in Reinickendorf zeigt: Alba ist über die Jahre zu einem der weltweit führenden Entsorgungsdienstleister und Rohstoffanbieter geworden.

Start mit zwei gebrauchten Lastwagen

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte im Sommer 1968 mit einem Müllhaufen vor dem West-Berliner Hotel „Kempinski“. Als sich der Hotelier über die Müllabfuhr beschwert, nimmt Franz Josef Schweitzer die Sache selbst in die Hand. Mit seiner Frau Ursula gründet er im September das Unternehmen Alba, kauft zwei gebrauchte Lastwagen und stellt sechs Mitarbeiter ein. Schweitzer hat bis dahin nichts mit der Entsorgungsbranche zu tun gehabt. Der Rheinländer ist Bauingenieur, errichtete unter anderem einen Staudamm in Malaysia. Doch schon bald zählen Großunternehmen und Handwerksbetriebe zu den Kunden. Privathaushalte darf Alba nicht bedienen. Das bleibt der BSR vorbehalten. Dem einstigen Monopolisten passt die neue Konkurrenz nicht. Einige Jahre später versucht die Politik sogar, den privaten Wettbewerber verbieten zu lassen. Doch Alba ist groß geworden und verändert die Abfallwirtschaft schon damals mit Innovationen. 1972 entwickelt Alba eine Neuheit: Erstmal stellt das Unternehmen im Stadtgebiet Tonnen für Glas, Plastik, Pappe und Papier auf. Die getrennte Wertstofferfassung, das sogenannte Berliner Modell, macht später auch bundesweit Schule.

„Alba steht nach wie vor für Innovationen und gibt immer wieder Anstöße, die für die gesamte Branche interessant sind“, sagt Peter Kurth, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE). Der ehemalige Berliner Finanzsenator Kurth war zwischen 2001 und 2009 auch selbst Mitglied des Alba-Vorstands. Alba, erklärt Kurth, habe lange unter der Insellage West-Berlins gelitten. Erst nach dem Fall der Mauer nahm das Geschäft an Fahrt auf: 1998 setzte der Konzern mit seinen Tochtergesellschaften erstmals eine Milliarde Deutsche Mark um. Alba wuchs weiter rasant, nicht nur deutschlandweit, sondern auch in Europa. 2014 setzte das Unternehmen bereits rund 2,5 Milliarden Euro um und beschäftigte knapp 8000 Mitarbeiter. Für die neue Größe nahm Alba auch hohe Schulden in Kauf. „Das Risiko hat sich gelohnt. Denn Alba hat durch das Wachstum immer auch die Möglichkeit genutzt, kommende Entwicklungen mitzubestimmen“, erklärt Peter Kurth.

Heute sind die Berliner nach Remondis die Nummer zwei innerhalb der deutschen Entsorgerbranche – und noch immer ein Familienunternehmen. Axel und Eric Schweitzer führen den Konzern gemeinsam. Bereits als Kinder arbeiteten die Brüder im Unternehmen mit, fuhren Müllwagen, leerten Tonnen und sortierten Abfall. Heute kümmert sich Axel Schweitzer vor allem um den Ausbau des Geschäfts in China. Seit ein paar Jahren lebt er deswegen auch mit seiner Familie in Hongkong. Bruder Eric hingegen hält in Deutschland die Fäden in der Hand. Als Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) zählt er zu den einflussreichsten Wirtschaftsbossen des Landes.

Alba ist ein Unternehmen, das sich stets auch der Allgemeinheit verpflichtet fühlte: Seit 1991 unterstützt die Firma die Basketballer von Alba Berlin. Noch heute zählt der Konzern zu den Großsponsoren, sorgt mit mehreren Millionen jedes Jahr dafür, dass Alba in der Bundesliga oben mitspielen kann. Und das gesellschaftliche Engagement des Unternehmens geht über den Sport hinaus. 1997 gründete Franz Josef Schweitzer den Verein Kinderleben, der krebskranke Kinder unterstützt. Bereits ein Jahr später eröffnete an der Charité eine Tagesklinik für die kleinen Patienten. Bis heute hat alleine Alba mehr als zwei Millionen Euro an den Verein gespendet.

„Alba ist und bleibt ein Familienunternehmen aus Berlin. Ich wünsche auch für die Zukunft viel Glück und Erfolg und darf mich im Namen der deutschen Hauptstadt sehr herzlich bedanken, auch für das Engagement, das Alba immer wieder an den Tag gelegt hat“, sagt Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Moderne Entsorgung und ambitioniertes Recycling seien heute Voraussetzungen für eine nachhaltige Wirtschafts- und Klimaschutzpolitik, erklärt Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). „Hier leistet die Alba Group einen wichtigen Beitrag für unsere Stadt“, so Pop.

Vorstandschef Axel Schweitzer denkt unterdessen bereits an die Zukunft: „Das Ziel ist eine Welt ohne Abfall“, sagt er. „Dafür muss man nicht gleich den Konsumverzicht ausrufen. Es geht vielmehr darum, intelligente Lösungen zu schaffen.“ Dabei helfe einerseits die Digitalisierung. Andererseits habe Alba selbst bereits entsprechende Ideen etabliert. „Alba wird künftig stärker die Rolle des Organisators einnehmen. Es wird weniger darum gehen, Müll von A nach B zu bringen“, so Schweitzer. Was er meint, ist heute bereits in einem Projekt zu sehen, das Alba gemeinsam mit einem großen deutschen Discounter entwickelt hat. Für die Supermarktkette stellen die Berliner aus Plastikabfall aus der Gelben Tonne Kunststoffkisten her. Nach der Benutzung in den Märkten werden die Behälter gereinigt und wiederverwendet. Laut Schweitzer sind im Laufe der Jahre so mehr als 400 Millionen Pappkartons eingespart worden.

Einen ähnlichen Plan verfolgt das Unternehmen seit einigen Jahren auch in China. Das Reich der Mitte setzt verstärkt auf die Themen Umweltschutz und Recycling. Alba soll dabei helfen. Gemeinsam mit chinesischen Partnern betreiben die Berliner in China jetzt Recyclinganlagen, zuletzt erhielt Alba etwa Großaufträge zum Aufbereiten von Elektroschrott und Automobilen. Um im chinesischen Markt Fuß fassen zu können, musste das Unternehmen aber Macht abgeben: 60 Prozent des China-Geschäfts und des deutschen Service-Geschäfts (Interseroh) gehören mittlerweile der Familie Deng.

„Umweltschutz steht in China ganz oben auf der politischen Agenda. Alba ist weltweit führend im Bereich Recycling. Wir teilen unser Wissen mit Partnern, passen die Technologie an die örtlichen Gegebenheiten an und wachsen dann gemeinsam“, erklärt Axel Schweitzer den Schritt. Derzeit entsteht eine weitere Anlange in der Provinz Guandong. „Wir arbeiten daran, weitere Aufträge zu gewinnen. Das ist unser Ziel“, so Schweitzer. Und er möchte, dass Alba in den nächsten Jahren auch im Bereich Digitalisierung einen Sprung nach vorne macht. Schweitzer setzt auch dabei auf Kooperationen und Partner. Im vergangenen Jahr gründete das Unternehmen deshalb etwa das „InnovationLAB“. Dort sollen auch Start-ups Ideen entwickeln und so helfen, die Abfallwirtschaft in ein neues Zeitalter zu bringen. So könne man mit der Digitalisierung zum Beispiel Mülltouren intelligenter planen. Volle Tonnen könnten etwa selbst die Abholung ordern und Angaben dazu machen, mit welcher Art Müll sie befüllt wurden. Auch nach 50 Jahren gehen Alba die Ideen noch lange nicht aus.

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