Kunstprojekt Dau

Neue Mauer durch Berlin: „Zelebrierung des Bösen“

Der DDR-Bürgerrechtler Konrad Weiß kritisiert das Mauer-Kunstprojekt Dau zwischen Unter den Linden und Französischer Straße scharf.

Die Mauer am Kronprinzenpalais in der Simulation

Die Mauer am Kronprinzenpalais in der Simulation

Foto: Maurizio Gambarini, pa/imageBROKER/Ch. Reister; Montage BM

Berlin. Bisher drehte sich die Debatte um das umstrittene Kunstprojekt Dau in Berlins Mitte eher um die Frage, ob die Behörden die geplante 3,60 Meter hohe Mauer um das Areal zwischen Unter den Linden und Französischer Straße rechtzeitig genehmigen können.

Nun hat sich mit Konrad Weiß erstmals ein prominenter früherer DDR-Bürgerrechtler aus künstlerischer und historischer Sicht gegen das Vorhaben ausgesprochen. Weiß, einst Mitgründer der Bürgerbewegung „Demokratie jetzt“ und später für Bündnis 90/Grüne im Bundestag, wendet sich in einem offenen Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) und bittet sie, die Umsetzung dieses Projektes „nicht zuzulassen“.

Der 76-jährige Publizist und Regisseur argumentiert dabei zweigleisig. Zum einen stört er sich an der geplanten Mauer: „Der Gedanke, dass ein Stück Berlin neuerlich von einer Mauer geschändet wird, und sei es auch nur für einige Tage, ist für mich unerträglich. Ich denke, dass dies viele, die in der DDR oder in Ostberlin gelebt haben, so empfinden werden“, schreibt Wolf und fragt: „Was soll diese gigantische Zele­brierung des Bösen?“

Aber auch an dem Konzept der Initiatoren um den russischen Regisseur Ilya Khrzhanovsky und die vom Bund unterstützten Berliner Festspiele sieht der Publizist erhebliche Mängel. „Dieses Projekt ist keine künstlerische Provokation, sondern banalisiert die kommunistischen Verbrechen“, so Weiß. Wer sich wie geplant ein Visum für Dau kaufe, unterwerfe sich einer „fremden Macht“. Grütters und Müller würden zulassen, dass Bürger gezwungen würden, beim Besuch von Dau persönliche Daten preiszugeben, ihr Mobiltelefon auszuhändigen und so gezwungen würden, ohne Kontakt nach außen zu sein, kritisiert Weiß. Die Besucher müssten sich stattdessen einer anonymen Macht, einem „Device“ ausliefern, von dem niemand wisse, welcher Algorithmus oder vielmehr welche Macht dahinterstecke. „Eine solche totale Isolierung, eine solche Funkstille mitten im Zentrum von Berlin wäre eine unverantwortliche Beschränkung bürgerlicher Freiheit“, warnt der Publizist.

Die halbe Fläche bedeutet nicht weniger Probleme

Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hat sich nach längerem Zögern nun doch zu diesem „spannenden Projekt“ bekannt, ohne dass er jedoch etwas für das privat finanzierte Vorhaben tun könne. Ob es zu einer Genehmigung kommt und die Mauer wie geplant ab dem 12. Oktober das Gelände umschließen kann, ist aber immer noch offen.

Die Veranstalter haben auf die skeptischen Stimmen aus dem Bezirksamt Mitte reagiert und ihr Areal deutlich verkleinert. So haben sie die Staatsoper und die angrenzenden Gebäude draußen gelassen. Nun soll Dau nur noch zwischen Kupfergraben und Oberwallstraße spielen. Die Mauer, bisher mit einem Kilometer Länge geplant, würde mehrere Hundert Meter kürzer.

Dass diese Änderung es den Behörden leichter macht, die private Veranstaltung zu genehmigen, ist eher nicht zu erwarten. Mittes Bürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) warnte vor der Erwartung, wenn man die Fläche halbiere, gebe es auch nur halb so viele Probleme. Vor allem müsse nun neu geprüft werden, ob die Sicherheit der Besucher in dem verkleinerten Gelände gewährleistet sei. Auch die Frage, ob die Mauerstücke womöglich Bürgersteige oder darunterliegende Leitungen beschädige, bleibe zu klären. Die Stadträtin im Bezirk Mitte, Sabine Weißler, hatte bereits früher gesagt, die Grünflächen im Inneren des Blocks dürften nicht genutzt werden. Die Entscheidung, ob Dau erlaubt wird oder nicht, soll am 28. September fallen.

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