Feste am Sonnabend

Von Bürgerfest bis Strohballenrennen: Berlin in Feierlaune

Zehntausende Berliner kommen zum Bundespräsidenten, zum Rixdorfer Strohballenrollen und zum Fest der Kirchen.

Kontakt mit Bürgern: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Ehefrau Elke Büdenbender (im gelben Kleid) nehmen beim Bürgerfest im Park des Schlosses Bellevue ein Bad in der Menge

Kontakt mit Bürgern: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Ehefrau Elke Büdenbender (im gelben Kleid) nehmen beim Bürgerfest im Park des Schlosses Bellevue ein Bad in der Menge

Foto: Eventpress HHH / Eventpress

Berlin. Es ist kein Geheimnis: Berliner können feiern, mal laut und fröhlich, mal andächtig und genussvoll. Am Sonnabend gab es dafür gleich mehrere Möglichkeiten. Die Rahmenbedingungen waren zudem perfekt: Die Sonne zeigte noch einmal richtig, was sie kann. Regenwolken und schlechte Laune machten einen großen Bogen um die Stadt. Wir haben sich auf einigen der Feste umgeschaut:

Bürgerfest des Bundespräsidenten: Bereits am Freitag hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gut 4000 Vertreter von Initiativen und Verbänden in seinem Amtssitz in Tiergarten begrüßt und deren ehrenamtliche Arbeit gewürdigt. Am Sonnabend folgte nun Teil zwei des inzwischen schon traditionellen Bürgerfestes des Bundespräsidenten. Schloss Bellevue und die angrenzenden weitläufigen Parkanlagen waren von 11 bis 19 Uhr für jedermann geöffnet. Das Interesse an dem Besuch war riesig.

Bereits kurz nach Öffnung der sonst für die Allgemeinheit fest verschlossenen Schlosstore hatten sich lange Warteschlangen gebildet. Sie waren Folge der von Bundespolizisten akribisch ausgeführten Einlasskontrollen. Gut eine halbe Stunde dauerte es am Vormittag, bis die Sicherheitsschleusen nach Flughafen-Vorbild passiert waren. Das tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Das Verständnis für die Sicherheitskontrollen war groß, deren Organisation vorbildlich. Wem es zu heiß wurde, bekam kostenlose Erfrischung an einem Stand der Berliner Wasserbetriebe.

„Wir haben uns extra dieses Wochenende für unseren Berlin-Besuch ausgewählt, um einmal ins Schloss Bellevue zu kommen“, sagte ein Besucher, der gemeinsam mit Frau und Enkelin Sina aus Baden-Württemberg angereist war. Sina selbst war über den gewählten Ausflugsort hochzufrieden. An den Ständen gab es Spaghettieis, und der Deutsche Alpenverein hatte auch einen Kletterfelsen aufgebaut.

Frank-Walter Steinmeier und Ehefrau Elke Büdenbender begrüßten die Tausenden Besucher kurz nach 13 Uhr von der großen Parkbühne aus und verrieten im Interview mit Moderator und Morgenpost-Autor Jörg Thadeusz auch, dass sie selbst kaum Zeit haben, den weitläufigen Park am Schloss Bellevue zu genießen. „Was viele nicht wissen: Wir wohnen ja nicht hier. Das gab es zuletzt bei Roman Herzog.“ Dass das sorgsam gepflegte Grün einmal im Jahr ein Stresstest erlebe, mache ihm nichts aus, so der Bundespräsident. „Das ist schließlich Ihr Garten und Ihr Park!“, rief Steinmeier den Besuchern zu. Auf dem Programm standen außerdem unter anderem Auftritte der Band Die Prinzen, der Sächsischen Bläserphilharmonie und des Freckenhorster Kinder- und Jugendchors. Höhepunkt des Festes war am Nachmittag eine Direktschaltung in die Raumstation ISS, die erstmals von einem Deutschen, dem Astronauten Alexander Gerst, geleitet wird.

Lollapalooza: Max Hurmerintas Bart leuchtet violett und silbern. „Der Glitzerstaub sieht einfach cool aus, meinte meine Freundin“, sagt der 31 Jahre alte Finne lachend. Auf dem Lollapalooza war er damit nicht allein. Viele hatten sich für das Festival extravagant geschminkt oder verkleidet.

Bereits am Sonnabendnachmittag feierten Zehntausende auf dem Olympiagelände. Aus U- und S-Bahn strömten große Gruppen zu den beiden Eingängen. Über das ganze Wochenende erwarteten die Veranstalter mehr als 100.000 Besucher. Auf den beiden abwechselnd bespielten Hauptbühnen auf dem Maifeld, einer weiteren im Olympiastadion sowie zwei kleinen auf dem Gelände sollten um die 60 Künstler auftreten. „Ich freue mich auf David Guetta“, sagte die 22-jährige Isa aus Berlin.

Vielen Anwohnern war wegen des Lärms weniger zum Lachen zumute. Nach dem Soundcheck ab acht Uhr morgens vermeldete die Polizei vermehrt Beschwerden. Andere sahen es gelassen. „Man weiß ja, wo man wohnt“, sagte Detlef Tupat, der mit seiner Familie vor 22 Jahren ans Olympiastadion gezogen ist. Ob Konzerte oder Fußballspiele – laut sei es häufig. „Es hat auch Vorteile. Für uns ist alles umsonst“, sagte Nachbarin Stephanie Leister-Dowling. Den Abend wollten sie auf dem Balkon verbringen und der Musik zuhören.

Fest der Kirchen: Ungewohntes Flair auf dem Berliner Alexanderplatz. Der Platz wurde am Sonnabend einmal nicht von tütentragenden Kaufhausbesuchern, mobilen Bratwurst-Verkäufern und Pelzmützen-Händlern bevölkert. Statt schnödem Mammon und Kleinkriminalität gab es himmlische Klänge und göttliche Erbauung. Der Alex war am Sonnabend Schauplatz eines „Festes der Kirchen“. An 115 Ständen präsentieren sich die 32 im Ökumenischen Rat Berlin-Brandenburg vertretenen Kirchen (insgesamt rund 1,8 Millionen Mitglieder), aber auch Hilfsorganisationen wie Amnesty International mit ihren Ideen und Projekten. „Das Motto der Ökumene ist: Versöhnte Verschiedenheit. Das heißt: Jeder hat seinen Glauben, aber wir wollen dafür keine Kriege führen, sondern friedlich und freundschaftlich miteinander leben“, sagte Organisator Hans-Joachim Ditz. Das Ziel des bereits zum fünften Mal in der Stadt veranstalteten Festes sei es, dieses Anliegen in die derzeit so zerrissene Welt hinauszutragen. Für den gemeinsamen Gottesdienst am Abend erwartete Ditz mindestens 1000 Gläubige aller Konfessionen.

Rixdorfer Strohballenrollen: Auf den letzten Metern war den Teams die Anstrengung anzusehen. Konzentriert rollten sie den Strohballen in Richtung Ziellinie, aber aus dem Rennen zu Beginn war bei den meisten ein Gehen geworden. Kein Wunder: Die Strohballen, die die vier Teammitglieder auf der 222 Meter langen Strecke um den Neuköllner Richardplatz rollten, wogen mehr als 200 Kilo. „Danach braucht man erst mal eine halbe Stunde, um sich zu erholen“, sagte Teilnehmer Damian Cortes (19). Er und seine Mitstreiter waren dieses Mal als Piraten verkleidet. Das Kostüm gehört zum Rennen dazu. Seit 2008 findet das Rixdorfer Strohballenrollen mit einem deutsch-böhmischen Dorffest statt. Veranstaltet wird das Event von der Künstlerkolonie Rixdorf. Inzwischen hat sich das Fest etabliert.

Weil Rixdorf 1737 von böhmischen Flüchtlingen gegründet wurde, wird das Fest mit Gästen aus Neuköllns Partnerstadt Ústí nad Orlicí und dem Dorf Horní Čermná gefeiert, aus dem die meisten nach Rixdorf ausgewanderten Böhmen stammen.

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